Web 2.0 Business Modelle


Geschrieben am Montag, 23. April 2007 von Thomas Kilian

Stefan Berge - myWhere2go Blog

Dieser Artikel wurde von Stefan Berge für den Business-Blog-Karneval zur Verfügung gestellt. Er beschreibt verschiedene Wege, wie Web 2.0 Startups ihre Haben-Seite aufbessern können. Der Beitrag ist im myWhere2go-Weblog erschienen. Stefan Berge betreibt unter www.myWhere2go.de eine Community, in der sich User über ihre Freizeit-Gestaltung austauschen können.

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Derzeit liest man wieder eine ganze Menge über spezielle Web 2.0 Business Modelle. Immerhin, man redet darüber, wie man mit neuen Internet-Startups Geld verdienen kann und schafft somit eine gewisse Wahrnehmung, dass ohne ein tragfähiges Konzept langfristig nur wenige, der derzeitig jungen Projekte übrig bleiben werden.

Etwas störend an der aktuellen Diskussion finde ich, dass man scheinbar nur das Modell “Werbefinanziertes Startup” diskutiert. Gibt es denn keine anderen Möglichkeiten die Haben-Seite eines Web 2.0 Startups aufzubessern? Ich denke, dass sich die Modelle zur Umsatzgenerierung im Internet heute, verglichen mit der ersten großen Welle, nicht sonderlich verändert haben. Im Wesentlichen sind es doch 4 Möglichkeiten, wie man mit einer, auf Endnutzer ausgerichteten Seite, Umsatz generieren kann. Meiner Meinung nach sind das:

Werbung

Wohl die einfachste Möglichkeit ein paar Dollar / Euro mit irgendeinem Internetangebot zu verdienen, ist bekanntlich sich bei Google AdSense anzumelden und ein paar Textlinks auf seine Seite zu packen. Aquise, Abrechnung und generell das Handling mit den Werbern übernimmt Google. Am Ende des Monats schickt die Firma mit dem G dann einen Scheck über den man sich freuen kann. Das Google dabei den größeren Anteil für sich behalten wird, ist sicherlich nicht gar so großes Glaskugel-Lesen.Im Gegensatz zur ersten Welle von Internetangeboten wird Heute auf den Inhalt bezogene Werbung angezeigt. Das ermöglicht in der Regel eine höhere Klick-Rate gegenüber stumpfer Ich-Zeig-Mal-Irgendwas-Werbung.

Wahrscheinlich ist damit das Kapitel Werbung noch nicht abgeschlossen. Noch spezifischerer, und vor allem subtilere Werbeformate, die noch tiefer in das eigentliche Internetangebot integriert sind, wird es wohl bald geben. Zu erwarten ist dabei, dass entweder die durchschnittlichen Einnahmen pro Klick, oder die Anzahl an Klicks auf Werbung weiter steigen wird.

Unterm Strich wird es aber wohl so aussehen, dass man allein auf Werbung basierte Services nur am Leben erhalten kann, wenn man auch eine entsprechende Reichweite erzielt. Das wir in Deutschland derzeit nur zwei wirkliche “Fernsehanstalten” haben, die sich hauptsächlich durch Werbung finanzieren, ist auch ein gutes Indiz für die Anzahl an Firmen, die es mit einem rein werbefinanzierten Modell wohl geben kann.

