In den Schuhen unserer Kunden laufen


Geschrieben am Sonntag, 17. Mai 2015 von Thomas Kilian Kommentare deaktiviert

Ein indianisches Sprichwort warnt davor, über andere Menschen zu urteilen, bevor man nicht einen halben Mond (oder in anderen Fassungen: eine Meile) in seinen Mokassins gegangen ist. Dies ist einer der Gründe, warum wir uns vor ein paar Jahren als Agentur dazu entschlossen haben, eigene E-Commerce-Projekte zu starten und selbst Erfahrungen als (Online-) Händler zu sammeln. Welche Learnings ich persönlich in den vergangenen vier Jahren gemacht habe, möchte ich für Euch anhand unserer verschiedenen Online-Shops beschreiben.

Thoxan E-Commerce-GmbH

Das aktuelle Portfolio der Thoxan E-Commerce GmbH: Filz-Geschenke.de, der (ehem.) Tintenshop Löhne, WITTEKIND Möbel, mischioff.de Designerteppiche, (…)

Am Anfang war die Idee

Den Start unseres ersten “richtigen” Online-Shops Filz-Geschenke.de auf Basis von Magento habe ich hier im Blog ausführlich beschrieben. Die ersten Maßnahmen liefen recht erfolgreich an, vor allem im Bereich der organischen Suchmaschinen-Optimierung, was sich gerade im Weihnachtsgeschäft 2011 erfreulich auswirkte. Doch dann kamen Panda, Pinguin und Penalty, so dass wir bereits nach einem Jahr kein weiteres Wachstum mehr verzeichnen konnten und – ehrlich gesagt – auch ein wenig die Lust verloren, hier weiter so viel Zeit wie bisher zu investieren.

filz-geschenke

Gleichzeitig gab es in der Agentur immer mehr zu tun, so dass sich dieses Projekt heute immer noch auf dem gleichen Level wie 2012 befindet: Ein nettes Zubrot, hier und da ein paar Verkäufe (um die sich unsere Kollegin Sandra Sorhage hervorragend kümmert!), doch insgesamt kein “großer Durchbruch”.

Zurzeit sind wir dabei, das Produktportfolio zu verändern und wollen uns mehr in Richtung hochwertiger Geschenke-Sets, Wohnen & Filzmöbel orientieren. Dazu später mehr.

Meine Learnings aus dem ersten Online-Shop-Projekt:

  • Große Erwartungen sind zwar motivierend, aber brauchen zum Erfolg auch Durchhaltevermögen und langen Atem
  • Die Zeiten der Abkürzungen und “Schleichwege” in SEO & Online-Marketing sind lange vorbei
  • Die Auswahl der “richtigen” Produkte ist das A und O: Was sind Trends? Was sind Ladenhüter? Wo liegt das “Brot-und-Butter-Geschäft”?
  • Warenkörbe < 50 Euro sind großer Mist (unsere Erfahrung, mag in anderen Bereichen besser laufen)
  • (…)

Versuch macht kluch’

Ein anderes indianisches Sprichwort sagt: Wenn Du auf einem toten Pferd reitest, steig’ ab! Doch manchmal ist es in all der Euphorie gar nicht so leicht, den prämierten Hengst von einem altersschwachen Gaul zu unterscheiden. Vor allem, wenn die Erfahrung in Sachen E-Commerce fehlt. Und das ist genau der Punkt: Wir hatten zwar schon seit vielen Jahren verschiedene Kunden beim Aufbau und der Optimierung von Websites und Online-Shops unterstützt, jedoch vorher noch nie selbst einen Webshop mit echten Produkten betrieben.

Als totes Pferd stellte sich ein Online-Handel für Druckerzubehör, Tintenpatronen und Tonerkartuschen heraus, den ich zusammen mit einem befreundeten Geschäftspartner von 2011 bis Anfang 2014 betrieben habe und der mittlerweile komplett eingestellt ist.

Ich habe heute keinen Link (mehr) für Dich.

