Einen Online-Shop starten – die Produktauswahl (3)


Geschrieben am Montag, 22. August 2011 von Thomas Kilian

Nach meinem Urlaub (Bootfahren in Holland, sehr schön!) geht es jetzt mit großen Schritten Richtung Online-Gang. Möchte deshalb die Blogserie “Einen Online-Shop starten” gerne fortsetzen, wo ich letztes Mal aufgehört habe. Auch wenn ich Euch noch immer nicht verrate, was wir eigentlich verkaufen, können wir trotzdem schon mal über die detaillierte Produktauswahl sprechen. Denn innerhalb einer Branche gibt es ja meistens eine Vielzahl von Artikeln, die sich verkaufen lassen. Doch welche sind die richtigen? Welche Gegenstände reißen uns die Leute aus den Händen? Was werden echte Ladenhüter bzw. “Regalhüter” sein?

Diese Fragen beschäftigten uns im Vorfeld und auch im Gespräch mit den Lieferanten sehr stark. Natürlich konnten uns die Hersteller einige Tipps geben, doch da es sich bei unserem Online-Shop um einen für die Szene recht neuen Absatzkanal handelt, liegen kaum Erfahrungswerte in dieser Hinsicht vor. Insofern mussten wir uns auch eigene Kriterien überlegen, wie wir unsere Erstbestellung gestalten.

Zum Hintergrund müsste ich vielleicht noch sagen, dass es sich bei unseren Produkten fast ausschließlich um Lagerware handelt. Das bedeutet, wir können nicht von heute auf morgen neue Artikel nachordern, sondern müssen die Ware frühzeitig bestellen, um lieferfähig zu sein. Aus Budget- und Platzgründen ist es daher für die Erstbestellung besonders wichtig, die richtigen Artikel im Programm zu haben. Ob uns die Auswahl gelungen ist, werden wir noch sehen …

Nun zu den Kriterien: Wir haben die Produkte nach Herstellern geordnet, nach Kategorien und nach Preisen. Es wird bis auf wenige Ausnahmen bei uns Produkte im Wert von 5 bis 150 Euro geben. Etwa 60 Prozent der Artikel unserer Erstbestellung haben einen Preis von 5 bis 20 Euro, etwa 30 Prozent 20 bis 60 Euro und noch mal 10 Prozent kosten im Verkauf mehr als 60 Euro. So zumindest die Planung, denn diese Einteilung ist nicht immer ganz aufgegangen und wir haben prozentual etwas mehr teurere Produkte am Lager. Dies hat auch mit den Mindestbestellmengen (Verkaufseinheiten) zu tun, die es bei den meisten Produkten gibt. Wer direkt beim Hersteller bezieht, bekommt vor allem die günstigen Artikel nicht einzeln, sondern in 3er, 5er, 10er oder 12er Einheiten. Dadurch ist auch ein günstiger Artikel von vielleicht 5 Euro mit einer Anfangsinvestition von 50 Euro verbunden.

Erstaunt hat mich, wie schnell auch bei kleinen Mengen große Summen herauskommen. “Kleinvieh macht auch Mist” und so mussten wir – leider – nach unserer anfänglichen Euphorie einiges “ausmisten”, was wir gerne sofort mit ins Programm genommen hätten. Ich kann nur jedem raten, sich vor der Produktplanung ein Budgetlimit zu setzen und konsequent einzuhalten (vielleicht noch einen Externen hinzuziehen, der ein Auge darauf hat). Denn wir hätten locker auch für die doppelte Summe auf Einkaufstour gehen können, um die Erstausstattung zu beschaffen.

Auch die Hersteller haben wir klassifiziert. Ich hatte ja schon geschrieben, dass wir einen Hauptlieferanten haben, der über eine sehr breite Palette an Produkten verfügt, sowie 2-3 weitere, spezielle Hersteller und dann noch mal 2-3 Lieferanten, bei denen wir nur einen kleinen Teil ihrer Produkte beziehen. Auch hier haben wir die Gesamtbestellung prozentual geplant – über 50 Prozent beim größten Händler, 30 Prozent bei den speziellen Händlern und zehn Prozent bei den übrigen.

