Mit dem blauen Teppich neue Gäste anlocken


Geschrieben am Donnerstag, 07. August 2008 von Thomas Kilian

Habe gerade eine Folge der Kabel1-Serie “HAG€N HILFT” mit Unternehmensberater Stefan Hagen gesehen. Heute hat er einem Restaurant in Bad Camberg geholfen, das jeden Monat rund 5000 (!) € Miese gemacht hatte. Der völlig verschuldete und überforderte 53jährige Koch war nicht in der Lage, sein Restaurant aus eigener Kraft in die Gewinnzone zu bringen.

Die konkreten Tipps des Unternehmensberaters aus Köln beliefen sich auf vier Aktionsschritte:

  1. Neukunden-Akquise (Busunternehmen)
  2. Speisekarte überarbeiten
  3. Einrichtung modernisieren
  4. Neueröffnung feiern

Auch wenn die Sendung in ca. 45 Minuten nur sehr oberflächlich die Hintergründe und Lösungswege vermitteln kann, haben vor allem kleine Unternehmen und Freiberufler die Möglichkeit, sich einige Tipps & Tricks abzuschauen. Denn “so schwer” ist die Lösung meistens gar nicht. An erster Stelle steht häufig ein Motivationsproblem. Wenig Kundschaft senkt die eigene Laune, erzeugt schlampige Arbeit und eigene Trägheit, was wiederum der Anziehungskraft schadet und so weiter…

Besonders gefallen hat mir, dass Stefan Hagen einen erfolgreichen Sternekoch als zweiten Coach mitgebracht hat. Dieser konnte mit dem verschuldeten Küchenchef auf einer Wellenlänge (gewissermaßen von “Mann zu Mann”) sprechen und sich noch ein wenig besser in den verzweifelten Koch hineinversetzen. Ich habe selbst damit sehr gute Erfahrungen gemacht, verschiedene “Berater” aus unterschiedlichen Branchen und Arbeitsbereichen um Rat zu fragen, wenn ich nicht weiter wusste. Manchmal ist der erste Schritt bereits getan, wenn ich ein Problem ausspreche und durch gezielte Fragen selbst auf die Lösung stoße.

Doch zurück zur Vorgehensweise. In so einer existenziellen Situation ist es zunächst einmal wichtig, wieder in Schwung zu kommen. Ich hatte selbst auch schon Durchhänger und wusste nicht recht, wie ich den nächsten Monat über die Runden komme. Auch wenn die “Neukunden-Akquise” in der heutigen Sendung zunächt nur aus wahllosen Anrufen bei Busunternehmen bestand, hat die Aktion erste Früchte getragen. Sicherlich ist der Restaurantbesuch einer Seniorengruppe zum Mittags-Sparpreis nicht die Kirsche auf der Torte, aber ein Anfang ist gemacht, die Maßnahme bringt ersten Umsatz und vor allem Motivation.

Zweiter Punkt war die Überarbeitung der Speisekarte. So wie heute der Sternekoch, weise ich meine Kunden auch immer darauf hin, dass Spezialisierung, Profilierung, Unterscheidung vom Wettbewerb das A und O ist. Das “Restaurant – Café – Cocktaillounge” wurde eingestampft und ein hochwertiges “Restaurant mit regionaler, hochwertiger Küche” konnte wie Phoenix aus der Asche steigen. Die Speisekarte ist übersichtlich, die Gerichte sind sinnvoll kalkuliert. Die Gäste wissen, was sie erwarten können.

Auch der dritte Schritt steigerte diesen Effekt. Statt Gelsenkirchener Barock und zusammen gewürfelter Möbel unterschiedlichster Coleur, wurde eine klare Linie eingeführt. Neuer Parkettfußboden, passende Möbel und harmonische Farben geben der Inneneinrichtung ein ganz neues Flar Flair. Ein blauer Teppich, der von der Straße aus einmal um die Ecke bis ins Restaurant führt, macht Passanten neugierig und leitet die Gäste direkt ins Restaurant. Mal ehrlich: Ist ein blauer Teppich eine Sensation? Nein, es sind eben oft die einfachen Dinge, die den Unterschied ausmachen.

