Hundsgemeine Fax-Abzocke


Geschrieben am Dienstag, 03. Juli 2007 von Thomas Kilian

Heute Nacht flattert mir eine Sauerei per Fax in die Agentur: Die “Data Media Verlagsges. Ltd.” aus Egeln schickt mir einen “Eintragungsantrag” und bittet mich, meine Firmendaten zu überprüfen und den Auftrag spätestens bis 16.7. zu übermitteln, um einen Eintrag im Branchenbuch-Deutschland-24 zu erhalten.

Wichtig! Ergänzen Sie unbedingt Telefon- und Faxnummer!

Ich befürchte, dass sich viele Selbständige und Klein-Unternehmer freuen, ihre Firma in einem “deutschlandweiten” Branchenbuch wiederzufinden und den Wisch einfach unterschreiben und zurückfaxen. Die Liste der Betriebe auf der Website lässt darauf schließen, dass bereits etliche auf die Abzocke reingefallen sind.

Liest man nämlich die “Hinweise”, so stellt sich heraus, wieso eine Antwort “unbedingt bis 16.7″ erfolgen soll: 877,00 € zuzügl. MwSt. kostet der Spaß für ein Jahr und hat eine Laufzeit von zwei Jahren, bis er gekündigt werden kann. Dafür gibt es schon eine neue Adobe Creative Suite, einen schicken Laptop oder einen Plasma-Fernseher – zumal die Eintragung keinerlei Nutzen für die Unternehmen verspricht: Denn wer geht denn schon auf die Website “Branchenbuch-Deutschland-24″, um dort nach Firmen zu suchen?

Ich halte diese Art von Faxen und/oder Werbebriefen für eine absolute Frechheit. Die Formulierungen lassen darauf schließen, dass das Schreiben rechtlich geprüft worden ist. Ein 14-tägiges Rückgaberecht wird eingeräumt, der Geschäftsführer Svetlan Stoyanov bekennt sich ebenfalls zur Fax-Abzocke zu seinem Schreiben und es wird mehrfach auf die Website sowie die AGB’s des fadenscheinigen Unternehmens hingewiesen. Alles legal, wie es scheint.

Aber das reicht mir nicht! “Neukunden-Gewinnung” heißt nicht Neukunden-Überrumpelung oder Neukunden-Belästigung! Wenn ich – ob in diesem Weblog oder in meiner Agenturarbeit – davon spreche, dass ich Unternehmen helfe, neue Kunden zu gewinnen, gibt es keine Abzocke!

Mein Ziel ist es, Unternehmen anziehend zu machen, so dass Kunden gerne eine Geschäftsbeziehung eingehen und auf Dauer festigen möchten. Dazu gehört ein gutes Angebot (kein 877-Euro-Nepper-Schlepper-Bauernfänger-Paket), eine professionelle Außendarstellung und begeisternde Werbung. – Das lässt sich zum Beispiel mit dem Werben um eine schöne Frau (oder einen Mann) vergleichen. Was stellen wir nicht alles auf die Beine, um das Herz unserer Angebeteten zu gewinnen? Oder haben Sie schon mal einen Heiratsantrag per Fax erhalten?

Verwandte Artikel:
6 KOMMENTAR(E)
zum Beitrag “Hundsgemeine Fax-Abzocke”
Hans Joachim Faber
Am 5. Juli 2007 um 14:25 Uhr

Naja, so ganz legal ist die Sache ja nun auch nicht – zum Glück ist Werbung per Telefax noch immer unzulässig und begründet einen gerichtlich durchsetzbaren Unterlassungsanspruch.

