Faire Kommunikation i.d. Neukunden-Akquise


Geschrieben am Montag, 19. Mai 2008 von Thomas Kilian

Die kleine Blogpause hat gut getan. Nach meiner Weltreise und dem erfolgreichen Unternehmerforum OWL geht es aber Mitte dieser Woche auch schon wieder ein paar Tage in den Kurzurlaub – irgendwie ist der Mai kein richtiger Monat, oder? Nun ja – trotzdem will ich heute mal wieder etwas konstruktives zu Papier bringen. Ähem — “bringen lassen” trifft es vielleicht eher. Habe neulich bei meinem Blogger-Kollegen Bernd Röthlingshöfer das “Karlsruher Manifest” gefunden, was ich für eine sehr spannende Kiste halte. Grund genug, um Bernd mal mit ein paar Fragen zu löchern:

Bernd, auf Deinem Blog habe ich gesehen, dass Du ein “Karlsruher Manifest” veröffentlicht hast – was hat es damit genau auf sich?

Das Karlsruher Manifest gibt ein paar Verhaltenstipps - man kann sie auch Regeln nennen - die eine faire Kommunikation im Wirtschaftsleben ermöglichen sollen. Im Auge hatten wir dabei vor allem die Beziehungen zwischen Unternehmen und ihren Kunden oder potentiellen Kunden. Das Manifest ist im Rahmen einer Gastvorlesung von mir an der Merkur Internationalen FH Karlsruhe entstanden. Ausgangspunkt waren die Gedanken zu Marketeasing – Sog statt Druck, Kooperation statt Penetration – also die durch das veränderte Konsumentenverhalten notwendig gewordene Neuorientierung des Marketing. 

  1. Ich respektiere mein Gegenüber.
  2. Ich bin ehrlich.
  3. Ich rede und höre zu.
  4. Ich bin freundlich, höflich und hilfsbereit.
  5. Ich nerve nicht und dränge nichts auf.
  6. Ich nutze nicht aus und zocke nicht ab.
  7. Ich bin offen für Kritik und nutze Feedback.
  8. Ich stelle kompetente Gesprächspartner zur Verfügung.
  9. Ich respektiere die Privatsphäre meines Gegenübers.
  10. Ich halte Grenzen ein.
  11. Ich pflege persönliche Beziehungen.
  12. Ich bringe jedem Wertschätzung gegenüber.
  13. Ich kommuniziere offen und transparent.
  14. Ich kommuniziere verständlich und verständnisvoll.
  15. Ich achte stets auf beidseitigen Nutzen.
  16. Ich halte meine Versprechen.
  17. Ich baue langfristige und  nachhaltige Beziehungen auf.
  18. Ich gebe Fehler zu.
  19. Ich nehme mir Zeit.
  20. Ich respektiere Individualität und kulturelle Unterschiede.
  21. Ich übernehme Verantwortung für mein Handeln.

Wie seid Ihr darauf gekommen, diese Leitsätze zu formulieren?

Die Idee hab ich zur Vorlesung mitgebracht, um mit den Studenten sowohl die Sichtweise des Marketers als auch des Umworbenen einnehmen zu können. Und natürlich kennen sich die Studenten mit der Konsumentenrolle aus. Sagen wir also: es ist aus Sicht des Konsumenten eine Wunschliste, wie man bitteschön mit ihm umgehen soll. Und die Antwort des Marketers dazu ist mein Marketeasing-Ansatz. 

Der schönen Worte gibt es viele. Worin siehst Du den praktischen Nutzen dieses Manifestes?

Wenn einige sich das ausdrucken und an die Wand pinnen, ist das schon prima. Wenn andere, wie wir drüber diskutieren ist das auch gut. Aber innerhalb der Marketing- und Werbebranche kommt der eigentliche Nutzen noch. Nämlich dann wenn wir überlegen: Moment mal, welche Konsequenzen hat das Manifest eigentlich für unsere Arbeit? Was ist mit Respekt für den Kunde gemeint? Da ist man dann schnell bei der Frage: Ist Layerwerbung respektvoll? Sind Preisauszeichnungen wie 1 Euro Flugpreis (großgedruckt) und 40 Euro Flughafengebühren (kleingedruckt) eigentlich fair zu nennen? Wer fair kommunizieren will muss dann die unfairen Methoden streichen – ganz einfach.

Ich muss jetzt aber auch mal sagen, dass ich das Manifest nicht so sehr als ethische Empfehlung sehe, sondern eher als Überlebenstipp für Unternehmen. Wenn du dich unfair verhältst, werden es dich die Konsumenten spüren lassen. Sie kaufen deine Produkte nicht, raten anderen ab, sich mit dir einzulassen, machen ihrem Ärger Luft in Blogs, Foren oder bei Bewertungsportalen. Es rächt sich heute schnell, wenn man seine Kunden über den Tisch ziehen will.

Ich finde diese Impulse von Bernd und seinen Studenten einfach klasse. Doch leider könnte ich Euch keine Geschichten wie diese, diese oder diese mehr erzählen, wenn sich alle an dieses Manifest zur fairen Kommunikation halten würden. Schade, oder?

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