Markteinführung Zwonull


Geschrieben am Sonntag, 13. Mai 2007 von Thomas Kilian

Michael Gisiger - wort|ge|fecht, dasMichael Gisiger beschreibt in seinem zweiten Beitrag zum Business-Blog-Karneval, wie die Markteinführung von Produkten oder Services im Web 2.0 gelingt. Der Artikel ist im “wort|ge|fecht, das”-Weblog erschienen und kann auch dort kommentiert werden. Michael Gisiger beschäftigt sich in seinem Weblog “vor allem mit Fragen der individuellen Freiheit und den neuen Möglichkeiten und Chancen, die das Internet bietet.”

Logo 3. Business-Blog-Karneval

Die traditionellen Wege zur Lancierung eines neuen Produkts oder eines neuen Service benötigen ein grosses Budget. Früher musste man zur Markteinführung viel Geld aufwenden: eine eigene Marketingabteilung, eine PR-Agentur, ein oder mehrere ausgeklügelte Medienevents und ein grosser Werbeetat waren nötig, um die relevanten Gatekeeper in den Medien zu erreichen. Vom Endkunden ganz zu schweigen. Heute bewegen wir uns aber immer mehr in einem echten Endkundenmarkt, in dem Werbeetats und die etablierten Medien immer weniger über den Erfolg oder Misserfolg eines Produkts entscheiden. Die Neuen Medien bieten dem Unternehmer nicht nur neue, kostengünstige Alternativen zur althergebrachten Kampagne, sie ermöglichen es ihm vielmehr, den Kunden direkt anzusprechen.

Heute kostet es kaum mehr etwas, das eigene Produkt oder die eigene Dienstleistung öffentlich bekannt zu machen. Senden Sie einfach einen Link zusammen mit einer kurzen Produktbeschreibung an eine Handvoll der relevanten Top-Blogger. Erzählen Sie ihnen, welches Problem ihre Dienstleistung oder ihr Produkt löst und warum ihre Lösung gut ist. Schreiben diese Top-Blogger darüber, vernehmen es andere relevante Leser. Erreicht die Story mehrere grössere Communites, so wird die Story innert kürzester Zeit in einer Vielzahl von Blogs, Foren und anderen Portalen diskutiert.

Aus den Ferien zum Erfolg: coComment

CoComment – ein Service, der die persönlichen Blogkommentare sammelt und an einem Ort zentral zur verfügung stellt – ist ein gutes Beispiel für diesen neuen Weg des Marketings. Robert Scoble, ein Tech-Blogger aus den USA, bekam während seinem Skiurlaub im Februar 2006 in der Schweiz ein kleines Preview des Service. Dieser befand sich damals noch im geschlossenen Beta-Test. Scoble schrieb über coComment in seinem Blog. Innert vierundzwanzig Stunden wurde daraus «The Next Big Thing» und etwas später schwappte die Welle aus der Blogosphäre über in die etablierten Medien.

Grosse Budgets sind also nicht länger nötig, um ein Produkt oder ein Unternehmen bekannt zu machen. Die Preise für Software, Hardware und Bandbreite sind seit den 1990er-Jahren um den Faktor zehn oder mehr gefallen. Open Source Software, kostenlose Webservices und billige Hardware ermöglichen es heute, mit einem geringen finanziellen Aufwand ein Unternehmen zu gründen. Viele Unternehmer finanzieren sich heute bereits selbst bis zum Cash Flow. Manche sogar schon bis zum Break Even.

Die Neuen Medien, allen voran die Blogosphäre, ermöglicht eine einfache und vor allem billige Promotion von Produkten oder Dienstleistungen. Und wie das Beispiel coComment zeigt, kann alles innert kürzester Zeit geschehen – ohne dass Sie auch nur Ihren Computer am Arbeitsplatz verlassen müssen. Diese Veränderung ist fundamental. Sie hat sich in den letzten fünf Jahren kontinuierlich aufgebaut und wird uns erst jetzt wirklich bewusst.

Das Beispiel macht Schule

Mit erfolgreichen Konzepten und deren Umsetzung lässt sich Geld verdienen. Das hoffen auch Anbieter wie Trigami aus der Schweiz, PayPerPost oder ReviewMe aus den USA, die aus diesem Word of Mouth-Konzept ein funktionierrendes Geschäftsmodell machen wollen. Sie vermitteln Hersteller und Dienstleister an Blogger, die gewillt sind, gegen Bezahlung über das Produkt oder den Service zu berichten. Bezahlt wird in der Regel pro Artikel (Pay per Post).

In der Blogosphäre wurde und wird jedoch heftig über den Sinn solcher bezahlten Einträge und deren Vertretbarkeit gestritten. Ob und wann der Weg über Trigami und Co. führen soll, muss jeder für sich entscheiden. Ich bin jedoch der Meinung, dass ein Benutzer, der von sich aus positiv über Ihr Angebot berichtet, nicht nur glaubwürdiger wirkt, als Multiplikator ist er zudem viel wertvoller – er ist nicht mehr nur Kunde, er ist vielmehr ein Fan und Teil Ihrer Community.

Usability muss im Vordergrund stehen

Es ist viel einfacher geworden, ein Unternehmen aufzubauen. Aber wird es nicht auch schwieriger, Aufmerksamkeit zu erheischen? Tagtäglich werden schliesslich eine Unmenge an neuen Produkten lanciert. Nicht unbedingt – Sie müssen nur die Vorteile dieser neuen Promotionsstrategie erkennen und für sich nutzen: Starten Sie eine Blog-Kampagne bereits in der Beta-Phase. Identifizieren Sie ein bis zwei für Sie relevante Top-Blogger und versorgen Sie diese mit Informationen. Danach liegt es nur noch am Produkt, für sich selber zu sprechen.

Dabei gilt es jedoch zu bedenken, dass neue Produkte vom Benutzer intuitiv bedienbar sein müssen. Ein neuer Benutzer muss den Wert der neuen Dienstleistung innert Minuten erkennen und sofort loslegen können. Keine langwierige Ausbildung und kein mühsames Lesen von Bedienungsanleitungen. Kein Verändern der Benutzergewohnheiten. Lösen Sie ein User-Problem auf diese Weise und starten Sie sofort. Weitere Dienstleistungen und sonstigen kostenpflichtigen Mehrwert können Sie später hinzufügen.

Nützliche Dienstleistungen mit intuitiver Bedienung, die ein echtes Problem lösen, gewinnen. Sobald aber die Konkurrenz auf ein neuen Produkt aufmerksam wird, dann gilt es den First Mover-Vorteil geschickt zu nützen. Sonst stehen Sie plötzlich auf der Verliererseite. Das könnte der Punkt sein in dieser neuen Medienwelt, in der Werbeetats und etablierte Medien zum Zug kommen.

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Am 15. Mai 2007 um 15:20 Uhr

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