Natürlich mussten wir auch auf die Produktkategorien achten, um eine ausgewogene Mischung zu bekommen. Wer nur Angeln verkauft und keine Köder im Programm hat, wird seine Zielgruppe nicht glücklich machen. Leider ist auch hier häufig der Wunsch der Vater des Gedanken. Wir hatten bei unseren ersten Recherchen über 70 Kategorien ermittelt – jetzt haben wir etwa für die Hälfte davon Produkte im Sortiment. Den Rest wollen (und werden) wir nach und nach hinzunehmen.

Der Prozess, innerhalb der Produktgruppe die erste Auswahl zu treffen, hat uns bestimmt 3-4 Wochen gekostet. Plant diesen Schritt – abhängig von Euren Produkten – unbedingt mit ein, vor allem wenn es sich um Lagerware handelt. Gleichzeitig hat diese Phase zu einer engeren Beziehung zu den Herstellern geführt, weil wir uns sehr intensiv mit ihrer Produktauswahl und mit verschiedenen Kaufkriterien auseinandergesetzt haben.

Weiter geht’s in einigen Tagen mit der Shop-Technik und der Einrichtung des virtuellen Ladengeschäfts. Dies ist zwar schon die ganze Zeit parallel gelaufen, hat sich aber immer wieder neu entwickelt und wurde zum Teil komplett über den Haufen geworfen. Ein spannendes Thema für den 4. Teil …

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4 KOMMENTAR(E)
zum Beitrag “Einen Online-Shop starten – die Produktauswahl (3)”
Jan mal wieder
Am 8. September 2011 um 19:12 Uhr

Mann, Ihr macht es aber spannend. Ich glaube interessant werden Deine Artikel dann im Nachhinein, wenn wir endlich wissen, WAS Ihr verkauft. Denn so bleibt das alles graue Theorie.

Wie auch immer: Viel Spaß mit Eurer Online-Gang. Äh: mit Eurem Online-Gang.

Thomas Kilian
Am 11. September 2011 um 15:44 Uhr

Hey Jan – da hast Du recht; es war auch für mich etwas ungewohnt, darüber zu schreiben, ohne zu viel zu verraten. Aber es sind nur noch einige Tage (wie ich hoffe), dann gehts los. In den nächsten Beiträgen lüfte ich dann auch das Geheimnis… :)

