Einkaufsfrust vor dem Wochenende


Geschrieben am Freitag, 14. März 2008 von Thomas Kilian

Ich hasse es, Freitag nachmittags einkaufen zu gehen. Es ist jedes Mal dasselbe: Aus allen Löchern kriechen ausgerechnet diejenigen, die sowieso den ganzen Tag Zeit haben; unsere lieben Senioren. Versteht mich nicht falsch, – ich schätze ältere Damen und Herren und will hier nicht respektlos erscheinen. Aber wieso müssen am letzten Arbeitstag der Woche ausgerechnet diejenigen ihren Einkaufswagen durch den Laden schieben, die auch an jedem anderen Tag zu jeder anderen Zeit einkaufen könnten?

Nun gut, ich will nicht weiter darauf eingehen — was mich heute Nachmittag noch mehr genervt hat, waren die “Aufräumarbeiten” der Mitarbeiter. Ich war “zu Gast” in einem Einzelhandelsgeschäft einer kleineren Kette bei uns in Ostwestfalen (nennt sich “WEZ” = Werre Einkaufs Zentrum). Von einem “Zentrum” kann eigentlich nicht die Rede sein, alles recht beschaulich, aber im Grunde gut sortiert und mit den üblichen Service-Angeboten (Wurst- und Käsetheke, Ernährungsberater, Frischeabteilung etc. pp.).

Wohlfühlen beim Einkauf – und bei der Arbeit – ist das oberste Ziel der WEZ Marktplanung und Marktgestaltung. Mit viel Licht, Grün, möglichst natürlichen Werkstoffen und angenehmen Farben sowie genügend Freiräumen und Übersichtlichkeit wird eine sympathische Atmosphäre inszeniert, die überall im Markt ihre positive Wirkung auf Kunden und Mitarbeiter ausüben soll. (…) WEZ eine neue Art des Einkaufens möglich, bei der der Kunde unmerklich geleitet wird und auf seinem Weg durch den Markt immer wieder zu neuen Zubereitungs-, Verzehr- und Gestaltungsideen für die tägliche Mahlzeit inspiriert und animiert werden soll. (Quelle)

Doch statt Service-Orientierung erfahre ich Drängelei, volle Gänge, unaufgeräumte Regale und Azubis, die mühsam damit beschäftigt sind, mir im Weg zu stehen, wenn ich etwas aus dem Regal nehmen möchte neue Artikel einzusortieren.

Am Kühlregal – ja ja, die üblichen Verdächtigen – war es dann besonders voll. Zwei Senioren und eine junge Dame von vorne, ein nervöser Herr von hinten und ich mitten drin. In all dem Trubel standen zwei WEZ-Mitarbeiter, die sich miteiander unterhielten und es nicht für nötig erachteten, für die Könige uns Gesindel Platz zu machen. Als ich mich mühsam an ihnen vorbei gekämpft hatte, sagte plötzlich die eine Mitarbeiterin: “So, ich muss dann mal weiter, der Chef läuft schon wieder die ganze Zeit durch den Laden…” Wie schön, wenn die Mitarbeiter noch Zucht und Ordnung kennen. Service-Prügel statt Service-Orientierung — Gute Nacht, Deutschland!

Nächste Woche gehe ich wieder bei ALDI, LIDL & Co. einkaufen. Da sind weniger Senioren unterwegs (gibt ja keine Käsetheke und keinen Ernährungsberater), die Preise sind günstiger kommen mir deutlich günstiger vor und ich muss keine falschen Hoffnungen in die Kundenorientierung des “Fach-Einzelhandels” setzen. Merke: Wer die Lampe hoch aufhängt, dessen Licht muss auch hell scheinen…

Verwandte Artikel:
1 KOMMENTAR(E)
zum Beitrag “Einkaufsfrust vor dem Wochenende”
Andrea Jülichs
Am 14. März 2008 um 16:38 Uhr

Hallo Thomas,

da kann ich Dir nur beipflichten. Ganze Familien treffen sich in größeren Märkten zwecks Unterhaltungsprogramm am Wochenende. Sie stehen in den Gängen, vor den Lebensmitteln, unterhalten sich und schauen Dich böse an, wenn du an die Produkte willst. Zurück kommst Du dann nicht mehr. Und wer schnell einkaufen will erntet böse Blicke und Kommentare à la: Kindchen, mach langsam….Allerdings – die Discounter sind (zumindest an der Weinstraße) teilweise teurer. Am liebsten habe ich die Kassenkontrolle: bei 28 Grad, bekleidet mit Jeans, T-Shirt und Sandalen und sonst nichts die Vermutung der Kassiererin, ich könnte die Batterien aus der leeren Packung im Wagen geklaut haben …….Freunde, Freunde