Suchmenschinen-Optimierung im Jahr 2015


Geschrieben am Montag, 02. März 2015 von Thomas Kilian

Wer aufmerksam liest, stellt fest: In der Überschrift passt was nicht. Doch im Grunde passt es schon, denn die Faktoren für eine erfolgreiche Suchmaschinen-Optimierung haben sich in den vergangenen Jahren massiv verändert — und das ist echt super! Der Mensch bzw. die Zufriedenheit der Internetnutzer steht endlich wieder im Mittelpunkt des Google-Algorithmus. Worauf es 2015 ankommt, möchte ich exemplarisch an einigen Faktoren erläutern. Höchst menschliche Faktoren, wie ich finde. Und das – sagte ich schon – ist wirklich fantastisch!

Foto am 02.03.15 um 13.11 #2

Die Mär’ vom schnellen Erfolg

Es war einmal ein Online-Händler, der suchte sich eine passende Nische, erstellte einen Webshop und optimierte seine Inhalte für Suchmaschinen. Dazu befüllte er die Beschreibungstexte mit allerlei Begrifflichkeiten (“Keywords”) und organisierte passende Verlinkungen von anderen Websites. Schnell stellte sich der Erfolg ein, Google indexierte das Shop-Projekt und innerhalb weniger Wochen waren die ersten TOP-10-Rankings zu den gewünschten Suchbegriffen erreicht. Die Besucher kamen in Scharen, bestellten regelmäßig und umfassend. Der Online-Händler kaufte eine Schubkarre, um seine Gewinne zur Bank zu bringen. Das Dollarzeichen war fest in seiner Linse eingebrannt. Und wenn er nicht gestorben ist, (…)

Pling! Die erste Bestellung seit Tagen landet in meinem E-Mail-Postfach. Eine schwarze Filzhülle soll es sein, Verkaufspreis rund 10 Euro. Dazu 4,90 Euro Versandkosten. Immerhin haben wir das Schätzchen vorrätig, meine Kollegin kümmert sich zuverlässig um den schnellen Versand. Ein paar Tage später erhalten wir den Filzschutz zurück, er sei “irgendwie doch nicht das Richtige”. Meine Kollegin kümmert sich zuverlässig um eine schnelle Gutschrift und die Rücküberweisung des Kaufbetrags. Das muss die neue Strategie “Arbeitsbeschaffung 2.0″ sein, von der alle sprechen.

Man mag es blauäugig sehen, oder sehr schwarz malen, die Wahrheit liegt sicherlich irgendwo in der Mitte. Ich bin ehrlich und gebe zu, dass es mal solche und mal solche Tage gibt. Die einen Tage sind der Grund dafür, dass wir neben unserem Agenturgeschäft eigene Online-Shops betreiben, die anderen Tage sind der Grund, dass wir neben unseren Online-Shops noch eine Agentur betreiben. ;-)

SEO ist tot, lang lebe SEO!

Mein wichtigstes Learning aus den vergangenen 3-4 Jahren als Online-Händler (und auch aus unzähligen Kundenprojekten) lautet: Es gibt keine Abkürzungen und (in den meisten Fällen) keinen schnellen Erfolg. Das klang war früher irgendwie anders. Die Goldgräberstimmung scheint vorbei, die SEO- und Online-Marketing-Szene jammert über harte Arbeit, die nun auf sie zukommt. Manche flüchten in konzentrieren sich auf “neue” (muharhar) Themen wie Content- und Video-Marketing, wettstreiten mit Online-Tools oder proklamieren bei jeder sich bietenden Gelegenheit, dass irgendetwas mit SEO schon seit Jahren tot sei.

