Offener Brief an XING: Unerwünschte Kontaktaufnahme


Geschrieben am Mittwoch, 18. Juli 2012 von Thomas Kilian

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrtes XING-Team,

bereits zweimal habe ich Sie nach einer unerwünschten Kontaktaufnahme eines anderen XING-Mitglieds angeschrieben. Da ich bislang keine Antwort von Ihnen habe, sende ich Ihnen nun ein weiteres, dieses Mal öffentliches Schreiben. In allen drei Fällen ist die Datenfreigabe so eingestellt, dass fremde Mitglieder weder meine Kontaktdaten sehen können, noch eine direkte Nachricht an mich schicken können. Zu diesem Schritt sehe ich mich gezwungen, um der Flut von unsinnigen und (halb-)automatischen Kontaktanfragen sowie Gruppeneinladungen Herr zu werden.

Wie Sie sehen, darf Herr X mir keine Nachrichten zusenden. Seine Kontaktanfrage vom 15. Juli 2012 erreichte mich mit der Begründung “per iPhone-App“. Da ich weder an Finanzcoaching, noch an einem 7-Jahres-Kurs zur finanziellen Freiheit interessiert bin und mir das Profil sehr unseriös erschien, habe ich den Kontakt abgelehnt. Als Begründung habe ich kommentarlos den Link zu meinem Blogbeitrag “Die 10 schlechtesten Gründe für eine Kontaktanfrage bei XING” eingegeben, in einem anderen Fall war es der Link zum Beitrag “Klasse statt Masse“, weil mir jemand direkt in der Kontaktaufnahme Werbeartikel verkaufen wollte.

Heute nun erhalte ich von Herrn X eine weitere Nachricht über XING, die ich nicht nur als Frechheit, sondern als Belästigung empfinde – zumal es genau diese Form von unerwünschter Werbung ist, die mittlerweile viele XING-Nutzer dazu führt, sich von Ihrer Plattform zu verabschieden.

Wie Sie sehen, handelt es sich hier mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um eine automatisch generierte Nachricht. Dass ich den guten Mann gar nicht als Kontakt hinzugefügt habe, scheint er gar nicht mitbekommen zu haben – denn er bedankt sich bei mir. Dann kommt er gleich “zur Sache” und will mich für sein dubios-unseriöses Finanz-Coaching einladen. Was wohl im schlimmsten Fall passieren kann, wenn ich jetzt “Ja” sage, möchte ich mir gar nicht erst vorstellen.

Sehr geehrtes XING-Team, 

  • wie ist es möglich, dass mich jemand trotz abgeschalteter Datenfreigabe weiterhin über die Plattform kontaktiert? Durch den Wiederholungsfall kann es sich schwerlich um einen einzelnen, technischen Fehler handeln!
  • Wieso erhalte ich von Ihnen keine Antwort auf meine Beschwerde-Nachrichten, mit denen ich solche Personen melde? Zumal es mir nicht um die Personen ansich geht (z.T. “arme Schweine”), sondern um Ihre technischen Funktionen.
  • Wieso unternehmen Sie nichts gegen die (halb-)automatischen Tools zur Kontaktaufnahme und dem Versand von Nachrichten, die von unseriösen Info-Marketern, MLM-Vertretern und Klinkenputzern im Einsatz sind? Diese machen schließlich den Sinn des dialog-orientierten Networkings kaputt!
  • Was verstehen Sie als (zumindest noch) in Deutschland führende Business-Plattform selbst unter echtem Networking? Die o.g. Vorgehensweise kann doch auch nicht in Ihrem Interesse sein!

Ich erhoffe mir nicht nur Antworten auf diese Fragen sondern auch eine Entscheidungshilfe, ob und in welchem Umfang ich XING weiterhin nutzen werde.

Ich war ein Fan, ich bin ein Freund, doch mittlerweile wackelt diese Freundschaft gewaltig.

Herzliche Grüße, Thomas Kilian


Update 16.00 Uhr

Nachdem mir Christian Burtchen vom XING-Twitterteam heute Vormittag bereits nach kurzer Zeit geantwortet hat …

… erhielt ich eben folgende Information von ihm:

Anscheinend habe ich durch meine “Antwort” auf die Kontaktablehnung die Möglichkeit geschaffen, mich trotz unterbundener Freigabe wieder anzuschreiben. Ich werde solche Kontaktanfragen also in Zukunft unkommentiert löschen müssen, um keine weiteren Nachrichten zu erhalten. Die technische Frage ist damit zumindest beantwortet, doch meine anderen Fragen bleiben offen. Zu des Pudels Kern wird XING vermutlich weiterhin tapfer schweigen. Schade.

