Propaganda im Werbedschungel


Geschrieben am Mittwoch, 27. Juni 2007 von Thomas Kilian

Dieser Artikel wurde von Finn Facklam verfasst, einem 17-jährigen Schüler, der vor einiger Zeit ein Praktikum in der Agentur Thoxan durchgeführt hat.

trndDie Agentur „trnd“ beschreitet im Marketing außergewöhnliche Wege – Grund genug, um über diese innovative Geschäftsidee zu berichten. Das Geheimnis der trnd-Kampagnen liegt in den weit reichenden Beziehungen, die es dem Unternehmen möglich machen, ausschließlich auf Mundpropaganda zu setzen.

Wenn trnd einen neuen Kunden hat, legt das Unternehmen ein Weblog an und jeder trnd-Partner kann sich selbst entscheiden, ob er für das Produkt werben möchte. Zuerst erzählt er es seinen Freunden und Verwandten, er kann aber auch Flyer verteilen oder extra Partys mit dem Produkt machen. Um zu sehen, ob das Produkt den Partner anspricht oder nicht, kann es dieser ausprobieren.

Ein recht aktuelles Beispiel ist die Playstation 3. Viele interessierte trnd-Partner haben eine PS 3 nach Hause geschickt bekommen und diejenigen, die sie am ausgiebigsten getestet haben und vielen Menschen davon berichtet haben, durften die Konsole behalten. Außerdem hat trnd eine Internetpräsenz angelegt, die jüngere Menschen anspricht und viel zu bieten hat. Zum Beispiel stellt das Unternehmen in einem Videoclip die besten Trends der Woche vor.

Der klare Vorteil von trnd ist, dass die Produkte nicht über irgendwelche Medien bekannt gemacht werden, sondern dass Menschen darüber von ihren Freunden oder Bekannten erfahren. Dies hat einen viel größeren Wert als die übliche Werbung in den Medien, da dort immer viel versprochen wird, man aber erst hinterher weiß, ob das gekaufte Waschmittel die Wäsche wirklich wieder so weiß wäscht… Einer Empfehlung durch einen Freund kann man dagegen viel mehr vertrauen und wird so eher zum Kauf motiviert als mit der herkömmlichen Werbung.

trnd rühmt sich damit, sehr viele Trendsetter zu kennen. Wenn diese selbst vom Produkt überzeugt sind und es als den Trend bezeichnen, dann motiviert dies auch viele Menschen zum Kauf, da sie Produkte besitzen wollen, die „in“ sind. Das Konzept von trnd macht teure Werbekampagnen überflüssig. Diejenigen Partner, die vom Produkt überzeugt und begeistert sind, machen auch ohne entsprechende Bezahlung dafür Werbung.

Jedoch gibt es nicht nur Vorteile durch die Technik der Mundpropaganda. So können nämlich nur Produkte bekannt gemacht werden, die viele der trnd-Partner gut finden. Und die Produkte, die viele Menschen beim ersten Sehen gut finden (z.B. die Playstation 3 unter jüngeren Leuten), werden auch mit Werbung in den Medien über das Produkt informiert und wollen dieses kaufen.

Ich finde diese neue Idee gut, da ich selbst gern auf Empfehlungen meiner Bekannten zurückgreife und die meiste Werbung heutzutage ignoriere, da man davon fast erschlagen wird. Wo man auch hinguckt, steht eine Werbetafel und beim Umschalten am Fernseher läuft auf jedem zweiten Sender Werbung. Jedoch kann ich mir nicht vorstellen, dass die Mundpropaganda genügt. Meiner Meinung nach sollte man es zusätzlich in seine Werbekampagne einbauen und sich nicht nur darauf verlassen.

