Wer mieten will, muss leiden!


Geschrieben am Donnerstag, 29. Mai 2008 von Thomas Kilian

Habe heute eigentlich nicht viel Zeit zum Bloggen — da kommt ein Gastbeitrag von meinem Bloggerkollegen Alexander Jahn gerade richtig. Er schildert in seiner ganz persönlichen Leidensgeschichte, wieso es auch in der Immobilien-Branche “Neukunden-Verpreller” gibt und welche 7 Kapitalfehler ihn bei an einer erfolgreichen Anmietung gehindert haben.

Alexander JahnIch suche seit einiger Zeit eine neue Wohnung. Eine ruhige Lage muss sie haben, sie muss gross sein, der Grundriss muss stimmen und meine Lebensgefährtin möchte einen Raum dieser Wohnung für kosmetische Behandlungen gewerblich nutzen. Dabei gibt es keine Laufkundschaft sondern nur Termine nach vorheriger Absprache. Bei diesem Gewerbe entsteht kein Krach; die Menschen, die soetwas in Anspruch nehmen, wollen sowieso ihre Ruhe haben.

Nach langer Suche fand ich eine solche Wohnung: gute Lage, gute Grösse, auch für einen angemessenen Preis. Ich schrieb der Verwalterin über die Mailfunktion eines grossen deutschen Immobilienportals eine Nachricht, in der ich unser Anliegen schilderte, mit der Bitte um Antwort, ob man in dieser Wohnung einen Raum gewerblich nutzen könnte.

Der Rückruf ließ nicht lange auf sich warten. Am nächsten Tag rief Frau L. bei mir an, meldete sich freundlich mit Namen und Firma und sagte dann gar nichts mehr. Hätte ich mir nicht ihren Namen und die Firmenbezeichnung schon am Vortag gemerkt, hätte ich gar nicht gewusst worum es geht. “Achso, ja…Sie sind die Dame von der Immobilienverwaltung…” entgegnete ich Ihr. Sie kannte mein Anliegen und sagte mir im ersten Satz: “Das geht nicht.”
Eigentlich hätte ich an dieser Stelle schon auflegen können, denn sie hatte sich und ihr Unternehmen bereits im ersten Satz disqualifiziert. Ich denke da immer an einen Heimwerkerspruch: “Geht nicht, gibt’s nicht.”

“Wieso mietet sich Ihre Lebensgefährtin nicht ein separates Ladengeschäft an?” war ihre zweite Frage. Das ist nicht Gegenstand meines Anliegens. Wenn ich das wollte, würde ich keine Wohnung suchen, in der man einen Raum gewerblich nutzen kann. Ich sagte ihr, dass wir durch die Zusammenlegung von Gewerbe und Wohnen auch unnötige Kosten vermeiden wollen.

Nachfolgend erklärte sie mir noch lang und breit, wieso es nicht geht. Sie sagte mir, dass in diesem Haus außerdem nur fünf Eigentümer wohnen, die damit nicht einverständen wären. Aha, sie spricht im Namen der fünf Eigentümer…ganz bestimmt hat sie die auch vorher angerufen und gefragt. Außerdem möchte man dort keinen Krach haben. Ich erklärte ihr noch einmal – genauso wie in der E-Mail – wie dieses Gewerbe funktioniert (kein Krach, keine Laufkundschaft, etc.).

“Übrigens,” sagte sie “ist diese Wohnung ein hochwertiges Angebot. Ich glaube nicht, dass dies das richtige für Sie ist.”
Ich glaubte, ich hatte mich gerade verhört. Jetzt wird mir auch schon unterstellt, dass ich nicht in der Lage bin, die Miete zu bezahlen. Wenn Frau L. eins und eins zusammengezählt hätte, wüsste sie, dass zwei Mieter auch zwei Einkommen haben. Außerdem ist es doch eine Frechheit, einen potenziellen Kunden im Vorfeld nach seiner Zahlungskraft einzustufen und diesem das auch noch direkt ins Gesicht zu sagen.

Gut, ich bin ja ein friedfertiger Mensch und behielt die Fassung. Nun aber nahm mir Frau L. auch noch alle Hoffnung jemals eine Wohnung zu finden, die man privat wie auch gewerblich nutzen kann. “Das ist unüblich und da werden Sie hier in der Stadt kein Glück haben.” war ihr vielversprechender Hinweis, den sie mir auf den Weg geben wollte.