Zu guter Letzt: Die Neueröffnung. Eingeladen sind unter anderem Geschäftsführer von Busgesellschaften (hier mal eine sinnvolle Kaltakquise, bei der Stefan Hagen telefonisch nachgeholfen hat und die wieder zu neuem Umsatz führt) sowie Vertreter der Stadt. Live-Musik gibt es auch und die Gäste sind vom neuen Restaurant, den frischen Gerichten und der Stimmung begeistert. An einem Abend verdient der verschuldete Gastronom mehr, als sonst in einer Woche. Motivation pur – und wieder ein wichtiger Punkt, den ich mir fürs Marketing merken muss: Kleine Highlights steigern meine Laune, erhöhen die Aufmerksamkeit und sind auch noch lukrativ. Wo bauen Sie solche besonderen Höhepunkte in Ihr Geschäftsjahr ein?

Neben der “Eule” – Schuldnerberater Jürgen Zwegat auf RTL, dem dynamischen Duo auf VOX und Rach, dem Restauranttester (RTL), ist Stefan Hagen nun also der nächste Business-Coach in der Glotze. Ich habe persönlich zwar nicht viel Neues gelernt, aber mir ist einiges “Altes” wieder eingefallen, was ich schon längst hätte tun wollen. Insofern stelle ich auch Ihnen die Frage: Wann rollen Sie mal wieder den blauen Teppich aus, um neue Kunden anzulocken?

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5 KOMMENTAR(E)
zum Beitrag “Mit dem blauen Teppich neue Gäste anlocken”
Hans Malkow
Am 8. August 2008 um 20:06 Uhr

“Flair”, Thomas, nicht “Flar”.
Aber netter Beitrag.

Schönen Freitagabend noch!

Gerhard Zirkel
Am 10. August 2008 um 19:50 Uhr

Ein äußerst wichtiger Faktor sind gerade bei einem Lokal die Gestaltung und Aufmachung des Ganzen. Wenn dem Betreiber schon früher der Zusammenhang zwischen Umgebung, Motivation und Umsatz aufgefallen wäre, hätte er seinen Laden vermutlich alleine wieder hinbekommen.

Gerhard Zirkel

Jan (Aysberg)
Am 18. August 2008 um 10:16 Uhr

Ich habe kürzlich auch das erste Mal HAG€N HILFT gesehen. Da ging es um eine Brauerei, die wieder auf die Beine gestellt werden sollte. Maßnahmen, Vorgehen und Story haben mich aber nicht wirklich überzeugt.

Ich finde den Restauranttester Rach um Längen besser. Auch ich hole mir dort Anregungen und versuche für mich herauszukristallisieren, was bei den verschiedenen Lokalen das Grundproblem ist (Kompetenz, Persönlichkeit, Idee, Lage, etc.).

Denis
Am 10. Mai 2009 um 14:15 Uhr

Ich kenne diese Sendung und habe sie mir auch schon mehrmals angeschaut. Was ich aber nicht verstehe, wenn man ein Unternehmen führt und das sehr schlecht, mit mehr und mehr Schulden, und nur mit externer Hilfe das Wesentlich sieht auf das es in den einzelnen Fällen ankommt, bin ich der Meinung, sind genau diese Leute nicht für eine Selbstständgkeit geeignet. Nehmen wir mal an, der Hagen hilft einem aus der Patsche, dann kommt man mit Sicherheit nach ein paar Jahren wieder an einen Punkt wo es dem Unternehmen wiedermal schlechte geht, da sich die externen Gegebenheiten ändern und man wieder keinen Blick für das Wesentliche besitzt. Und dann???

Gruß
Denis