Die Gründe sind vielfältig: Hoher Wettbewerb (v.a. online), zu geringe Margen und permanenter Preisdruck sowie eine spezielle Klientel, die … hm, wie sage ich das jetzt geschickt, ohne jemandem auf die Füße zu treten? …

Ach, seht selbst:

unterschied

Oben die freundliche Nachfrage eines Tintenshop-Kunden ;-) – unten ein Beispiel für Kundenkommunikation im Umfeld von hochwertigen Filz-Geschenken. Ihr versteht, worauf das hinausläuft. Ohne Schmerzensgeld ist das nicht auszuhalten, insofern war die Entscheidung zur Beendigung des Projekts nicht nur aus betriebswirtschaftlichen Gründen unausweichlich.

Jan RolfsmeyerDie gemeinsame Zeit, die intensive Zusammenarbeit mit meinem heutigen Agentur-Kollegen Jan Rolfsmeyer sowie die vielen Erfahrungen aus diesem Projekt möchte ich dennoch auf keinen Fall missen! Scheitern gehört zum unternehmerischen Leben!

Jan sieht das ähnlich, denn der Tintenshop war auch für ihn nur eines von mehreren Projekten; heute bringt er als E-Commerce-Manager viel Erfahrung in unsere Agentur ein, betreibt weiterhin zusammen mit seinem Bruder Marco einen erfolgreichen Online-Shop für traditionelle Fotoalben und hat mit Signo-Display ein neues Unternehmen im Bereich digitaler Außenwerbung mitgegründet.

Meine Learnings aus dem zweiten Online-Shop-Projekt:

  • Denk’ nicht nur vom Produkt, sondern auch vom Kunden her (Zielgruppe), ob eine Idee zu Dir passt!
  • Der wahre Gewinn liegt im Einkauf — ohne ausreichende Marge lässt sich kein Geschäft aufbauen
  • Ein stationäres Geschäft mit Laufkundschaft (ja, wir hatten über zwei Jahre parallel auch einen Laden!) ist definitiv nichts für mich
  • (…)

Do it yourself!

Aus einer Feierabend-Laune heraus hat sich 2010/2011 noch ein weiteres Projekt ergeben, an dem ich mit zwei befreundeten Unternehmern beteiligt bin, und das sich mittlerweile auch wirtschaftlich sehr schön entwickelt hat. Es ist kein “richtiger” Online-Shop, sondern eher ein Showroom für Lounge- und Gartenmöbel aus gebrauchtem Holz.

Seit 2014 firmieren wir unter dem Label WITTEKIND und vertreiben on-demand gefertigte Möbelstücke für Terrassen, Balkone, Gärten und die (Außen-) Gastronomie.

WITTEKIND Loungemöbel

Auch wenn der ungeplante Namenswechsel etwas holprig erscheinen mag, unserem Unternehmen hat es im Nachhinein betrachtet sehr gut getan. Das Jahr 2014 war das erfolgreichste bisher und auch die Verkaufszahlen der ersten Frühlingsmonate 2015 scheinen den positiven Trend fortzusetzen.

Deshalb geht momentan viel Aufmerksamkeit und Arbeit in dieses Projekt, u.a. für optimierte Produktbeschreibungen und kleine Videos, eine gedruckte Jahresbroschüre sowie für die Vorbereitung der Landpartie in Bückeburg. Wir werden Anfang Juni zum ersten Mal bei einer Garten-Ausstellung teilnehmen und haben dort als Co-Sponsor die Möglichkeit, unser Sortiment einem gehobenen Publikum zu präsentieren.

Meine Learnings aus dem dritten E-Commerce-Projekt:

  • Ein tolles Produkt verkauft sich (fast) von alleine
  • Augen auf bei der Namenswahl! Geld für rechtliche Beratung und Markenanmeldung ist gut investiert
  • E-Commerce funktioniert nicht nur online, sondern auch im Zusammenspiel mit PR, Werbung und Event
  • (…)

Immer schön auf dem Teppich bleiben

Unser neuestes Projekt ist der Aufbau eines Online-Shops für hochwertige Designerteppiche der Mischioff AG aus Zürich, unserem langjährigen Agenturkunden, der bereits in dritter Generation “Kunstwerke für den Boden” entwirft und unter fairen Bedingungen produzieren lässt. Wir haben als Thoxan E-Commerce GmbH von Mischioff das exklusive Recht zum Online-Handel in Deutschland erhalten.

mischioffde

Daniel KilianIch freue mich sehr, für dieses Projekt meinen Bruder Daniel mit an Bord zu haben, der für gute drei Jahre als Projektmanager bei Mischioff in Zürich gearbeitet hat und sich mit den verschiedenen Teppichen bestens auskennt. Er ist auch der erste Ansprechpartner für unsere Kunden in diesem Bereich.

