Leidenschaft allein macht den Kohl nicht fett


Geschrieben am Dienstag, 22. April 2008 von Thomas Kilian

Keine Sorge, Burkhard — ich will Dir ja gar nicht widersprechen. Aber Deine Gedanken gerne noch ein wenig fortführen. In einem aktuellen Beitrag schreibst Du darüber, dass auch im Business Leidenschaft und Persönlichkeit gefragt sind. Ich gebe Dir recht, dass es zahlreiche Beispiele gibt, wo Menschen ihren 9-to-5-Job mit einer solchen Begeisterung ausgelebt haben, dass sie zum Neukunden-Magnet werden.

Der rockende Gemüsehändler Elvis Parsley oder der singende Taxifahrer Ricky Celdran aus Washington sind ja zwei solcher Unikate, die ihre Leidenschaft anscheinend in kreischende Fans bare Münze umwandeln können, wie auch folgender Clip anschaulich zeigt:

Doch ob diese “Powerseller” auch in unserem Kulturkreis hier in Deutschland so gut ankommen würden, muss ich schon stark anzweifeln. Auch in Japan scheint Taxi-Karaoke ja beliebt zu sein, aber ich will – wenn ich dann schon mal in einem Taxi fahre - lieber ohne viel Tam-Tam und Gequatsche von A nach B gebracht werden, möglichst sauber sitzen und möglichst wenig bezahlen. Nach Karaoke ist mir auf dem Weg zum Flughafen meistens nicht so…

Spießig? Langweilig? Typisch Deutsch? Ja, vielleicht! Ich bin davon überzeugt, dass sich Leidenschaft immer im jeweiligen Kontext einbetten muss, um als authentisch, vertrauensvoll und gewinnend rüberzukommen. Ich habe noch keine neuen Kunden gewonnen, weil ich mir einen bunten Hut aufgesetzt habe und bei SSDSDSSWEMUGABRTLAD, DSDS & Co. auf dem Treppchen stand.

Leidenschaft bedeutet für mich nicht unbedingt “verrückt” sein, sondern z.B.

  • Erreichbar sein, wenn niemand sonst erreichbar ist
  • Weniger abzurechnen, als ursprünglich vereinbart
  • Kleine Aufmerksamkeiten (Schoki) anzubieten
  • Schneller zu sein, als geplant
  • Neue Ideen zu liefern, statt alte Hüte aufzutragen

Insofern fänd’ ich es – um mal beim Beispiel Taxi zu bleiben – besser, wenn ich am Ende weniger bezahlen müsste, als auf dem Taxameter steht oder wenn auf dem Rücksitz aktuelle Magazine und die Tageszeitung liegen würde oder wenn ich Bonbons, Erfrischungsgetränke oder Taschentücher bekomme. Irgendwo habe ich von einem serviceorientierten Taxifahrer neulich gelesen, kann mich aber nicht erinnern, wo das stand… (Wer’s weiß, bitte Kommentar!)

Mein Fazit: Leidenschaft allein macht den Kohl in meinen Augen nicht fett. Leidenschaft muss immer kombiniert sein mit echten Bedürfnissen, mit den kulturellen Ansprüchen bzw. einer speziellen Zielgruppe (Elvis-Fans aus Deutschland würden sicher ausschließlich beim rockenden Gemüsehändler einkaufen…) oder auch mit einem professionellen Erscheinungsbild. Was nützt mir der witzige Verkäufer, wenn das Gemüse schrumpelig ist oder ich am Fußboden festklebe. In diesem Sinne: Mit Leidenschaft & Verstand ins Abenteuer Neukunden-Gewinnung!

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