Dabei ist dieses SEO (“Search Engine Optimization” = Suchmaschinen-Optimierung) gar nicht tot, sondern hat sich nur verändert. Und das musste es auch, schließlich hat sich auch das Internet in den vergangenen Jahren weiterentwickelt. Social Media hat zu mehr Mitbestimmung und Teilnahme der Nutzer geführt, ist dialogorientierter geworden. Die mittlerweile landauf-landab eingerichteten Breitband-Anschlüsse sorgen für eine recht schnelle Datenübertragung. Auch die ständige Verfügbarkeit der Neuen Medien über mobile Endgeräte, Apps und Tablets trägt ihren Teil dazu bei. Vor fünfzehn Jahren mussten wir uns (über Smartsurfer, gnihihi…) ins Internet einwählen und brauchten ein paar Minuten, um bei Google überhaupt ein paar Ergebnisse durchzuklicken. Heute liest mir die Google-App meine gewünschten Ergebnisse vor und fragt mich nach meinen Vorlieben!

Genug der Hintergründe, kommen wir nun zu den Ranking-Faktoren, die aus meiner Sicht im Jahr 2015 und auch darüber hinaus für die Suchmaschinen-Optimierung wichtig sein werden:

1. Technisch einwandfreie, leicht crawlbare Inhalte

Es gibt zahlreiche technische Faktoren in der Suchmaschinen-Optimierung, angefangen bei der Indexierbarkeit eines HTML-Dokuments (robots.txt, robots-Metatag, Canonicals etc.) bis hin zum Thema Server-Erreichbarkeit, Performance und Ladezeit. Doch auch die HTML-Struktur (Überschriften, Text, Listen, Bilder etc.), valide Programmierung, Komprimierung von Scripten, schlanker Quellcode und viele weitere Aspekte sind wichtig.

Je leichter es ein Webmaster der Suchmaschine macht, seine Inhalte zu erkennen und auszuwerten, desto besser sind seine Erfolgschancen. Wenn Du ein Date hast und Dich mit Deiner Angebeteten bei Uschis Imbiss verabredest, in Deinen abgeranzesten Klamotten aufläufst und dabei stinkst wie ein Iltis, dann kannst Du einen noch so guten Ruf haben — das wird vermutlich nix.

2. Echte Empfehlungen, die zu Besuchern führen

Der gute Ruf, damit ist in Bezug auf die Suchmaschinen-Optimierung der Grad der Verlinkung einer Website gemeint. Deshalb haben die Webmaster in den vergangenen Jahren hunderte oder gar tausende solcher Verlinkungen gesammelt wie Briefmarken. Da wurde gekauft, getauscht, gehandelt, gedealt, geworben und gewaschen – am Ende mit dem zweifelhaften Ergebnis, sich in äußerst schlechter Nachbarschaft aufzuhalten.

Was ist ein Backlink heute noch wert? Anhand des Pageranks, der Sichtbarkeit oder der “Domain-Popularität” (Anzahl der verlinkenden Domains auf ein Webprojekt) lässt sich das kaum noch bewerten. Interessanter ist doch die Frage, ob und wie viel Geschäft die Empfehlung auslöst. Wie im echten Leben: Was bringt eine Empfehlung ohne Auftrag? Was nützt ein Link, der keinerlei Interessenten zu mir führt? Erfolgreicher Linkaufbau bringt neue Besucher, nicht nur Backlinks.

3. Tatsächlich (!) relevanter Content

Jetzt sind die Besucher da und die wollen unterhalten werden. Brot und Spiele! Holt weiße Tiger, stellt die Nebelmaschine an, sorgt für ein großes Feuerwerk! — So ein Blödsinn! In den meisten Fällen reicht es vollkommen aus, den Besuchern die Informationen zu liefern, die für sie relevant sind. Der Inhalt muss für die Nutzer eine Bedeutung haben, für sie wichtig und wesentlich sein. Das meint nicht zwingend “unterhaltsam” (außer, wenn sie nach Unterhaltung suchen), sondern eher nützlich und hilfreich.

Interessant ist, dass auch Google (noch nicht perfekt, aber) immer besser darin wird, die Relevanz von Informationen zu erkennen und zu bewerten. Dazu zählen sehr auffällige Aspekte wie doppelte Inhalte (“Duplicate Content”), geringe Textmenge, übermäßig viel Werbung, allzu häufige Verwendung eines Keywords (“Stuffing”), aber auch Signale der Internetnutzer wie Abbruchquote (“Bounce-Rate”) oder die Aufenthaltsdauer und Lesegeschwindigkeit.