Der Aufbau der Website, das Einpflegen der Inhalte und Produkte sowie die ersten Veröffentlichungen im Netz sind erfolgt, jetzt beginnt die Bekanntmachung des neuen Angebots über verschiedene Kanäle: (Online-) PR, Fachartikel, Social-Media-Marketing, Google AdWords, Suchmaschinen-Optimierung, Linkaufbau und Kooperationen. Hier läuft dann wiederum auch einiges über unsere Agentur; wir verstehen uns bei den E-Commerce-Projekten als eine Art “Inhouse-Abteilung” und kümmern uns – wie bei unseren Agenturkunden – auf monatlicher Basis um die verschiedenen Bereiche.

Für Learnings ist es zum jetzigen Zeitpunkt noch zu früh, denn wir haben erst wenige Teppiche verkauft. Für mich ist vor allem spannend zu sehen, ob ein solches Produkt überhaupt “online-fähig” ist, weil bei den Produkten und ihrem stolzen Preis vielleicht die Haptik ein wenig zu kurz kommt. Deshalb bieten wir kostenfreie Qualitätsmuster sowie (auf Wunsch und gegen eine Schutzgebühr) auch originale Muster der einzelnen Teppiche an, so dass jeder Interessent einen möglichst optimalen Eindruck erhält.

Außerdem planen wir einen virtuellen Einrichtungsservice, wo die Kunden uns ein Foto ihres Wohn- oder Esszimmers zuschicken können und wir per Bildmontage einen oder zwei Teppiche integrieren. So lässt sich vorab prüfen, ob das ausgewählte Designerstück auch in die vorhandene Einrichtung passt. Mal sehen, wie diese Ideen angenommen werden.

Meine Erwartungen für das vierte E-Commerce-Projekt

  • Wirklich tolle, hochwertige und fair produzierte Teppiche haben noch viel mehr Aufmerksamkeit verdient
  • Vernetzung und Kooperationen mit anderen Anbietern für exklusive Wohn- und Möbelprodukte
  • Erfahrungen auch zur Vorbereitung der Maßnahmen im Bereich Filzteppiche / Filzmöbel (siehe oben)
  • (…)

Der Weg ist das Ziel

Soll es das schon gewesen sein? Vier E-Commerce-Projekte, davon eines bereits beendet? Ich glaube nicht! ;-) Wir werden weiter die Augen offenhalten und uns ausprobieren. Natürlich immer im Rahmen der zeitlichen Möglichkeiten; schließlich sollen unsere Agentur-Kunden nicht zu kurz kommen (und das tun sie in der Regel auch nicht!), sondern von diesen Aktivitäten noch mehr profitieren. In den Mokassins der (Online-) Händler und Hersteller zu laufen, hilft uns dabei, sie noch besser beraten und begleiten zu können.

Auf dem Weg zu sein, zu lernen, Neues auszuprobieren, Manches zu beenden, sich zu hinterfragen, den einen oder anderen Euro zu verdienen (oder zu versenken), Erfahrungen zu sammeln und über den eigenen Tellerrand zu blicken, dafür liebe ich das Agenturgeschäft. Außerdem werden die Mokassins bei jedem Schritt bequemer …

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Einen Online-Shop starten – Schnittstellen-Problematik (6)


Geschrieben am Donnerstag, 15. Dezember 2011 von Thomas Kilian (2 Antworten)

Wie Ihr seht / lest bzw. nicht lest, geht es bei uns zum Jahresende in der Agentur “rund” – es bleibt wenig bis gar keine Zeit zum Bloggen. Auch unser Online-Shop www.Filz-Geschenke.de fordert unseren Einsatz, trudeln nach knapp drei Monaten doch jetzt sehr regelmäßig die Bestellungen ein. Gestern hatten wir unseren bisherigen Umsatzrekord durch eine größere Bestellung, aber auch das Wochenende war schon sehr “nett”. Natürlich haben wir nicht nur die $-Zeichen in den Augen, sondern freuen uns auch über die Feedbacks und Reaktionen zu unserem Agentur-Projekt.

