„Silversurfer“ erobern das Netz


Geschrieben am Montag, 27. August 2007 von Thomas Kilian

Die vielfältigen Möglichkeiten des Internets nutzen mittlerweile nicht mehr nur die Jüngeren unter uns. Immer mehr über 50-Jährige entdecken das Internet als Spielwiese. Zählt diese Generation zu Ihrer Zielgruppe, sollten Sie sich jetzt angesprochen fühlen! Bei Angeboten für diese Personengruppe kann es sich beispielsweise um Gesundheitsthemen oder Wohlbefinden für Senioren handeln (Sanitätshäuser), aber auch für Online-Lernangebote dieser Altersgruppe könnten die folgenden Punkte interessant sein.

Senioren im Internet

Die steigenden Einkommen und die entsprechend größere Kaufkraft dieser Altersgruppen erweisen sich auch für die Werbe- und Medienbranche attraktiv. Man spricht hier auch von “silver-” oder “graying market”. Laut ARD/ZDF-Online-Studie 2007 haben mittlerweile 64,2% der 50-59jährigen und sogar 25,1% der über 60jährigen das Internet für sich entdeckt.

Angesichts dieser Entwicklung und unterschiedlicher Nutzungsweisen und -möglichkeiten gilt es, insbesondere bei Senioren, bestimmte Kriterien bei der Gestaltung von Webseiten zu beachten. Berücksichtigt werden sollten insbesondere die emotionalen, kognitiven und körperlichen Voraussetzungen der Senioren. Daniela Feuersinger hat sich in ihrer - wie ich finde - sehr gelungenen Diplomarbeit mit dem Thema „Senioren im Internet“ beschäftigt. Hier mal ein paar Beispiele für die seniorengerechte Gestaltung von Webseiten:

  1. Verwendung lesbarer, großer Schrift und entsprechender Zeilenabstände – vermeiden von Serifenschriften, blinkenden Schriften und Animationen
  2. Verwendung seniorengerechter Farbdarstellungen, weil Senioren oftmals Schwierigkeiten bei der Unterscheidung verschiedener Farbspektren haben (ausreichende Kontraste, aber keinesfalls Komplementärkontraste) 
  3. Verwendung einfacher und intuitiv nutzbarer statischer Navigationselemente 
  4. Vergrößerte Darstellung der Interaktionsflächen, aufgrund von altersbedingten Einschränkungen der Fingerfertigkeiten bei der Benutzung der Maus 
  5. Verwendung seniorengerechter Sprache – vermeiden von englischen Begriffen, Fachbegriffen und zu techniklastigen  Erklärungen)
  6. Kurze Wartezeiten, da Senioren schneller frustriert sind und weniger Selbstbewusstsein bei der Internetnutzung haben
  7. Unterstützung durch akustische Signale mit geeigneter Frequenz, da das Hörvermögen im Alter oftmals nachlässt (z.B. Klicken bei einer Aktion)  – jedoch vermeiden von zu vielen verwirrenden Klängen
  8. Sparsame Verwendung oder Verzicht von Werbeeinblendungen und blinkenden Bannern, damit die Senioren nicht die Orientierung verlieren

Zusammenfassend kann man also sagen, dass eine einfache, klare und strukturierte Darstellung von Inhalten und Funktionen (nicht nur) den Senioren die Verwendung von Internet-Angeboten erleichtert. Ein minimalistisches Design mit unterstützenden akustischen Signalen ist (nicht nur) hier angemessener als eine kunterbunte, dauerbeschallende und blinkende Webseite. WENIGER ist eben manchmal MEHR!

Diesen Gastbeitrag hat Natalie Zwiefka verfasst, die sich in ihrem Studium der Medienpädagogik u.a. mit verschiedenen Fragestellungen der Wahrnehmung von Medien befasst hat.

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2 KOMMENTAR(E)
zum Beitrag “„Silversurfer“ erobern das Netz”
cdv!
Am 27. August 2007 um 16:59 Uhr

Interesannter Beitrag, durchaus. Bedient aber leider auch wieder das klassische Kischee der Senioren, die demzufolge immer krank sind, nicht gut gucken können, nicht gut hören. Das Senioren ungeduldiger sein sollen, halte ich überdies für ein Gerücht. Wer kommt eigentlich mal darauf, dass wir derzeit eine Generation von Senioren erleben, die fit sind und das Leben genießen möchten? Klar ist der Gesundheitsmarkt interessant, aber er ist beileibe nicht der einzige. Weg mit diesen Klischees, bitte.

Natalie Zwiefka
Am 27. August 2007 um 22:24 Uhr

Vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich möchte auf diesem Wege einfach mal Stellung dazu nehmen. Ich gebe zu, dass der Eindruck entstehen könnte, ein Klischee bedienen zu wollen. Beschäftigt man sich jedoch eingehend mit der Materie, wird man feststellen, dass sich die Art und Weise der Internet-Nutzung sehr differentiell gestaltet. Leider wird dies bei der Gestaltung von Online-Angeboten oftmals nicht berücksichtigt. Dabei gilt es dann nicht Klischees zu bedienen, sondern vielmehr allen die Möglichkeit zu bieten, das Internet effizient für sich zu nutzen. Sicherlich sind nicht alle Senioren gebrechlich – aber es sind eben auch nicht alle fit (im Internet). Und warum nicht das Leben genießen mit gut gestalteten Internet-Seiten? Zudem profitieren nicht nur Senioren von Webseiten, die gewisse Usability-Richtlinien erfüllen! Wohlgemerkt ist in dem Artikel auch von Lernangeboten die Rede und diese Aufzählung lässt sich sicherlich ergänzen. Vorschläge sind immer willkommen! :-)

Ich habe mich innerhalb meines Studiums intensiv mit den verschiedensten Aspekten rund um die Mediennutzung und Medienwahrnehmung beschäftigt. Fazit ist, dass man nicht unterschätzen darf, wie groß die Unterschiede doch teilweise immer noch sind. Insbesondere auch im Hinblick auf das Thema „Digitale Spaltung“ bzw. „Digitale Ungleichheit“ wird deutlich, dass verschiedenartige Nutzergruppen das Internet auf unterschiedliche Weise nutzen (können). Weniger versierte Nutzer (egal welchen Alters) werden bei der Umsetzung von Online-Angeboten leider oftmals viel zu wenig berücksichtigt.
Um aber den Bogen zurück zur Werbe- und Medienbranche zu schlagen, gehen einem dadurch natürlich etliche potentielle Kunden verloren. Darum bin ich der Meinung, dass es nie schaden kann, entsprechende Angebote sowohl interessant und informativ als auch Nutzerfreundlich zu gestalten!

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zum Beitrag “ „Silversurfer“ erobern das Netz”
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