Seit dem Hummingbird-Update Ende 2013 ist Google außerdem in der Lage, nicht nur einzelne Wörter oder Phrasen, sondern den Sinnzusammenhang besser zu erkennen. Was war wohl die Absicht einer Suchanfrage? Welches Bedürfnis könnte der User haben? Wie kann das Suchergebnis den User bestmöglich zufriedenstellen? Nur wer in der Lage ist, seine Inhalte tatsächlich auf die Zielgruppe abzustellen (und nicht nur so zu tun!), wird dauerhaften Erfolg in der Suchmaschinen-Optimierung haben, davon bin ich überzeugt.

4. Am Puls der Zeit bleiben

In den vergangenen Wochen hat Google über die Webmaster Tools tausende von Nachrichten verschickt und die Optimierung der mobilen Darstellung empfohlen. Seit ein paar Tagen ist klar, dass die Mobilfreundlichkeit ab April zu einem echten Ranking-Faktor wird. Zum ersten Mal (so meine ich, oder?) kündigt Google eine so gravierende Änderung bereits im Vorfeld an. Überhaupt hat sich das Kommunikationsverhalten des Giganten aus Mountain View in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt, ist etwas “menschlicher” und offener geworden (geht natürlich noch besser! ;-)).

Ich persönlich glaube auch, dass die Sprachsteuerung sich weiter perfektioniert und wir “Google Now” neben Siri, Cortana und anderen Apps in Zukunft häufiger (weil erfolgreicher) nutzen werden. Eine vom Mobiltelefon/App vorgelesene Websites sollte jedoch völlig anders aufgebaut, getextet und konzipiert sein als ihr Desktop-Pendant. Das gilt auch für die Verfechter des sogenannten “Responsive Design”. Was nützt die responsive Gestaltung einer Internetseite, wenn ich bei gleichem Inhalt kilometerweit scrollen muss? Hier fehlen Strategien, auch den Content responsiv auszulegen (womit wir wieder bei dem oben beschriebenen Bedürfnis der Nutzer wären).

Das Beste kommt zum Schluss

Suchmenschinen-Optimierung funktioniert, weil sie den Menschen in den Mittelpunkt stellt und nicht die Maschine. Wir sollten nicht Maschinen gehorchen, sondern sie uns. Gleichzeitig sollten wir technisch immer besser in der Lage sein, die Inhalte leicht, schnell und zuverlässig zu übermitteln. Eine Prise Feenstaub, relevante Inhalte und echte Verlinkungen (die zu neuen Besuchern führen) sowie die Beachtung aktueller Entwicklungen sorgen für nachhaltigen Erfolg.

Last but not least: Google ist (sorry Google!) auch nicht alles. Nicht alle Eier in einen Korb legen, heißt: Lasst Euch nicht versklaven, sondern entwickelt Besucherkanäle abseits von Suchmaschinen. Es gibt da übrigens auch noch 2-3 Ideen außerhalb des Internets, nur mal so am Rande …

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5 KOMMENTAR(E)
zum Beitrag “Suchmenschinen-Optimierung im Jahr 2015”
Derek Finke
Am 2. März 2015 um 16:56 Uhr

Thomas, schön geschrieben und darüber hinaus auch noch richtig.

Viele Grüße,
Derek

Oliver Springer
Am 3. März 2015 um 18:05 Uhr

Vielem kann ich zustimmen, aber seit Google versucht, denn Sinnzusammenhang einer Suchanfrage zu erkennen, bin ich doppelt frustiert: als Suchender und als jemand, der möchte, dass die Inhalte seiner Blogs gefunden werden.

Nicht allein die eingegebenen Begriffe zum Maßstab zu nehmen, sondern zu versuchen, herauszufinden, was der Suchende eigentlich möchte, ist zwar eine gute Idee. Aber es funktioniert schlecht. So schlecht, dass es deutlich schwieriger geworden ist, die passenden Inhalte zu finden.