M.K.
Am 15. September 2011 um 20:32 Uhr

Ich weiß jetzt grad gar nicht, wie ich auf Ihren Blog gestoßen bin, finde ihn jedoch sehr interessant. Bei einigen Beiträgen mußte ich sehr schmunzeln – vielen Dank! (Werbebriefe)
Auch ich finde, Sie machen es mit Ihren Produkten sehr spannend und werde Sie mal bookmarken, damit ich dann auch erfahre, was Sie dann letztendlich verkaufen wollen. :-)
Nun habe ich nicht Ihren gesamten Blog gewälzt und wahrscheinlich haben Sie schon die Wahl Ihres Shop-Systems abgeschlossen – falls nicht, empfehle ich das Shop-System von Powergap mal in Erwägung zu ziehen. Wir bekommen kein Geld für diese Werbung. ;-) Und kostenlos ist das Shop-System auch nicht. ;-) Aber wenn Sie nicht 80% Ihrer Zeit mit der Shop-Administration verbringen wollen (sondern mit der Auftragsabwicklung!) und sich auch nur ansatzweise mit SEO auskennen, dann kann ich Ihnen dieses Shop-System nur empfehlen. SEO wegen der leichten Pflege im Shop und der guten Auffindbarkeit bei Google und co.
Sie haben sich ja schon reichlich mit der Suche nach geeigneten Produkten beschäftigt, aber falls ich trotzdem einen Tipp geben darf: Lagerhaltung bietet immer ein sehr großes Risiko – ok, das wissen Sie wahrscheinlich schon? Also nicht nur, dass der Voreinkauf viel Geld kostet, sondern auch die Lagerhaltung selbst. Und vom Lagern allein werden die Produkte auch nicht besser. (Man sollte doch grob ein Jahr einrechnen bis so ein Shop ans Laufen kommt, selbst wenn Sie Produkte haben, die Ihnen jeder aus der Hand reissen wird).
Nein, ich meine an dieser Stelle eigentlich das Risiko der heutigen Schnelllebigkeit (nicht nur) im Internet. Was genau ich damit meine? Z.B. wenn Sie Produkt x in rot und blau haben, können Sie davon ausgehen, dass Ihre Kunden Sie fragen, ob es das auch noch in gelb und rosa gibt (Farben beliebig ersetzbar, Hauptsache, sie ist derzeit im Produktangebot nicht erhältlich). Haben Sie die Produkte dann auch in gelb und rosa, fragt der nächste nach grün und lila. Das können Sie auch auf Größen und Formen oder sonstige Beschaffenheiten ausweiten. Haben Sie all das erfüllt, kommt der nächste und fragt, ob Sie nichts Neues im Angebot haben. Dieses Procedere nur als Beispiel und als Tipp nicht mit all zu vielen Lagerhaltungs-Produkten zu starten und sich lieber dem Markt immer mal wieder anzupassen und Ladenhüter rausschmeissen und Neuheiten aufnehmen zu können.
Ich weiß nicht, ob Sie auch das schon bedacht haben: Rücksendungen. Nicht umsonst gibt es in ausreichend Firmen ganze Reklamationsabteilungen. Bei eigener Lagerware müssen Sie das alles also allein abwickeln und verschickte Ware kommt durchaus nicht immer in einem tadellosen und weiterverkaufbaren Zustand zurück.
Aber vielleicht wissen Sie das ja auch schon alles. :-)

Ich habe mich nur gefragt, warum Sie überhaupt eine eigene Lagerhaltung bevorzugen? Die Investitionskosten sind nicht ohne, wie Sie ja grad schon festgestellt haben. Und in der heutigen Zeit gibt es doch jede Menge Hersteller, deren Ware Sie auch direkt ab Werk verkaufen können – ohne, dass Sie diese Ware vorfinanzieren müssen? Oder zumindest erst, wenn Ihnen der Kundenauftrag und seine Vorkasse schon vorliegt.
Verkauf von Produkten über eigene Lagerhaltung rechnet sich doch meist nur, wenn man sehr große Stückzahlen ein- und verkaufen kann. Aber wer kann das Hellsehen? Also müssen Sie erstmal kleine Mengen zum teuren Preis einkaufen. Ich sag Ihnen, wenn Sie dann das Beispiel mit grün und gelb erleben, macht sich schnell Frust breit und hat schon manch einen Online-Shop-Betreiber in den Ruin getrieben. (Auch Betreiber von realen Ladengeschäften…)
Ist nur meine persönliche Meinung und ich wünsche Ihnen viel Glück bei der richtigen Wahl und mit dem Start Ihres Shops! :-)

Thomas Kilian
Am 18. September 2011 um 13:03 Uhr

Danke für den ausführlichen Kommentar, auf den ich nur kurz antworten will, da sich mit dem Lüften des “Geheimnisses” einige Dinge von selbst lösen werden. Die Wahl des Shop-Systems ist auf Magento gefallen, die Entscheidung für die Lagerhaltung bewusst getroffen – dies hängt mit der Produktbeschaffenheit zusammen. Was die Farben angeht, haben wir hier sicher einen Pferdefuß, den wir aber hoffentlich durch andere Faktoren wettmachen können. Auf jeden Fall herzlichen Dank für die Impulse, sind wertvolle Hinweise für andere Shop-Interessierte dabei!

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