Open Source Marketing: Beispiel Firefox – Marketinghilfe von Tausenden


Geschrieben am Donnerstag, 26. April 2007 von Thomas Kilian

Sascha Langner - Marke-XDiesen Artikel von Sascha Langner gebe ich im Rahmen des Business-Blog-Karnevals in gekürzter Fassung ohne Grafiken und Fußnoten wider. Der Volltext mit Beispielen und Grafiken ist im internet marketing magazin “Marke-X” nachzulesen. Am Beispiel der Verbreitung von Firefox erläutert Sascha Langner, wie Open Source Marketing funktioniert. Er betreibt auf seiner Webseite auch einen erfolgreichen Newsletter, den ich sehr empfehlen kann.

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Stellen Sie sich vor: 5.000 Marketingspezialisten aus der ganzen Welt beschäftigen sich kostenfrei mit der Vermarktung Ihres Produktes: Entwickeln Ideen, Arbeiten Konzepte aus und übernehmen sogar die Durchführung der Marketing-Maßnahmen. Geht nicht, sagen Sie? Stimmt. Nicht im klassischen Marketing Sinne. Denkt man hingegen aus Sicht der Open Source Gemeinde, sieht das ganze schon anders aus. Wie die Community “Spread Firefox” beweist, schlummert in der ständig wachsenden Vernetzung des Internet ein wahrer Marketing-Riese.

Wer von der Open Source Bewegung hört, denkt in der Regel zu aller erst an Software. Linux, Open Office, Mozilla, Apache und viele andere. Open Source Projekte haben die Software-Landschaft in den letzten Jahren nachhaltig geprägt. Und die Open Source Bewegung ist wohl nicht mehr aufzuhalten. Dies zeigt sich auch darin, dass sie schon längst nicht mehr auf Software limitiert ist. Immer mehr Menschen stellen ihr kreatives Schaffen der Allgemeinheit zur Verfügung. Sie veröffentlichen Bilder, Videos oder Musik im Netz, und alles, ohne Lizenzgebühren für ihr geistiges und kreatives Schaffen zu verlangen.

Es war also nur eine Frage der Zeit bis die ersten Open Source Projekte auf die Idee kommen würden, die Vermarktung ihrer Projekte gemeinschaftlich zu planen und durchzuführen.

Firefox – Marketinghilfe von Tausenden engagierter Helfer

Der bislang erfolgreichste Begründer des noch jungen Open Source Marketing ist die Mozilla Foundation. Das Non-Profit Unternehmen organisiert, koordiniert und verwaltet die Entwicklung des Webbrowsers Firefox. Mit einem Marktanteil von mittlerweile 8,5% ist Firefox die erste ernstzunehmende Herausforderung für Microsofts Internet Explorer seit Jahren – nicht zuletzt auch durch seine Open Source orientierte Vermarktung.

Im Mittelpunkt von Mozilla’s innovativen Marketing Konzept steht die Website “Spread Firefox“. Diese zählt mittlerweile 50.000 – 75.000 Unique Visitors pro Tag und ist quasi das Internet-Hauptquartier vieler weltweit durchgeführter Marketingmaßnahmen zur Erhöhung der Nutzerzahlen des Browsers.

Open Source Marketing in der Praxis

Um das Marketing für Firefox gemeinschaftlich planen und koordinieren zu können, setzt Mozilla konsequent auf die Erfolgsregeln von Open Source Entwicklungen. Das Non-Profit Unternehmen begründete eine Community, schaffte die Grundlagen für einen konstruktiven Ideenaustausch unter den Mitgliedern und integrierte Mechanismen zur Motivation und Auswahl der schließlich umzusetzenden Vorschläge.

In einem nächsten Schritt wurden Arbeitskreise aus Freiwilligen gebildet, deren Aufgabe es war, themenspezifisch Ideen zu bewerten, inhaltliche Details zu erarbeiten und die praktische Umsetzung mit den Mitgliedern der Community zu koordinieren. Vieles, was Mozilla an strategischer Rahmenplanung und Artwork für Marketingmaßnahmen benötigt, wird in den Arbeitsgruppen erdacht und intelligent passenden Community Mitgliedern als Arbeitspaket zugeteilt.