Wenn zudem Inhalte, die nur so am Rande etwas mit einem Thema zu tun haben, aber auf großen, bekannten Websites stehen, weit vor ausführlichen Texten zu einem Thema auf kleinen Websites stehen, ist das eine sehr unerfreuliche Entwicklung.

Ich vermute, dass das Problem dabei ist, dass Google sehr stark gewichtet, um welches Thema es allgemein (!) geht. Ein Artikel auf einer großen Website, auf dem ein bestimmter Instant Messenger als eine von vielen WhatsApp-Alternativen in wenigen Sätzen abgehandelt wird, erscheint bei einer Suchwort-Kombination aus dem konkreten Namen des Messengers und dem Wort Test weit oberhalb eines ausführlichen Tests dieses Messengers – um mal eines meiner konkreten Probleme zu nennen. Das ist frustrierend!

Thomas Kilian
Am 3. März 2015 um 18:48 Uhr

Hallo Oliver,

da gebe ich Dir durchaus recht – dass Google “auf dem Weg ist”, heißt sicher nicht, dass die Suche schon perfekt funktioniert. Aber die Richtung ist klar erkennbar und klappt in den meisten Fällen mindestens genauso gut wie damals, als Du für bestimmte Suchphrasen erstmal 10-20 billige SEO, Made-for-Adsense und Affiliate-Seiten vor Dir hattest, bis Du zu einem “nützlichen” Ergebnis gekommen bist.

Dass große “Meinungsmacher” mit zum Teil lausigen Inhalten vor den kleinen Nischenseiten (die sich Mühe geben) stehen, kann ich zum Teil auch bestätigen und es ärgert mich ebenfalls. Seit Hummingbird sehe ich aber zumindest innerhalb der TOP-10 mehr Vielfalt, also nicht nur zehn Online-Shops, sondern je nach Ausrichtung der Seite (E-Commerce, Info, Ratgeber, Verzeichnis, Hub, Forum, Soziales Netzwerk etc.) unterschiedliche Ergebnisse, so dass ich meistens einen recht schnellen Überblick bekomme.

Mir geht es beim Durchscannen der SERPS manchmal wie mit Banner-Blindness. Die “üblichen Verdächtigen” klicke ich meistens gar nicht mehr an, v.a. bei allzu auffälligen Seitentiteln und Beschreibungen á la “Diese Geschichte trieb mir die Tränen in die Augen”. Ich glaube, dass sich das System über die tatsächliche Nutzerzufriedenheit im Laufe der Zeit perfektionieren wird. Ich glaube einfach daran, dass Google alles dransetzt, in diesem Bereich WIRKLICH immer besser zu werden und auch solche Kritik – wie von Dir geschildert – zu verstehen und darauf zu reagieren. Bin gespannt, ob und wann das optimal klappt! :-)

Schöne Grüße, Thomas#

Oliver Springer
Am 3. März 2015 um 19:22 Uhr

Hallo Thomas,

aus Nutzer-Sicht habe ich die billigen SEO-, MfA- und Affiliate-Sites nie als echtes Problem wahrgenommen. Vielleicht hab ich die auch innerlich gleich rausgefiltert und deshalb kaum wahrgenommen. Dass Google da aufgeräumt hat, finde ich trotzdem gut.

Mehr Vielfalt in den SERPs: Das kann gut sein. Mitunter scheint das aber zum Problem beizutragen, dass die Treffer nicht gut zur Suche passen.

Diese Click-Bait-Überschriften im BuzzFeed-Stil sind für mich beim Suchen fast ein K.-o.-Kr­ite­ri­um. Die wirken wie ein Nicht-lesen-Schild.

Ja, ich glaube auch, dass es Google wirklich darauf ankommt, bessere Ergebnisse zu präsentieren. Zumindest in der Masse. Die Ergebnisse scheinen stärker auf den Durchschnittsnutzer ausgerichtet zu werden, der wenig Ahnung hat vom gezielten Suchen hat und dem damit geholfen ist, wenn Google ihn mehr oder weniger bevormundet.

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