Die Tücken der Technik im Online-Handel

In der Blogserie “Einen Online-Shop starten” (mit der es jetzt endlich weitergeht; hier noch die Teile 2, 3, 4, 5) habe ich schon mal verraten, dass ich die Tücken der Technik etwas unterschätzt habe. Denn neben der Optimierung und Vermarktung eines solchen Projekts geht es eben auch um die einwandfreie Nutzung der dahinterliegenden Software. Gar nicht auf dem Schirm hatte ich die Frage der Warenwirtschaft. Da wir ja von null auf gestartet sind und im Grunde auch noch ein sehr übersichtliches Sortiment haben, war für mich dieser Bereich ziemlich nebensächlich. Im Grunde ist er es immer noch, aber die Herausforderung fing schon mit dem Aspekt der Rechnungslegung und Versandabwicklung an. Für mich ist auch bei der Gestaltung von Rechnungen und Briefvorlagen eine gewisse “Ästhetik” wichtig. Wir haben ein Briefpapier entwickelt, das sich mit der von Magento voreingestellten Rechnungsformatierung leider überhaupt nicht vertrug. “Die Schöne und das Biest” beschreibt es recht treffend.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ein spezielles Rechnungsmodul musste her, dass wir bei der Firma Aromicon gefunden haben und das dort auch direkt konfiguriert wurde. Wer seine Warenwirtschaft zunächst mit Magento selbst abwickelt, dem kann ich den Service der Profis aus Halle/Saale absolut empfehlen. Jetzt haben wir ein einheitliches Layout sowohl für Ausdrucke auf dem Briefpapier als auch für PDF-Rechnungen, die wir per E-Mail zustellen können.

Etwas komplizierter scheint sich die Suche nach einer geeigneten Warenwirtschaft zu gestalten, die für einen so jungen Online-Shop mit einem übersichtlichen Warenangebot passt. Manche sind zu rudimentär, andere haben keine geeignete Schnittstelle für Magento (so dass die Produkte alle doppelt gepflegt werden müssten, was ja keinen Sinn ergibt), wieder andere sehen furchtbar aus (siehe oben), einige versprechen viel, aber kosten einfach schlichtweg zu viel Geld. Wir können nicht noch einmal fünfstellig in Software zur Verwaltung der paar Bestellungen investieren. Wer hier gute Tipps für mich hat, melde sich gerne – freue mich über jeden Hinweis, bis ich eine Lösung dieses Problems gefunden habe.

Das Schöne ist ja, dass uns nichts drängt. Zurzeit wickeln wir den kompletten Bestellversand direkt in Magento ab und sind grundsätzlich damit zufrieden. Die Wareneingangs- und -ausgangsliste pflegt meine Kollegin zurzeit noch in Excel, das reicht bei unserem Sortiment vollkommen aus. Sollte sich an Umfang der Bestellungen oder an der Artikelanzahl drastisch etwas ändern, können wir immer noch in die angesprochenen Lösungen investieren.

Schnittstellen für Online-Shops sind ja im E-Commerce ohnehin wichtig. Viele haben mich schon gefragt, warum wir nicht bei ebay oder Amazon kaufen. Ich bin neulich sogar über eine recht einfach aussehende Amazon Schnittstelle gestoßen, die auch mit Magento arbeitet. Die Jungs von Brickfox scheinen da recht viele verschiedene Module entwickelt zu haben und vielleicht bekomme ich dort sogar eine Antwort zum Thema “Anbindung der Warenwirtschaft”, doch für einen Verkauf auf anderen Online-Plattformen kommt unser Warenangebot leider grundsätzlich nicht in Frage.

Wie ich im zweiten Teil der Blogserie schon geschrieben habe, sind unsere Hersteller noch etwas zögerlich in Bezug auf reine Online-Händler, außerdem ist ihnen eine hochwertige Präsentation der Waren sowie die Einhaltung der offiziellen Verkaufspreise wichtig. Es handelt sich eben um echte Qualitätsprodukte, bei denen auch die Wertigkeit im Mittelpunkt stehen soll. Wir haben uns von Anfang an bewusst entschieden, statt des Vertriebs über den Preis (Preissuchmaschinen, Online-Auktionen, Amazon-Store etc.) lieber auf eine professionelle Präsentation und eine Vermarktung durch Suchmaschinen-Optimierung und Social Media zu setzen. Dazu in ein paar Tagen mehr im 7. Teil, wo wir auch den Kollegen von Brickfox wiederbegegnen werden …