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21 KOMMENTAR(E)
zum Beitrag “Offener Brief an XING: Unerwünschte Kontaktaufnahme”
Heide Liebmann
Am 18. Juli 2012 um 08:01 Uhr

Sehr gut, Thomas! Auf die – hoffentlich erfolgende – Reaktion bin ich sehr gespannt. Durch diese Nervensägen verliert Xing langsam, aber sicher, seinen guten Ruf, und ich finde es wirklich unverständlich, dass da seitens der Betreiber nicht reagiert wird.

Christoph C. Cemper
Am 18. Juli 2012 um 08:06 Uhr

Hi Thomas,

Wenn Dich XING so anpisst, warum nicht einfach kündigen?
Bekommst Du auf LinkedIn, Facbook und normaler e-Mail nicht auch ständig Schrottmails?

Ich würde Dir raten, Dich lieber mit positiven Dingen zu beschäftigen – http://en.wikipedia.org/wiki/Positive_mental_attitude

LG aus dem erfrischten Wien
Christoph

Carsten
Am 18. Juli 2012 um 08:19 Uhr

Hallo Herr Killian,
ich kann mich Ihrer Erfahrung nur anschließen. Ihre Idee mit dem offenen Brief ist interessant, bei mir haben öffentliche Stellungnahmen ab und an gutes bewirkt, ich hoffe für Sie und die anderen Mitglieder, dass Xing schnell reagiert. Immer häufiger wird Xing benutzt um nicht vorhandene Geschäftsmodelle an Ahnungslose zu verkaufen, ob nun Finanzen, Partnerprogramme oder das schnelle Geld.
MfG

Rene
Am 18. Juli 2012 um 08:23 Uhr

Hallo Thomas,

sehr nachvollziehbar – aus ähnlichen Gründen die du oben schilderst, bin ich mittlerweile schon am überlegen Xing gänzlich zu verlassen.

Mittlerweile vergeht kein Tag mehr, wo nicht die ein oder andere Nachricht in der obigen Form reinkommt.

Gruß aus Bielefeld ;)

Andreas
Am 18. Juli 2012 um 08:47 Uhr

Sehr schöner Brief. Ich bin mal auf die Antwort gespannt. mich nerven diese Anfrage mittlerweile auch gewaltig!

Beste Grüße

Sprachpingel
Am 18. Juli 2012 um 08:55 Uhr

Hallo Thomas,

ich ergänze noch einen weiteren Irrsinn, den Xing veranstaltet: Wenn man den Empfang von Nachrichten einer bestimmten Person deaktiviert – zum Beispiel, weil diese einen mehrfach mit so einem automatisierten Werbemüll zugeballert hat –, dann kann diese Person einem trotzdem noch Kontaktanfragen (und damit verbunden auch Nachrichten) schicken.

Die Widersinnigkeit dieser Programmierung scheint Xing (auch auf entsprechenden Hinweis) nicht einzusehen. Wenn ich von einer Person keine Nachrichten erhalten möchte, dann doch wohl erst recht keine Kontaktanfrage.

Viel Erfolg mit dem offenen Brief!

Alfred Schmidt
Am 18. Juli 2012 um 09:00 Uhr

Das ist wirklich typisch Deutsch, einfach mal rumheulen. Der Sinn eines Social Networks ist es auch an neue Kontakte zu kommen und nicht nur die Real Life Kontakte online zu verwalten. Ich mag sowas auch nicht und bin auch kein Xing Spammer aber ein Kontakt mehr ist für Ihr Geschäft besser als keine Kontakte. Das Netzwerk sollte die Kontaktaufnahme eben nicht streng beschränken sondern im Gegenteil die Kontaktaufnahme fördern, wenn es seinen Business-Zweck erfüllen soll. Sie können gerne Ihre Kontaktverwaltung auf LinkedIn verlagern aber bitte nicht immer dieses Rumgeheule wegen nix.

Stephan
Am 18. Juli 2012 um 09:19 Uhr

Es würde doch eigentlich ausreichen, diversen Scripts den gar aus zu machen. Wenn man bei Xing in den Foren sucht, kann man sogar finden, wie man das mit Hand programmiert.