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2 KOMMENTAR(E)
zum Beitrag “Propaganda im Werbedschungel”
Oly 2.0
Am 29. Juni 2007 um 12:02 Uhr

Hallo Finn,

gute Gedanken die du hier niedergeschrieben hast. Bist du selbst Mitglied bei trnd ? Ich kann dir die Plattform empfehlen, obgleich ich teilweise mit den angebotenen Produkten nicht viel anfangen kann. Eines ist jedoch sicher, bis jetzt hatten fast alle Produkte das Potential, sich für Mundpropaganda zu eignen.
Du hast von deinem Standpunkt aus betrachtet Recht, wenn du behauptest, sich allein auf Mundpropaganda zu verlassen würde nicht genügen. Der Mix macht’s, und doch geht es dabei sicherlich um mehr, als um ein zusätzliches Marketinginstrument.
Mundpropaganda geschieht einfach, ob es das Unternehmen nun beabsichtigt hat oder nicht. Erst in den Köpfen der Kunden wird das Produkt verifiziert und dann im Gebrauch als gut oder weniger gut bewertet. Gute und schlechte Produkte erzeugen Mundpropaganda. Schlechte Mundpropaganda ist sicherlich negativ für das operative Geschäft, doch wer genau zuhört, kann mit den Kunden in den Dialog treten (z.B. über das Internet/Web 2.0) und daraus Schlüsse für seine zukünftige Strategie ableiten.
Die zweite, positive Art der Mundpropaganda kann ich als Unternehmer noch verstärken, in dem ich die Kunden stärker in den Prozess der Entwicklung und Vermarktung einbinde, und dadurch auf die positiven Effekte der Empfehlung setzen kann. Dafür muss ich mir dann die Trendsetter (Gatekeeper, Mavens) suchen, um die Reichweite der Mundpropaganda zu erhöhen. Du hast als Beispiel von trnd die PS 3 genannt. Wenn der Hersteller dich fragen würde, wie du das Design und den Funktionsumfang der PS 3 verändern würdest, hättest du da nicht Lust auch deinen Senf dazu zugeben? Und wenn du merkst, dass das Unternehmen dich ernst nimmt, bist du doch viel eher bereit auch mit anderen über diese Erfahrung zu sprechen. Ich denke, es geht hierbei vielmehr um eine Grundhaltung der Unternehmen, um die Unternehmen-Kunden-Beziehung positiv zu gestalten und einen Gewinn für beide Seiten zu erzeugen (Win-Win Situation).
Es gibt viele Unternehmen die kein Geld in die klassische Werbung investieren, weil ihre Produkte gut sind und sich für Mundpropaganda eignen. Nicht jedes Produkt eignet sich dafür, aber jedes Unternehmen hat die Möglichkeit, seine Kunden in bestimmte Prozesse einzubinden, die unter professioneller Leitung nicht nur jede Menge Erfahrungen, sondern auch Spaß erzeugen können. Imho, wird das Thema Mundpropaganda noch mehr an Bedeutung gewinnen, wenn der Großteil der Unternehmen begriffen hat, welches Potential im Dialog mit den Kunden steckt.
Wie du selbst schon sagst, und das gilt für deine Generation besonders, ihr ignoriert die langweilige, einseitige Werbung und wollt mit dem Mist nicht mehr zugemüllt werden. Zeigt den Unternehmen endlich, das ihr den proaktive Dialog fordert und ihr euch als Prosumenten fühlt, die auf gleicher Augenhöhe mit dem Unternehmen kommunizieren wollen.

P.S. Ich habe alle deine Beiträge gelesen und kann nur sagen: Klasse, weiter so!

Oly 2.0

Thomas Kilian
Am 2. Juli 2007 um 10:49 Uhr

Danke, Oly 2.0, für Deinen langen Kommentar und die weiteren Hintergründe. Ich halte den Ansatz von trnd und anderen Marketing-Brutstätten der viralen Bewegung für eine super Ergänzung im Marketing-Mix. Mir gefällt vor allem der spielerische Ansatz, dass Werbung nicht mehr nervt/stört, sondern als Unterhaltung und Lifestyle im Alltag wahrgenommen wird. Bin gespannt, wie sich das Konzept von trnd weiter entwickelt.