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Suchmaschinenoptimierung für Anfänger


Geschrieben am Montag, 28. November 2011 von Thomas Kilian (3 Antworten)

Mein Freund und Agentur-Kollege Paul Sidelnikow, Geschäftsführer und Online-Marketer von der E-Commerce-Werkstatt in Bielefeld, hat mich vor einigen Tagen gefragt, ob er einen Gastbeitrag für mein Neukunden-Magnet Blog schreiben soll, da es hier zurzeit etwas ruhig geworden ist. Das Angebot habe ich gerne angenommen, zumal Paul in knappen Worten eine Einführung zur Suchmaschinen-Optimierung geschickt hat, die ich für einen äußerst guten Ansatz halte, wenn Unternehmen sich zum ersten Mal mit diesem Thema beschäftigen …

So schnell wie möglich nach oben!

So lautet die Devise vieler Unternehmen, wenn es um Suchmaschinen-Optimierung geht. “Koste es, was es wolle”, – das fügen aber nur die wenigsten hinzu. Denn trotz des immer noch ungebremsten Wachstumspotentials der Onlinebranche hat es nach wie vor den Anschein, dass das Geschäft mit dem Internet an vielen, zumeist traditionell ausgerichteten Unternehmen mehr oder weniger vorbeigeht – sei es, dass die Kosten für eine eigene Online-Unternehmung gescheut werden oder dass das eigene Potential nicht richtig eingeschätzt wird.

Und so kommt es dann, dass viele Unternehmen in Bezug auf das Internet entweder eine “Politik der ruhigen Hand fahren” oder aber mit wenigen Mitteln möglichst viel, oder am besten alles erreichen wollen. “Suchmaschinen-Optimierung kann doch nicht so schwierig sein”, heißt es dann: “Lass den Praktikanten mal ein paar Sachen ausprobieren und dann schauen wir mal, ob das funktioniert.”

Der Praktikant hat vielleicht irgendwo etwas Schlaues aufgeschnappt wie z. B. dass “Links die goldene Währung des Internets sind”. Also denkt er sich: “Viel hilft viel!”, und kauft sich beim erstbesten Anbieter ein Massenkontingent Links. Tage vergehen und er wundert sich, dass das mit dem “Online-Shop optimieren” irgendwie doch nicht hinhaut. Wochen vergehen und er stellt mit Verwunderung fest, dass die eigene Seite schlechter dasteht als je zuvor.

Was hat er falsch gemacht?

Zu viel, um es der Reihe nach aufzuzählen.

Was hätte er besser machen können?

Das Wichtigste: Er hätte seinem Vorgesetzen sagen sollen: “Nein Chef, ich kann das nicht! Ich weiß nicht viel von den Gesetzen des Internets, aber so viel weiß ich: Wer die Regeln der Suchmaschinen-Optimierung nicht kennt, der macht mehr kaputt als dass er hilft.” Ein kluger Chef hätte dann so schnell wie möglich eine professionelle  E-Commerce Beratung aufgesucht, zumindest um sich konzeptionell beraten zu lassen.

Die hätte ihm erzählt, dass …

  • … das Link-Streuen nach dem Gießkannenprinzip Selbstmord ist.
  • … der eigene Online-Shop organisch wachsen muss.
  • … der eigene Linkpool eine ausbalancierte Menge an starken und schwachen Links aufweisen muss.
  • … die Auswahl der richtigen Keywords von entscheidender Bedeutung ist.
  • … die Qualität des Contents über die Qualität des Links entscheidet.

Kurzum also, dass Google nicht blöd ist und man sich daher immer fragen muss: Wirkt das, was ich mache, auf Google so, als wolle ich dadurch die Qualität meiner Seite erhöhen oder eher so, als wären mir alle Mittel recht, so viele Besucher wie möglich auf meine Seite zu locken? Machen Sie diesen Anfängerfehler nicht, sondern lassen Sie sich vernünftig beraten – lieber langsam und stetig nach oben als schnell wieder ganz unten zu landen!