Gebühren

Die zweite Möglichkeit, die schnell ins Feld geführt wird, sind Gebühren, welche die Nutzer zu zahlen haben. Das dies im Internet nicht so einfach ist, ist ja auch weitesgehend bekannt. Eine Es-Ist-Alles-Frei-Mentalität ist noch immer der Grund-Tenor im Internet. Hinzu kommt, dass man heute, dank OpenSource, für spezielle Funktionen eigentlich keine Gebühren nehmen kann. Innerhalb kürzester Zeit kommt ein Konkurrent daher und wird die gleiche Funktion For-Free anbieten. Will man jetzt nicht alle Kunden / User vergraulen, muss man das tolle Feature eigentlich auch frei anbieten.Wofür kann man also eigentlich Gebühren verlangen? Das einzige, was mir einfällt, sind Daten, die es nur auf dieser einen Seite im Netz gibt, oder Daten, die in einer Art aufbereitet sind, wie man es nirgendwo anders findet. XING z.B. kann eine Gebühr verlangen, nicht weil die Leute dann endlich das Suchfeature nutzen können, sondern weil die Leute dann endlich einen schnellen Zugriff auf Daten bei XING haben, der ihnen sonst verwehrt bleiben würde.
Fast alle Web 2.0 Unternehmen beschäftigen sich heute mehr oder weniger damit, Nutzerdaten zu sammeln und zu analysieren. Die Unternehmen, die es verstehen aus diesen Daten attraktive Angebote zu schnüren, werden den Nutzern auch in Zukunft Gebühren für den Zugriff auf diese Daten abverlangen können.

Cross-Selling

Für mich verschwimmt dieser Punkt immer etwas mit der Werbung, auch wenn es etwas anders funktioniert. Im Wesentlichen versucht man hier, über die eigene Seite Produkte von Dritten zu verkaufen und kassiert dabei eine Provision oder ähnliches, wenn es zu einem Verkaufsabschluss kommt. Wenn man sich mal die PremiumWorld von XING ansieht, dann versteht man recht schnell, was ich meine.Da es bei dem Modell des Cross-Selling zu einem Vertragsabschluss / Kauf eines Produktes kommt, sind die hier zu erzielenden Umsätze natürlich höher, als bei normaler Klick-Werbung. Auf der anderen Seite unterliegt aber auch dieses Modell der Begrenzung, dass diejenigen, die dort verkaufen wollen, eine möglichst große Reichweite erzielen möchten. Ein kleiner Internet-Service wird es also schwer haben, hier entsprechend zahlungsstarke Partner zu finden.

eBay-Prinzip

Bleibt noch das eBay-Prinzip, bei dem man an den Erlösen, welche die Nutzer der Seite generieren, partizipiert. Allerdings fällt mir hierzu im Web 2.0 / Social Community-Umfeld nicht wirklich ein brauchbares oder bereits umgesetztes Konzept ein. Das scheint dann aber auch schon alles zu sein, oder? Das attraktivste / interessantes Feld für mich, ist ein auf den gesammelten Nutzerdaten basierendes Gebührenmodell, wie auch immer so etwas im Detail aussehen mag. Schade nur, dass es dazu derzeit relativ wenig Diskussion gibt.

Das Thema Auswerten und Monetarisieren der gesammelten Daten, des User Generated Content sollte doch aber gerade im Web 2.0 top aktuell und heiß diskutiert sein.

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2 KOMMENTAR(E)
zum Beitrag “Web 2.0 Business Modelle”
Matias
Am 30. April 2007 um 11:54 Uhr

Hallo,
hier fehlt auf jeden Fall “Crowdsourcing” als Business-Modell!
Wir bieten diese Dienstleistung bereits Kunden (zum Beispiel Sony Ericsson oder DeinDesign.com) an und werden dsa in den kommenden Monaten massiv auf VisualOrgasm ausbauen.

Thomas Kilian
Am 1. Mai 2007 um 07:56 Uhr

Hi Matias,
danke für Dein Statement – finde, Crowdsourcing wird noch immer unterschätzt. Aber kannst Du vielleicht in 1-2 Sätzen beschreiben, wie Ihr es zur Umsatzgenerierung (darum ging es ja im Artikel) einsetzt? Das würde mich (und die Leser) sicher schon interessieren. – Bisher habe ich Crowdsourcing immer mit Ideen / Beteiligung / Wissen der Masse etc. verbunden – aber wie spült es konkret Geld in die Kassen der startups?
Schöne Grüße, Thomas#

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