Worauf es nun ankommt


Geschrieben am Donnerstag, 10. Mai 2012 von Thomas Kilian

Ein Ruck ging in den vergangenen Wochen durch die SEO-Szene (SEO = “Search Engine Optimization”, d.h. Suchmaschinen-Optimierung), denn Goolge hat an seinen Verfahren zur Berechnung des Rankings geschraubt. Mir liegt es fern, einen weiteren Detail-Artikel über die Gründe des veränderten Algorithmus zu schreiben, zumal sich hier, hier, hier, hier und hier, hier und auch hier schon recht aussagekräftige Einschätzungen nachlesen lassen,wieso der “Pinguin” aufgeräumt hat.

Update: Diesen Artikel hatte ich beim Schreiben noch nicht auf dem Radar, passt aber inhaltlich hervorragend ins Bild. Weitere Beiträge zum Thema gerne in die Kommentare posten, nehme ich nach Prüfung gerne ebenfalls mit auf!

Zwischen Penalty und Pinguin

Kurz und knapp: Es ist nichts mehr so, wie es mal war. Manche Suchmaschinen-Optimierer haben zahlreiche oder gar alle ihrer Projekte verloren (O-Ton: “Ich bin erstmal weg vom Fenster!“), andere feiern die Verluste ihres Wettbewerbs. Wir selbst sind recht stabil aus der Geschichte rausgekommen, haben bei zwei eigenen Projekten eine Abstrafung erhalten und begleiten einen Kunden (der allerdings weitere Dienstleister für den Linkaufbau beschäftigt hat), wie er die Verluste einzelner Keywords wieder ausbügeln kann. Alle anderen Kundenprojekte im SEO-Bereich sind nach wie vor stabil, haben sogar zum Teil Positionen gut gemacht.

Doch mir geht es nicht um Schulterklopfen, Erleichterung oder Häme – sondern um die Frage, worauf es denn nun ankommt. Klar ist, dass Google mit Panda, blauen Briefen, dem Pinguin-Update und anderen Algorithmus-Änderungen immer mehr darauf abzielt, unnatürliche Formen der Optimierung zu verhindern. Dabei ist eigentlich egal, ob es sich um eine Abstrafung (“Penalty”) handelt, oder um eine Neuberechnung der Positionen, weil bestimmte Faktoren nicht mehr greifen wie zuvor. Egal ist mir auch, ob diese durch Keyword-Stuffing, übermäßige Häufung von immer gleichen Linktexten oder durch offensichtlichen Linkkauf zustande kommt. Ebenfalls egal sollte sein, ob die Links nun aus abgestraften Artikelverzeichnissen oder durch einen Linkbuilding Service kommen. Was die genauen Gründe sind, wird jeder Webmaster für sein Projekt selbst herausfinden müssen.

Fakt ist jedoch, dass Mechanismen heute nicht mehr greifen bzw. geduldet sind, die vor einem halben Jahr, einem Jahr oder drei Jahren noch gut funktioniert haben. Auch deshalb finde ich Äußerungen wie: “Habe ich schon immer gesagt!”, oder: “Die haben auch echt Mist gebaut!”, ziemlich fehl am Platz. Zumal manche Kollegen (ob schuldhaft, aus Unwissenheit oder durch die Verkettung der Umstände) am Rande der Existenz stehen. In diesen Momenten bin ich froh, dass wir mit unserer Agentur nicht ausschließlich am Google-Tropf hängen, sondern mit Webdesign, Online-PR und Social Media für unsere Kunden auch andere Kanäle bedienen.

Was sagen die SEOs selbst zu diesem Thema?

Bevor ich meine eigene Einschätzung zur weiteren Entwicklung der Suchmaschinen-Optimierung abgebe, möchte ich einige SEO-Kollegen zu Wort kommen lassen, denen ich die Frage “Worauf kommt es nun an?” gestellt habe:

“Meiner Meinung nach ist es mehr denn je wichtig, seinen Kunden sehr gute Inhalte anzubieten. Google wird immer besser darin, auch die Contentqualität zu erkennen. Zudem besteht dann die Chance, auf natürlichem Wege verlinkt zu werden. Weiterhin sind Social Signals wichtig, vor allem Google+ und Facebook. Von ‘Money Keywords’, Linknetzwerken und Artikelverzeichnissen würde ich mehr denn je die Finger lassen.”