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Einen Online-Shop starten – die Produktauswahl (3)


Geschrieben am Montag, 22. August 2011 von Thomas Kilian (5 Antworten)

Nach meinem Urlaub (Bootfahren in Holland, sehr schön!) geht es jetzt mit großen Schritten Richtung Online-Gang. Möchte deshalb die Blogserie “Einen Online-Shop starten” gerne fortsetzen, wo ich letztes Mal aufgehört habe. Auch wenn ich Euch noch immer nicht verrate, was wir eigentlich verkaufen, können wir trotzdem schon mal über die detaillierte Produktauswahl sprechen. Denn innerhalb einer Branche gibt es ja meistens eine Vielzahl von Artikeln, die sich verkaufen lassen. Doch welche sind die richtigen? Welche Gegenstände reißen uns die Leute aus den Händen? Was werden echte Ladenhüter bzw. “Regalhüter” sein?

Diese Fragen beschäftigten uns im Vorfeld und auch im Gespräch mit den Lieferanten sehr stark. Natürlich konnten uns die Hersteller einige Tipps geben, doch da es sich bei unserem Online-Shop um einen für die Szene recht neuen Absatzkanal handelt, liegen kaum Erfahrungswerte in dieser Hinsicht vor. Insofern mussten wir uns auch eigene Kriterien überlegen, wie wir unsere Erstbestellung gestalten.

Zum Hintergrund müsste ich vielleicht noch sagen, dass es sich bei unseren Produkten fast ausschließlich um Lagerware handelt. Das bedeutet, wir können nicht von heute auf morgen neue Artikel nachordern, sondern müssen die Ware frühzeitig bestellen, um lieferfähig zu sein. Aus Budget- und Platzgründen ist es daher für die Erstbestellung besonders wichtig, die richtigen Artikel im Programm zu haben. Ob uns die Auswahl gelungen ist, werden wir noch sehen …

Nun zu den Kriterien: Wir haben die Produkte nach Herstellern geordnet, nach Kategorien und nach Preisen. Es wird bis auf wenige Ausnahmen bei uns Produkte im Wert von 5 bis 150 Euro geben. Etwa 60 Prozent der Artikel unserer Erstbestellung haben einen Preis von 5 bis 20 Euro, etwa 30 Prozent 20 bis 60 Euro und noch mal 10 Prozent kosten im Verkauf mehr als 60 Euro. So zumindest die Planung, denn diese Einteilung ist nicht immer ganz aufgegangen und wir haben prozentual etwas mehr teurere Produkte am Lager. Dies hat auch mit den Mindestbestellmengen (Verkaufseinheiten) zu tun, die es bei den meisten Produkten gibt. Wer direkt beim Hersteller bezieht, bekommt vor allem die günstigen Artikel nicht einzeln, sondern in 3er, 5er, 10er oder 12er Einheiten. Dadurch ist auch ein günstiger Artikel von vielleicht 5 Euro mit einer Anfangsinvestition von 50 Euro verbunden.

Erstaunt hat mich, wie schnell auch bei kleinen Mengen große Summen herauskommen. “Kleinvieh macht auch Mist” und so mussten wir – leider – nach unserer anfänglichen Euphorie einiges “ausmisten”, was wir gerne sofort mit ins Programm genommen hätten. Ich kann nur jedem raten, sich vor der Produktplanung ein Budgetlimit zu setzen und konsequent einzuhalten (vielleicht noch einen Externen hinzuziehen, der ein Auge darauf hat). Denn wir hätten locker auch für die doppelte Summe auf Einkaufstour gehen können, um die Erstausstattung zu beschaffen.

Auch die Hersteller haben wir klassifiziert. Ich hatte ja schon geschrieben, dass wir einen Hauptlieferanten haben, der über eine sehr breite Palette an Produkten verfügt, sowie 2-3 weitere, spezielle Hersteller und dann noch mal 2-3 Lieferanten, bei denen wir nur einen kleinen Teil ihrer Produkte beziehen. Auch hier haben wir die Gesamtbestellung prozentual geplant – über 50 Prozent beim größten Händler, 30 Prozent bei den speziellen Händlern und zehn Prozent bei den übrigen.

Natürlich mussten wir auch auf die Produktkategorien achten, um eine ausgewogene Mischung zu bekommen. Wer nur Angeln verkauft und keine Köder im Programm hat, wird seine Zielgruppe nicht glücklich machen. Leider ist auch hier häufig der Wunsch der Vater des Gedanken. Wir hatten bei unseren ersten Recherchen über 70 Kategorien ermittelt – jetzt haben wir etwa für die Hälfte davon Produkte im Sortiment. Den Rest wollen (und werden) wir nach und nach hinzunehmen.

