Die Sichtbarkeit (im Internet) erhöhen


Geschrieben am Mittwoch, 06. Februar 2008 von Thomas Kilian

In der ersten Folge der Blogserie “Kaltakquise ist keine Horrorvorstellung” gehe ich auf ein Phänomen ein, das mir bei vielen verzweifelten Akquise-Geschädigten begegnet: Sie sitzen in ihrem Homeoffice Schloss, umgeben von einem tiefen Wassergraben mit Krokodilen und Schlangen, die Zugbrücke öffnet sich Montag bis Freitag zwischen 10 und 16 Uhr (davon 1 1/2 Stunden Mittagspause) und aus dem Schornstein steigt kalter Rauch auf. Alle paar Tage ruft das Burgfräulein von den Zinnen ein zaghaftes: “Zu Hüüülfe, welcher Prinz will mich küssen?” Und der stolze Akquisekönig wundert sich, wieso ihm die Neukunden nicht die Bude einrennen.

Trutzburg gegen neue Kunden (C) pixelio.de

Wer neue Kunden braucht, muss unter das Volk: Auf den Marktplatz, mitten rein ins Getümmelt. “Sehen und gesehen werden” heißt es ja so schön. Doch wer noch keinen Namen hat, geht auch in der Masse schnell unter. Profilierung heißt das Zauberwort der Stunde, das aus einem Hänschen-Klein einen gefragten Hans-Dampf-in-allen-Gassen macht.

Mein verzweifelter Kollege aus der Medienbranche, den ich in der Einleitung dieser Blogserie schon zitiert habe, schreibt folgendes:

Woran es liegt, weiß ich nicht, entweder wirke ich auf die Kunden zu unseriös und sie sind nicht bereit mal zu testen, wie ich arbeite, weil mein Auftreten ihnen vielleicht nicht zusagt, oder ist es, wie ich über meine Website rüberkomme? Oder weil ich von zu Hause aus arbeite? Oder den falschen Kunden, der falschen Präsentation? Oder liegt es möglicherweise an meinen Preisen – zu niedrig – zu hoch?

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass mit dieser Einstellung kein Land zu erobern ist. Wir alle kennen Momente der Ausweglosigkeit, der finanziellen Abhängigkeit und Unsicherheit. Doch wer alles in Frage stellt, wer sich in sein Schneckenhaus zurückzieht und tagein tagaus grübelt, wieso neue Kunden ausbleiben, der wird aus dieser Spirale nicht herauskommen. Neuer Mut ist gefragt, – ein heißes Bad in der Wanne, eine frische Rasur, die besten Kleider anziehen und raus auf den Markt der Möglichkeiten. Was ich gut kann, das profiliert mich. Und damit trete ich (selbst)bewusst in die Öffentlichkeit.

Folgende praktische Tipps als Anregung für die ersten Schritte, um die Sichtbarkeit sinvoll und effektiv zu erhöhen:

  • Authentisch sein. Wer als Freelancer im Schlafzimmer am Heim-PC Websites bastelt, muss sich nicht als internationale Agentur verkaufen. Ich habe selbst solche Phasen hinter mir, in denen ich fünf verschiedene Emailadressen unter Kontakt angegeben habe (Zentrale, Vertrieb, Webmaster, Geschäftsführung etc.), die dann aber alle an meine @yahoo.de weitergeleitet wurden… Mein Gegenüber darf muss wissen, mit wem er es zu tun hat.
  • Persönlichkeit zeigen. Wenn ich einen Freiberufler beauftrage oder einen Termin für ein Beratungsgespräch vereinbare, dann will ich vorher sehen, mit wem ich es zu tun habe. Leider ist das nicht immer möglich. Eine Zahnarztpraxis, in der sich die Ärzte und Mitarbeiter auf der Website mit einem Foto und ihrem Namen vorstellen, wähle ich eher aus, als einen anonymen Eintrag im Branchenbuch. Dabei müssen die Fotos professionell aufgenommen sein, um sich den ersten Eindruck nicht gleich kaputt zu machen. Investition: Kleines Shooting um die 200 €, einfache Portraitfotos beim Fotografen 30-50 €. Must have!
  • Bestandskunden zu einer Schulung bzw. einem Vortrag einladen. Wer einen Gast mitbringt, erhält einen Gutschein für eine kostenfreie Service-Leistung. Dadurch werden Möglichkeiten zum Networken geschaffen, meine Kunden und solche, die es werden wollen, erleben meine Kompetenz (“Marktplatz statt Burgverlies”). Investition: Telefonate mit meinen Kunden (Warm-Akquise), Anmietung einer geeigneten Räumlichkeit (Banken, IHK, kleine Hotels oder auch Kirchengemeinden/Gemeindehäuser sind hier häufig für einen kleinen Kurs bereit, einen Tagungsraum zur Verfügung zu stellen), Getränke, Kekse.
  • Business-Netzwerke nutzen. Hier bietet wieder einmal das Internet tolle Möglichkeiten: Mein XING-Profil wird pro Woche zwischen 150 und 250 Mal von verschiedenen Personen besucht und ich kann darüber hervorragende Kontakte knüpfen. Wie vermutet, ist das Profil meines verzweifelten Lesers leider weder mit Foto, noch mit aussagekräftigen Texten versehen: “Ich suche Agenturen, Partner, Aufträge”, keine Interessen, kein beruflicher Werdegang, keine Erfahrungen, — kein Profil. Mit wem habe ich es hier zu tun? Was sind mögliche Gemeinsamkeiten? Investition: Foto (s.o.), 2 Stunden Zeit für Recherche und Verfassen aussagekräftiger Texte, ca. 6 Euro pro Monat für Premiummitgliedschaft.
  • Branchenverzeichnisse und Experten-Datenbanken. Hier gibt es eine ganze Reihe von Plattformen, in denen ich mich mit meinem Know-How eintragen und vernetzen kann. Je nach Branche gibt es natürlich gewisse Unterschiede, aber auch Datenbanken wie Brainguide oder Marktplatz Mittelstand sind hier allgemeine Anlaufstellen. Investition: Je nach Eintragsart von kostenlos bis monatlich 20-30 Euro.
  • Weblog führen. Ich bin nach wie vor absolut begeistert vom Bloggen. Habe mich lange Zeit nicht rangetraut, sondern nur auf der Ersatzbank gesessen. Doch mittlerweile wird das Neukunden-Magnet Weblog täglich von 250-300 Menschen besucht und ich konnte zahlreiche Kontakte knüpfen. Bislang ist das Blog noch kein direktes Akquise-Instrument, aber es trägt deutlich zur “digitalen Reputation” (bei Meister Eck gibt es weitere Hintergründe zu dem Thema…) bei und meine Sichtbarkeit hat sich dadurch enorm erhöht.

Diese Liste entbehrt - bewusst – jeglicher Vollständigkeit. Welche Ideen können Sie zum Thema beitragen, um die Sichtbarkeit (u.a. im Internet) zu erhöhen?

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1 KOMMENTAR(E)
zum Beitrag “Die Sichtbarkeit (im Internet) erhöhen”
Marcel Schreyer
Am 7. Februar 2008 um 13:29 Uhr

Weitere Anregungen

# XING-Gruppentreffen, andere Networking-Veranstaltungen, Vorträge und Kongresse besuchen

# lokale Partnerschaften knüpfen, in denen man sich gegenseitig empfiehlt oder gemeinsam Kunden bedient

# kostenlose Artikel/Checklisten/Tools auf der Webseite veröffentlichen und darauf aufmerksam machen

# Bestandskunden aktiv um Weiterempfehlungen bitten

# möglichst viele Blogs anderer Autoren kommentieren und einen Link auf die eigene Webseite setzen ;-)

Viele Grüße von
Marcel Schreyer, dem Marktschreyer

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