Jörg Heidjann

“Es kommt einmal mehr auf hochwertige Links an. Die ganzen Schrottmethoden wie Artikelverzeichnisse und große Billigexpired-Netze haben viel zu lange funktioniert. Die Golden Rules of Linkbuilding von 2009 sind fast unverändert weiterhin gültig.”

Christoph C. Cemper

“Qualität kam bei Google bislang immer vor Quantität, zumindest was die Backlinkstruktur betrifft. Onpage sollte man prüfen, ob man nun aus Google-Sicht Keywords spam-mäßig verwendet. Bei Texten und Blogartikeln setzen wir jetzt auf weniger Beiträge. Diese sind dafür so aufwändig wie 3-4 typische Artikel, also nun etwa 1000 Wörter pro Beitrag. Mit Fotos, PDFs und weiteren Medientypen sollten die reinen Texte inhaltlich angereichert werden. So steigt auch die Wahrscheinlichkeit, mit diesem Artikel positives Feedback und damit Reichweite in sozialen Netzwerken zu schaffen. Das ist das SEO der Zukunft.”

Andreas Wellensiek

“In Zukunft müssen Links ‘organisch’ sein. Die Seite, von der ein Link gesetzt wird, muss legitim und im redaktionellen Zusammenhang auf eine Seite verlinken, die es ‘verdient’ hat, diesen Link zu erhalten. Ein organischer Link ist demnach ein verdienter Link. Wenn ich mir ein Linkprofil anschaue und eine Aussage darüber machen soll, welche Links entfernt werden sollten, dann frage ich mich einfach: ‘Hat es diese Seite diesen Link verdient?’ Google-Quality-Chef Amit Singhal bietet eine Liste von 23 Fragen (EN). Auch wenn diese Fragen auf den Content abzielen, so lassen sich die Prinzipien leicht auf Links übertragen. Zum Schluss weiß aber auch der schwärzeste Blackhat ganz genau, ob er diesen Link verdient hat oder nicht. Eben rein aus dem Bauchgefühl.”

Saša Ebach

“Ich bin der Meinung, dass man in jedem Fall Ruhe bewahren sollte. Es ist eine etwas aufregende Zeit, für alle Beteiligten. Daten sammeln, auswerten und dann Gegenmaßnahmen einleiten, wie auch immer sie aussehen mögen, denn für jedes Projekt gelten eventuell andere Spielregeln. Die Hoffnung, dass Google ein Rollback fahren könnte, ist Hanebüchen. Es hat schon größtenteils die richtigen Projekte getroffen und die ‘Heulerei’ kann ich nicht nachvollziehen. In jedem Fall kein Aktionismus verursachen und panisch Links entfernen, denn diese Panikmache beruht auf keiner gesunden Grundlage. Auch, wenn das Update sicherlich nicht verkehrt war, finde ich die Vorgehensweise von einem quasi Monopolisten einfach verantwortungslos.”

Eren Kozik

“Wichtig ist, nicht überstürzt mit dem Abbau von Links zu starten, sondern bei Einbruch von Traffic und / oder Sichtbarkeit (= Rankingverlusten) erst die Ursache festzustellen. Ist man vom Pinguin oder Panda betroffen, ist der Abbau von Links nicht das Mittel zum Zweck. Hier gelten andere Maßnahmen. Beim Paid-Link-Penalty hingegen ist dies sehr wohl der richtige Weg, der auch schon mehrfach schriftlich und offiziell von Googles QR-Team bestätigt wurde. Zum Aufbau von Links kann ich nur empfehlen: Finger weg von billigen Linkquellen, insbesondere von Netzwerken. Auch öffentlich zeigte Google bereits auf einige Seiten bzw. Unterseiten mit dem Finger und die Seiten gehörten fast immer zu Netzwerken oder waren auch mal Artikelverzeichnisse. Der Aufbau heute muss so organisch wie möglich wirken / sein. Agenturen und Freelancer, aber auch die Seitenbetreiber selbst, sind jetzt richtig beraten, wenn sie über Kontakte an gute Quellen kommen oder, wie es zum Beispiel Sasa Ebach hervorragend macht, mit guten Ideen! Qualität zahlt sich aus und fällt auch 2017 niemanden auf die Füße.”