Der Prozess, innerhalb der Produktgruppe die erste Auswahl zu treffen, hat uns bestimmt 3-4 Wochen gekostet. Plant diesen Schritt – abhängig von Euren Produkten – unbedingt mit ein, vor allem wenn es sich um Lagerware handelt. Gleichzeitig hat diese Phase zu einer engeren Beziehung zu den Herstellern geführt, weil wir uns sehr intensiv mit ihrer Produktauswahl und mit verschiedenen Kaufkriterien auseinandergesetzt haben.

Weiter geht’s in einigen Tagen mit der Shop-Technik und der Einrichtung des virtuellen Ladengeschäfts. Dies ist zwar schon die ganze Zeit parallel gelaufen, hat sich aber immer wieder neu entwickelt und wurde zum Teil komplett über den Haufen geworfen. Ein spannendes Thema für den 4. Teil …

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Einen Online-Shop starten – die Vorbereitung (2)


Geschrieben am Freitag, 05. August 2011 von Thomas Kilian (2 Antworten)

Wie Ihr im ersten Teil erfahren habt, brauchten wir ganz schön lange, um auf die Idee für das richtige Produkt für unseren eigenen Online-Shop zu bekommen. Am Ende war ein Messebesuch in Verbindung mit viel Internet-Recherche der Schlüssel zur Entscheidung. Doch wie geht es weiter? Ware direkt bestellen, Shop zusammenklicken, fertig? So einfach ist das leider nicht. Bei der von uns ausgewählten Produktart handelt es sich um hochwertige, in Deutschland gefertigte und von namhaften Produzenten vertriebene wrzlbrft*.

* Mehr wird an dieser Stelle noch nicht verraten … Was ich aber verraten darf: Die Unternehmen sind überwiegend recht vorsichtig und skeptisch, was reine Online-Händler angeht. Sie haben – wie wir in einzelnen Gesprächen erfahren haben – meistens schon schlechte Erfahrungen gemacht. Entweder wurden die Produkte in einem “nicht repräsentativen Umfeld” angeboten oder zu Schleuderpreisen verkauft, was die langjährigen, stationären Kunden verständlicherweise auf die Palme brachte. Also beschlossen wir, nicht einfach loszustürmen, sondern uns gut vorzubereiten.

Wir wollten uns als vertrauenswürdiger Partner bei den wichtigsten Herstellern aus der Szene bewerben. Dazu haben wir ein Layout des geplanten Online-Shops und ein kurzes Strategiepapier vorbereitet. Gleichzeitig haben wir kleinere Händler direkt kontaktiert, um erste Gespräche zu führen. Hier war die Gefahr einer Absage nicht so schlimm für uns und wir konnten schon besser verstehen, wie die Produzenten “ticken”.

Erst mit fertigem Logo, einem überarbeiteten Layout-Entwurf und einem geprüften Konzept sind wir dann auf die wichtigsten Lieferanten zugegangen, per Post und mit Igel-Buch als kleines Geschenk. Dadurch wollten wir uns von anderen ebay-Powersellern & Co. deutlich abheben.

Die gute Vorbereitung hat sich ausgezahlt. Wir haben zwar leider zwei Absagen von Wunsch-Herstellern bekommen, aber dafür gab es auch viele Zusagen für eine konkrete Zusammenarbeit. Jetzt haben wir 5-6 Hersteller im Programm, die uns mit Ware beliefern, darunter auch einer der beiden großen “Player” in diesem Segment, was uns natürlich sehr freut.