Ein Identifyer bei Kontaktanfragen würde schon helfen (woher kennen Sie XY: ( ) Kunde ( ) Kollege ( ) Konkurrent ( )…..) und würde vieles reduzieren.

Aber ich denke, das bringt nix, auf dem Ohr ist Xing seit 2008 taub.
lG
Stephan

Robby Burkhardt
Am 18. Juli 2012 um 09:38 Uhr

Schon vor einem Jahr die Premium-Mitgliedschaft bei Xing gekündigt. Ich habe meine Kontakte ausgemistet und die vielen Vermittler, Berater und Trainer gelöscht. Mit 33 Kontakten wird man uninteressant und das genieße ich jetzt, denn man hat einfach mehr Zeit für die wichtigen Arbeiten.

Habe ich brauchbare und wertvolle Kontakte während meiner Premium-Mitgliedschaft bei Xing gefunden?

Nein!

Xing = Zeit-Dieb.

C. Stork
Am 18. Juli 2012 um 11:24 Uhr

Ein guter Denkanstoß, seine eigene Xing-Mitgliedschaft einfach noch mal kritisch zu hinterfragen.

Thomas Kilian
Am 18. Juli 2012 um 11:48 Uhr

Auch hier möchte ich noch mal unmissverständlich klarstellen: XING ansich finde ich großartig, war immer ein Fan – ob zur Akquise, zum Kontaktaufbau, zum Netzwerken, zum Dialog und Austausch mit anderen. Deshalb möchte ich mich ja nicht abmelden, sondern wünsche mir, dass ich in Sachen Spam etwas ändert. Zur Not, auch mit “Geheule” … ;-)

Volker Buntrock
Am 18. Juli 2012 um 12:32 Uhr

@Alfred Schmidt

Hallo Herr Schmidt,

ich kann und will Ihnen aus ganzem Herzen zustimmen. Wenn die typisch deutschen Nörgler nicht kontaktiert werden wollen sollen sie ins Schneckenhaus und nicht in ein Netzwerk gehen.

Ich lebe in England und habe viele Kontakte hier, in die USA, nach Kanada und Australien.

Ich habe kein einziges Mal bei einer Person aus diesen Ländern diese Nörgelei gefunden. Man ist offen und denkt positiv und kommunikativ. Man sieht Kontaktanfragen als Chance für die Zukunft, nicht als Belästigung.

Viele Grüße aus Ashby de la Zouch

manfred
Am 18. Juli 2012 um 13:56 Uhr

hmm…

auch ich bin mittlerweile schon ziemlich genervt über solche spam annäherungen … die nächste Verlängerung meines Xing Abos werde ich wohl nicht mehr ausführen …

schade drum …

Albert
Am 18. Juli 2012 um 16:35 Uhr

Ich bin auch hochgespannt, ob Xing hier öffentlich Stellung zu nimmt. In Sachen Geschwindigkeit haben Sie schonmal nicht die Nase vorn. Eine öff. Antwort erwarte ich deshalb hier nichtmehr. Vielleicht täusche ich mich aber.

@thomas: Ich finde es MUTIG und sinnvoll solche Sachverhalte öffentlich zu klären. Dein Post ist für mich ein gutes Beispiel der neuen Bewußtseinsbewegung die immer mehr ins Rollen kommt – weg von der Verschleierungstaktig im Internet, Medien & Politik, hin zur öffentlichen Kommunikation und Abstimmung.

@alfred schmidt: Das was Sie hier oben geschrieben haben, dem kann ich gar nicht zustimmen. Es geht hier um Spammer, die uns allen in der Summe viel Zeit und Geld kosten. Wenn man auf normalen Weg keine Antwort erhält, finde ich das hier die beste Lösung und keine “rumheulerei”. Aus den Global Player Netzwerken deswegen fernhalten halte ich für einen noch dümmeren Vorschlag. Altes Schubladendenken wie “typisch Deutsch” finde ich total Fehl´am Platz und halte den Post für “Vorbildllich”.