Sören Eisenschmidt

“Auch wenn es schwer fällt, sollte man einen kühlen Kopf bewahren! Wir stellen aktuell fest, dass insbesondere kleine Webseitenbetreiber krampfhaft versuchen, ihre durch das Penguin Update verursachten Rankingverluste durch erneut minderwertige Linkbuilding-Maßnahmen (Kommentarspam usw.) irgendwie zu kompensieren. Spätestens nach Penguin sollte man begreifen, dass Linkbuilding ein generelles Umdenken erfordert: Weg vom stupiden Linkkauf hin zum Kreativmarketing!”

Heiner Hemken

Worauf kommt es denn im echten Leben an?

Die meisten Aussagen meiner Freunde aus der SEO-Szene kann ich voll und ganz unterschreiben. Auch wenn jeder andere Aspekte beleuchtet, ergeben die Einsichten und Ansichten doch ein sehr schönes Gesamtbild. Trotzdem möchte ich auch meinen eigenen Senf zum Thema abgeben und noch einen Faktor einbringen, der in vielen Diskussionen – aus meiner Sicht – vernachlässigt wird. Dazu gehört für mich, dass Google in vielerlei Hinsicht äußerst “menschlich” agiert.

Wer das eigentliche Ziel der Suchmaschine verstanden hat, nämlich für einen Suchbegriff die besten, die relevantesten, die beliebtesten Ergebnisse weit oben zu positionieren, der dürfte auch nachvollziehen können, wieso ein Ranking so schwer zu ermitteln ist – schließlich sind die Geschmäcker verschieden, verändern sich mit der Zeit, unterliegen zum Teil auch einem massiven Wandel. Dies gilt für Themen, für aktuelle Trends und auch für die Mode.

Es geht also nicht nur darum, authentische, werthaltige, natürliche oder unauffällige Links zu “generieren”. Es geht auch nicht nur darum, die eigene Seite nach Usability-Gesichtspunkten und Nutzerbedürfnissen auszurichten. Sondern es geht vor allem darum …

  • fortlaufend am Puls der Zeit zu bleiben
  • das System “am Leben” zu erhalten
  • immer wieder für frischen Wind zu sorgen
  • abseits eingetrampelter Pfade zu laufen
  • neue Methoden auszuprobieren
  • sich optimal zu vernetzen
  • fortlaufende Mehrwerte zu bieten.

Mein Bauchgefühl sagt dazu eindeutig: “Grmpfl!”

Es gibt Tage, da stehe ich am Fenster und starre in die Ferne, weil ich die Herausforderungen in der Suchmaschinen-Optimierung kontinuierlichen Präsenz im Netz, der immer-schneller-immer-weiter-immer-besser-Mentalität und des enormen Ranking-Erfolgsdrucks nicht mehr aushalte. Manchmal ist SEO wie Kaltakquise, eine echte Horrorvorstellung im Kampf um die vorderen Plätze. Wer permanent zwischen Depression und Google-Wahn lebt, kann beim Zoobesuch zwischen Panda und Pinguin schnell den Boden unter den Füßen verlieren.

Doch leider – liebe Freunde – kann ich im Hinblick auf die Suchmaschinen-Optimierung keine andere Einschätzung abgegeben. Wie in der Kundengewinnung insgesamt, gibt es auch im SEO keine Abkürzung. Weiterkommen erfordert “Blut, Schweiß und Tränen”, auch im Netz.

Das zu wissen, macht es nicht unbedingt leichter – aber es hilft mir, einen sicheren Stand zu bekommen. Mein Wert als Mensch hängt nicht vom Google-Ranking ab. Die Qualität meiner Arbeit drückt sich nicht nur in Keyword-Positionen aus. Der Sonntag Nachmittag ist nicht nur zur Auswertung der neuen Sistrix- oder Was-auch-immer-Werte gedacht.