Was sich auf den ersten Blick ein wenig bürokratisch anhört, ist bei näherem Hinschauen ein lebendiger Evolutionsprozess. 15 unterschiedliche Arbeitsgruppen mit spezifischen Marketingschwerpunkten hat das Projekt bereits hervorgebracht.

Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Mittlerweile zählt der Server von Mozilla fast 27 Mio. Downloads. In ein paar Studien wird Firefox dadurch bereits ein 10prozentiger Marktanteil bescheinigt.

Ohne Motivation geht nichts – auch nicht bei Open Source Projekten

Um die einzelnen Mitglieder der Gemeinschaft langfristig zu motivieren, setzt Spread Firefox auf ein simples Belohnungssystem. So erhält jedes Mitglied der Community eine einzigartige ID zugewiesen. Wer nun beispielsweise auf seiner Website einen Button (mit seiner ID) zur Downloadseite des Browsers setzt, erhält für jeden über ihn ausgelösten Download einen Punkt. Auch für die Gewinnung neuer Community Mitglieder gibt es Punkte wie auch für besondere Leistungen für die Gemeinschaft.

Anhand der Punktzahl wird wiederum ein Ranking aller Teilnehmer gebildet. Die Websites der 250 engagiertesten Mitglieder werden gut sichtbar auf den Seiten von spreadfirefox.com (PageRank 8) genannt und verlinkt. Damit auch neue Mitglieder eine Chance haben, wird für das Ranking nicht die Gesamtzahl der Punkte herangezogen, sondern nur die Entwicklung der letzten 7 Tagen. Zudem gibt es ein zweites Ranking, dass nur die engagiertesten neuen Mitglieder listet.

Um auch kleinen Webmastern zu danken, werden bei jedem Seitenaufruf von SpreadFirefox zufällig Websites aus dem Fundus aller Community-Mitglieder am oberen Seitenrand dankend erwähnt.

Wem solche Belohnungen nur wenig bringen, für den bietet die Community ab einer bestimmten Punktzahl auch kostenlose Merchandising Artikel (wie T-Shirts, Plüschtiere, etc.), eine exklusive Firefox e-Mail Adresse sowie die Chance, Sachpreise wie z.B. einen iPod zu gewinnen.

Open Source Marketing kann nicht alles ersetzen

Auch wenn viele Entwicklungs-, Planungs- und Umsetzungsprozesse auf die Community übertragen werden können, gibt es dennoch Bereiche, wo Mozilla eingreifen muss. So werden viele praktische Abläufe von Mitarbeitern des Unternehmens angestoßen und koordiniert, um einen effizienteren Ablauf zu gewährleisten[3].

Manche Elemente des Marketing kann die Community auch nur bedingt übernehmen. Es ist beispielsweise ziemlich unwahrscheinlich, dass eines der Community-Mitglieder gute Kontakte zu überregionalen Tageszeitungen wie der New York Times besitzt. Die Gemeinschaft kann im Rahmen der Pressearbeit zwar aufgefordert werden, zu thematisch passenden Artikeln Leserbriefe zu schreiben, ob der jeweilige Journalist dies jedoch als Anreiz dazu sieht, einen Artikel über den Browser zu schreiben, ist fraglich. Größere Chancen hat man hier über ein spezialisiertes Unternehmen. So nimmt Mozilla zum Beispiel die Dienstleistungen einer Top PR-Agentur in Anspruch.

Vielen Community Ideen fehlt es zudem auch an der notwendigen Finanzierung. Das Open Source Projekt ist deshalb immer auch auf Spenden angewiesen, um kostenträchtige Vermarktungsideen (wie etwa die Schaltung von Anzeigen in Magazinen und Zeitungen) umzusetzen.
 

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