Gruß Albert

manfred
Am 20. Juli 2012 um 15:22 Uhr

hmm…

@alfred schmidt
im Kern der Sache gebe ich Ihnen recht – wenn ich keine Kontakte haben möchte ist die Teilnahme an einem Social Netzwerk Dienst fragwürdig.
ABER : es ist auch mir ein Grauß wenn man von bestimmten Branchen immer penetriert wird und das ganze dann auch nich automatisiert …

Natürlich kann man jetzt die Aufgabe an den Platformbetreiber abwälzen … mache ich ja auch … aber näher betrachtet ist es ja gar nicht so einfach diese Erstkontaktaufnahme zu bloggen denn dann kann ja keiner mehr mit keinem …

ALLERDINGS bin ich sehr wohl der Meinung das sich in diesem Falle Xing um Störermitteilungen kümmern muß und diese Spammer nach Meldung entweder bloggt oder eben mit der Funktionsweise des Netzwerkes beschränkt …

In Vorbezeichneter Sache geht es aber um eine, in den persönlichen Einstellung vorgenommene Privatsphäreneinstellung die einfach keine ist und das MUSS seitens des Anbieters besser umgesetzt werden …

Ich als webseitenbetreiber darf meine registrierten Mitglieder, Kunden, etc bb ja auch nicht via eMail mit ungewollten newslettern versorgen …

Jürgen Auer
Am 21. Juli 2012 um 11:24 Uhr

Hallo Herr Kilian,

seit dem Donnerstag gibt es die Möglichkeit, Profile komplett zu sperren. Das blockiert auch weitere Kontaktanfragen.

Mit der Antwort haben Sie selbst die Tür geöffnet.

Ich lasse solche Anfragen einfach unkommentiert liegen.

@Albert: Diese Spammer kosten mich überhaupt keine Zeit. Da erhöht sich die Zahl der offenen Kontaktanfragen um eines – das war alles.

Viele Grüße
Jürgen Auer

Albert
Am 21. Juli 2012 um 13:26 Uhr

Hallo Jürgen,
dann setzt du eher wohl eher auf Masse statt Klasse, ich fahre da eine andere Strategie und sortiere solche Accounts lieber aus.

Schön das es die Möglichkeit jetzt gibt Profile zu sperren. Wenigsten eine Reaktion seitens XING auf den Sachverhalt.

Schönes WE
Gruß Albert

Vicky
Am 27. August 2012 um 11:32 Uhr

Beim Durchlesen musste ich etwas schmunzeln.. :) Ich bekomme regelmäßig Anfragen von irgendwelchen dubiosen Finanzberatern.
Es ist auf Xing eine feine Linie. Auf der einen Seite finde ich es in Ordnung, wenn die Plattform genutzt wird, um mit potentiellen Interessenten in Kontakt zu treten. Auf der anderen Seite will natürlich niemand zugespamt werden… vor allem wenn es rein garkein Bezug zum Profil gibt. Bin gespannt wie die Geschichte weitergeht! :)
VG Vicky

Harald Weber
Am 28. Oktober 2012 um 12:15 Uhr

Ich habe den Eindruck, dass sich in den letzten Wochen die Anzahl der unsinnigen Spammails auf oder von Xing doch erfreulich reduziert hat. Ob dies in Zusammenhang mit diesem Beitrag steht, kann ich nicht beurteilen – wäre aber schön. In jedem Fall sollte Xing halbwegs professionellen Kontakten vorbehalten bleiben und auch ein gelegentliches Aufräumen der eigenen Kontakte hilft, hier up to date zu bleiben und der Grundidee des Netzwerks Rechnung zu tragen.

Jürgen Auer
Am 28. Oktober 2012 um 12:23 Uhr

Herr Weber: Xing hatte Mitte August in der Xing Community darüber informiert, daß sich die Erkennung bestimmter automatischer Tools sehr verbessert habe.

Und daß Xing in Zukunft “früher abmahnen” wolle.

> Da deren Verwendung gegen die AGB verstößt, werden wir früher als bisher abmahnen und, falls dies nicht zur Einsicht führt, kündigen.

https://www.xing.com/net/XING/fragen-und-antworten-zu-xing-funktionen-278482/spam-auf-xing-41737876/

Seither sind diverse Leute rausgeflogen. Zwei “ganz große” waren jeweils eine Woche gesperrt (sozusagen die letzte Warnung).

Katrin
Am 1. August 2013 um 15:58 Uhr

Bin durch Google auf die aufmerksam geworden. Genau DAS ist mir auch schon passiert. Die Tatsache, dass man zugemüllt wird von Pseudo-Experten, das ist das eine – noch schlimmer finde ich den Patzer in der Datenfreigabe. Ich wurde dadurch mal sehr belästigt von jemanden und wendete mich, wie sie auch, an Xing. Die haben bis heute das Problem nicht verstanden und als einzige Möglichkeit blieb mir den Nutzer zu blockieren.

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