Also hört auf zu jammern, gesteht Fehler ein, bleibt menschlich, klopft Euch den Staub von den Schultern und fangt noch mal von vorne an und macht es beim nächsten Mal besser. Das ist, worauf es jetzt ankommt.

Bildquelle: © Steve Young – Fotolia.com

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8 KOMMENTAR(E)
zum Beitrag “Worauf es nun ankommt”
Hendrik
Am 10. Mai 2012 um 16:00 Uhr

Als SEO optimiert man für Suchmaschinen. Die Suchmaschinen möchten dem Suchenden das optimalste Ergebnis zur Suche liefern. Es war doch von Anfang an klar, dass langfristig nur hochwertige Seiten mit gutem Linkmix Erfolg haben, da die Suchergebnisse den Suchenden Qualität bieten sollen.

SEOs sollten also nicht versuchen die Suchmaschinen mit schlechten Links zu überlisten und die Suchenden mit minderwertigen Seiten zur Generierung von Einnahmen ausnutzen, sondern die Suchmaschinen unterstützen und für ein qualitatives Ergebnis sorgen, welches den Suchmaschinen als erfolgreiche Suche angerechnet wird und den Suchenden zufrieden stellt. Das macht die Suchmaschine und den Suchenden glücklich und sorgt entsprechend für mehr Einnahmen!

Folgendes Rezept kann sicher gut angewendet werden:

Was bringen einem 10 minderwertige Äpfel und ein hervorragender Apfel mit herausragendem Geschmack? Aus den 10 Äpfeln macht man einen Apfelkuchen und schneidet die schlechten Ecken (Trash Links) heraus. Der wunderschöne rote Apfel (qualitative Links von hochwertigen Seiten) wird natürlich so verzehrt, kostet dafür aber auch mehr beim Händler bzw. mehr Arbeit, um ihn anzubauen. Der Apfelkuchen (Jedes Stück Kuchen ist eine andere Art von Link) macht rundherum satt (Linkmix).

Beste Grüße,

Hendrik

Mark
Am 11. Mai 2012 um 12:03 Uhr

Mittelfristig werden die Anforderungen beim Aufbau eines natürlichen Backlinkprofils sicherlich steigern. Der Trend geht definitiv in Richtung Qualität und Themenrelevanz. Sauber geschriebener, fremd publizierter Content auf Webseiten mit Trust (Presell Pages / Hosted Content) und generell mit zusätzlichen Inhalten (Bilder, Videos,…) angereicherte Texte werden jetzt noch wichtiger.

Mario
Am 11. Mai 2012 um 15:39 Uhr

Sehr gut gemachter Artikel Thomas, ich sehe du hast gut aufgepasst ;-)

Daniel
Am 12. Mai 2012 um 15:08 Uhr

Super Artikel Thomas, Daumen hoch … dem gibs eigentlich nichts hinzuzufügen

VIELCOM
Am 29. Mai 2012 um 12:37 Uhr

Fein zusammengetragen…

Chris
Am 14. Juni 2012 um 13:17 Uhr

Was uns wohl das neueste Venice Update von Google bringen wird? Sturz in das Bodenlose oder wird google in seiner Betrachtungsweise von Seiten und Links dem Menschen damit einfach immer ähnlicher?

Konstantin
Am 6. August 2012 um 09:17 Uhr

Irgendwo finde ich es natürlich gut das Mr. Google solche SEO Seite sich vornimmt, anderseits läuft da definitiv was falsch mit den ganzen Updates. Wenn man für verschiedene Keywords die Suchergebnisse anschaut, dann kommen einige Webseiten, zu sehr vor, z.B. wenn man nach “Übersetzung Deutsch Englisch” sucht, die Seite 3-6 ist nur von dict besetzt, was soll das? Gibt es keine andere Seiten im Netz oder werden nur Einzelne Seiten die auch das Geld haben bevorzugt…

Dieter
Am 27. Juli 2013 um 17:43 Uhr

Es ist schon gut, dass es einen Säuberungsprozess gibt. Wenn man selber nach Produkten oder Dienstleistungen sucht möchte man auch das beste und relevanteste Suchergebnis finden. Man möchte keine Zeit verschwenden um nach dem besten Ergebnis zu suchen.

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zum Beitrag “ Worauf es nun ankommt”
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