Aber was beschweren Sie sich eigentlich im Namen der “Geprellten”? Immerhin haben Sie tatsächlich auf dieser Website nach Unternehmen gesucht, und ich habe das auch getan. Über Google bin ich jetzt auch bei IHnen gelandet. Das System funktioniert doch, das sollte einem schon 877 Euro wert sein… ;-)

Thomas Kilian
Am 5. Juli 2007 um 14:30 Uhr

Hallo Herr Faber – danke für Ihren Kommentar. So ganz bin ich aber nicht bei Ihnen: Ich habe auf der Seite nicht nach Unternehmen gesucht, sondern nur recherchiert, ob es tatsächlich Firmen gibt, die auf den Schwindel hereinfallen (und die gibt es, in der Tat). Halten Sie 877 € nicht für eine ziemlich große Investition, um ein paar Besucher auf Ihre Website zu bekommen? Diesen Dienst kann ich Ihnen deutlich günstiger bieten und muss dabei nicht einmal auf das Fax zurück greifen… :-)

Hans Joachim Faber
Am 11. Oktober 2007 um 13:39 Uhr

Ich habe übrigens mittlerweile eine strafbewehrte Unterlassungserklärung von dieser Gesellschaft erhalten. Sollten Sie mir nochmal etwas zufaxen, klingelt die Kasse automatisch – aber auf der richtigen Seite.

Sebastian Schwarz
Am 19. Oktober 2007 um 08:45 Uhr

Guten Morgen,

ich halte das für Richtig, solchen “Verbrecher” möglichst schnell das Handwerk zulegen.
Warum?
Ich betreibe selbst ein Branchenverzeichnis, wir geben unheimlich viel Geld aus für unsere Kunde das die bei Google zu finden. Fax mit Kleingedrukten ist das letzte 800€
ist wucher, zumal man kaum Kundne in diesem Verzeichnis findet.
Das ist einfach eine Schande, solch eine Abzocke, wenn man bedenkt das es den ehrlichen Mitbewerben auf Grund solchen Idioten so schwer gemacht wird, etwas vernünftiges auf die Beine zustellen.

Ich hoffe das es dieses Verzeichnis bald nicht mehr gibt.

Peter Wollmer
Am 10. April 2008 um 19:27 Uhr

Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt Faber,

mit Interesse habe ich Ihre Beiträge gelesen.

Erlauben Sie mir hierzu folgende Rückfragen:

Mich würde hierzu interessieren, wie Sie denn die Kasse auf der richtigen Seite zum Klingeln bringen möchten. Ich würde mal unterstellen, daß das wegen der strafbewehrten Unterlassungserklärung erlangte Vertragsstrafeversprechen nicht freiwillig erfüllt würde. Also müßte man doch die Vertragsstrafe einklagen.

Aber wie erfolgreich wäre eine solche Klage? Ich halte es – gelinde gesagt – für sehr schwer, eine britische Private Limited Company By Shares auf Zahlung einer Vertragsstrafe zu verklagen. Vermutlich würde die Klage noch nicht einmal beim richtigen Adressaten ankommen. Selbst wenn das der Fälle wäre, würde die Ltd. wahrscheinlich schneller erlöschen, als die Zustellungsnachricht bei Gericht landet. Dann wiederum bliebe doch aber der Kläger auf den Gerichts- und Rechtsanwaltskosten sitzen!? Ironischerweise würde dann trotzdem die Kasse klingeln – dann aber nicht beim Inhaber des Unterlassungsanspruchs.

Insofern ist es zwar lobenswert, daß es Unterlassungs- und Schadensersatzansprüche gibt. Wenn sich diese aber nicht durchsetzen lassen, zahlt man (als derjenige, der seine Rechte geltend macht) doch nur drauf. Oder?

Beste Grüße

P. Wollmer

Rechtsanwalt Stefan Richter
Am 21. August 2009 um 14:10 Uhr

Erfolgreiches Vorgehen gegen belästigende Werbung ist durchaus möglich, wenn man sich auskennt oder sich entsprechend beraten lässt.
Die Limited ist natürlich in der Regel nur vorgeschoben und da wird nichts zu holen sein. Aber auch der dahinter stehende Director haftet persönlich (Beispiel: http://www.kanzlei-richter.com/spamabwehr-fallberichte/boesche-buettel-endgueltig-aus-dem-verkehr-gezogen.html) und auch die Haftung etwaiger weiterer Beteiligter ist denkbar.