Nun gut, ich wollte nicht böse sein, und dachte mir, dass ich Frau L. als Kunde noch eine Chance geben sollte. Ich sagte Ihr, dass sie doch bitte an mich denken soll, wenn entsprechende Wohnungsangebote ins Haus flattern, die für mein Anliegen passend sein könnten. “Da mache ich Ihnen wenig Hoffnung.” sagte sie mir.

Herzlichen Dank, Frau L. – Auf Wiederhören. Tut Tut Tut. Wer kein Geld verdienen will, der lässt es eben bleiben!
Die arme Frau L., macht alle Fehler, die es gibt. Ich will diese noch einmal hier aufführen:

  1. Sie negiert Ihre Leistungen und Ihre Kompetenz. “Das geht nicht.” sagte sie. Service bedeutet aber, dass es eben doch geht und man sich um das Anliegen des Kunden kümmert. Hinterher kann man immer noch sagen, dass man keine Chancen sieht, aber nicht gleich im ersten Satz.
  2. Sie stellt mir sofort “Alternativen” zur Auswahl, die für mich indiskutabel sind. “Wieso mietet sich Ihre Lebensgefährtin nicht ein separates Ladengeschäft an?” Wenn das mein Anliegen wäre, hätte ich danach gefragt.
  3. Sie spricht im Namen der Eigentümer, ohne den Eigentümern mein Anliegen geschildert zu haben. Sicherlich ruft sie bei jeder Anfrage eines Wohnungsinteressenten alle fünf Eigentümer an, was diese davon halten.
  4. Sie spricht mir meine Kompetenz über den Ablauf des Gewerbes ab. Oder woher weiss sie, dass dieses Gewerbe Krach verursacht?
  5. Sie unterstellt mir meine Zahlungskraft zur Begleichung der monatlichen Miete. Ein absolutes No-Go. Denn jeder Kunde ist gleich zu behandeln. Sie weiss doch gar nicht wer ich bin, was ich mache und wie mein Kontostand ausschaut.
  6. Sie spricht sich nicht nur Ihre Möglichkeiten, sondern auch die Möglichkeiten Ihrer Mitbewerber ab. “Das ist unüblich und da werden Sie hier in der Stadt kein Glück haben.” ist ein Satz, der mich nur noch mehr anspornt, weiter zu suchen und geeignete Räumlichkeiten zu finden. Es zeigt außerdem, dass Sie weder den Markt noch Ihre Konkurrenz kennt. Der Trend geht eindeutig zum “Home-Office” und zum Wohngewerbe. Das haben auch Ihre Mitbewerber erkannt und sogar einen dementsprechenden Firmennamen kreiert.
  7. Sie macht mir auch wenig Hoffnung, dass weitere Angebote für mich interessant sein könnten und schickt mich förmlich zur Konkurrenz.

Es ist sehr schade und eigentlich auch traurig, wie man sich und sein Unternehmen selbst so ins Abseits schießen kann, denn eine Empfehlung für Frau L. werde ich leider nicht aussprechen. “Der Kunde ist König!” – das war so, ist so und bleibt auch so!

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3 KOMMENTAR(E)
zum Beitrag “Wer mieten will, muss leiden!”
Gerhard Zirkel
Am 29. Mai 2008 um 14:59 Uhr

Das ist nicht nur so, wenn man ein Objekt mieten will. Auch bei Kaufobjekten stellen sich die Damen und Herren Makler mehr als blöd an.

Der krassesten Fall war ein Kunde von mir, der ein Haus bis max. 1.000.000 (Ja, eine Million) Euro suchte. Er hatte vorher nur die kleine Frage, ob die Makler eine Feng Shui Analyse anbieten würden.

Die Frage wurde ihm von drei Maklerbüros! nicht beantwortet obwohl er mehrmals nachhakte. Man ging überhaupt nicht auf sein Anliegen ein, obwohl er ja an sich nichts Ungewöhnliches wollte.

So ist der dann zu mir und letztendlich auch zu seinem Haus gekommen.

Gerhard Zirkel

Omori
Am 30. Mai 2008 um 12:51 Uhr

Da fällt mir eigentlich nur ein: Wenn Makler sich so grottenschlecht benehmen können und trotzdem überleben, dann hat man als Makler ja ein goldenes Leben.

Ute
Am 31. Mai 2008 um 16:20 Uhr

Eine Sache hat sie richtig gemacht, denn sie hat sich offenbar prompt auf die Anfrage gemeldet. Wenn der weitere Verlauf dann aber so daneben ist, hilft das leider auch nicht. Unglaublich!