Heute ist von diesem Haupt-Lieferanten die Erstbestellung angekommen und wir sind jetzt dabei, alles im Lager einzusortieren. Es war gar nicht so leicht, sich bei der Vielzahl der Produkte für die Erstausstattung zu entscheiden, aber das ist wieder eine andere Geschichte …

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Einen Online-Shop starten – Die Idee (1)


Geschrieben am Mittwoch, 03. August 2011 von Thomas Kilian (12 Antworten)

In wenigen Tagen Wochen starten wir als Agentur einen eigenen Online-Shop. Es war bis hierhin eine sehr spannende Zeit für uns und es wird sicherlich noch spannender, wenn das neue “Baby” endlich online geht. Noch will ich nicht verraten, was wir im Webshop verkaufen, dafür müsst Ihr Euch noch ein paar Tage (?) gedulden. Wir arbeiten mit Hochdruck neben den anderen Agenturprojekten an der Umsetzung und der Einpflege von Artikeln. Ich möchte in einer kleinen Artikelserie mal den Weg von der Idee bis zum Start des Online-Shops beschreiben. Vielleicht tragt Ihr Euch auch mit dem Gedanken, online mit Waren zu handeln und bekommt dadurch ein paar hilfreiche Tipps.

Am Anfang war die Idee

Wir spielen schon seit längerer Zeit (1-2 Jahre) mit dem Gedanken, einen eigenen Online-Shop aufzubauen. Die Erfahrung aus einer Vielzahl an Kundenprojekten, für die wir Shop-Konzepte entwickelt, Layouts entworfen, Programmierungen durchgeführt oder begleitet und letztlich auch die Optimierung übernommen haben, hat mich immer wieder auf den Gedanken gebracht: “Das können wir auch selbst”. Was mir lange Zeit fehlte, war die zündende Idee fürs (hoffentlich) richtige Produkt.

Den Ausschlag, das Projekt konkret anzugehen, haben mir Gespräche mit anderen Shop-Betreibern gegeben. Es war total spannend, von ihren Erfahrungen zu hören und sich selbst vorzustellen, wie es sich mit einem eigenen Online-Shop wohl anfühlen würde. Natürlich lockt uns auch der E-Commerce-Umsatz (in der Statistik lässt sich gut erkennen, wo die Reise hingeht). Aber ich kann nur jedem raten, sich sehr intensiv mit dem Thema Online-Handel zu beschäftigen und vor allem mit erfolgreichen Händlern zu sprechen. Fragt ihnen Löcher in den Bauch, schaut Euch ihre Versand- und Lagerräume an, untersucht ihre Online-Shops und verschafft Euch einen Eindruck über die vielen Bausteine, die zum E-Commerce dazugehören. Ich gebe zu: Als Agentur hatten wir bis dato immer nur die Vermarktung des “fertigen” Shops im Blick. Doch wie viel Vorarbeit zu leisten ist, bevor sich die virtuellen Ladentüren öffnen können, war mir nicht klar. Schließlich gehört dazu viel mehr als ein schickes Design und die Einrichtung von Magento & Co. Zu diesen praktischen Erfahrungen gibt es in den späteren Teilen dieser Serie mehr zu lesen.

Wichtig war für uns von Anfang an, eine Produktgruppe zu finden, die thematisch zu unserer Agentur passt, die sich leicht lagern und verschicken lässt und möglichst keinen allzu starken Wettbewerb hat. Schuhe kommen nicht in Frage, Glasvasen ebenfalls nicht, Hundespielzeug – gibt es schon zahlreiche Anbieter … So suchten wir sehr lange nach der richtigen Nische, recherchierten Keywords, schauten uns andere Online-Shops an, ließen uns inspirieren … und fanden doch nicht das ideale Produkt.

Einen wertvollen Hinweis bekam ich dann wieder von einem anderen Shop-Betreiber. Er empfahl mir, zu verschiedenen Messen zu gehen und dort direkt mit den Händlern zu sprechen. Die Fülle an verschiedenen Angeboten sei so groß, dass dort bestimmt etwas Passendes dabei wäre. Gesagt getan, im Februar fuhren unsere Projektmanagerin Silke und ich zur Ambiente nach Frankfurt, um bei 4.500 Ausstellern in den Kategorien “Living”, “Giving” und “Dining”  zu stöbern.

Ich darf verraten: Wir haben ein Produkt gefunden, das uns auf der Messe an verschiedener Stelle “angesprungen” hat und für das wir uns einige Wochen später, nach intensiver Recherche, auch entschieden haben. Lasst Euch überraschen, worum es sich dabei handelt … :-)

Am Anfang steht die Idee, aber es steht dort auch viel Fleiß für Informationsbeschaffung, Recherche und Gespräche. Ich empfehle jedem, diesen Schritt nicht zu schnell zu gehen. Gute Vorbereitung ist alles!

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