Die Leiden des dummen Werbers


Geschrieben am Dienstag, 08. September 2009 von Thomas Kilian

Muss zugeben, dass ich – trotz meines Germanistik-Studiums – nicht wirklich viel mit unserem Goethe anfangen kann, insofern ist die Phrasenschwein-Überschrift nur der plumpe Versuch, Euch auf den nachfolgenden Artikel aufmerksam zu machen, in dem ich Euch (hey, das wird ein langer Schachtelsatz, Thomas Mann, und wie sie alle heißen, hätten ihre wahre Freude daran gehabt…!) von den Leiden des dummen Werbers, und damit übertreibe ich wahrhaftig nicht, erzählen möchte.

Der dumme Werber bin ich. Und vielleicht bist Du es auch. Wer weiß?

Wer nichts wird, wird Wirt – und wer nicht wirbt, der stirbt. Soweit reicht das theoretische Basiswissen über die Notwendigkeit der Neukunden-Akquise. Und sie macht auch vor der Zunft der Werber nicht halt. Schließlich sind wir alle nur Menschen und sehnen uns nach Chancen, Verkäufen, neuen Kunden. Wer dann auch noch mit Auftrag droht, wird von Kopf bis Fuß in Watte gepackt und wie ein König behandelt.

Doch was ich in den vergangenen Monaten immer und immer wieder erleben muss, stinkt gewaltig zum Himmel. Es nervt mich mittlerweile schier unendlich, solche Anfragen zu erhalten:

Hallo, ich bin auf der Suche nach jemanden, der mir ein Design für meinen Shop entwirft und dieses dann auch gleich umsetzt. Könnten Sie mir kurz sagen, wie viel das etwa bei Ihnen kosten würde?

Guten Tag, ich betreibe seit einiger Zeit eine Pension in Neuruppin und möchte jetzt diese auch im Internet bekannt machen. Können Sie mir ein Preis Angebot machen.

Sehr geehrte Damen und Herren, ich habe eine Ehe- und Lebensberatung, dazu besitze ich eine Internetpräsenz: www.xyz.de. Da diese Seite schon etwas veraltet ist, bitte ich einen Kostenvoranschlag für die Neugestaltung der Seite und vor allem auch der Suchmaschinenoptimierung.

Sehr geehrte Damen und Herren, ich betreibe ein Nagelsudio und möchte mich über eine Internet-Präsentation informieren. Könnten Sie mir Preise dazu senden?

Früher, ja früher hätte ich sofort ein Angebot erstellt. Das mache ich heute nicht mehr. Zu viele bittere Tränen musste ich vergießen – herausgekommen ist bei Angeboten auf solche Anfragen nämlich bislang nie was.

Meine – sehr freundliche – Antwort per E-Mail (eine Signatur, Telefonnummer oder anderweitige Kontaktinformation als eine elektronische Adresse á la eumelbaer24@gmx.de findet sich nämlich nur äußerst selten):

Sehr geehrter Herr Mustermann,
vielen Dank für Ihre Anfrage bezüglich der Erstellung einer Website (o.ä.). Sehr gerne würde ich dazu mit Ihnen ins Gespräch kommen. Wie kann ich Sie telefonisch erreichen? Mir ist sehr daran gelegen, Ihnen eine konkrete Auskunft geben zu können, so dass ich zuvor noch einige Angaben von Ihnen benötige. Bitte lassen Sie uns doch einen Telefontermin vereinbaren. Ich freue mich, wieder von Ihnen zu hören!
Herzliche Grüße, Thomas Kilian#

So oder so ähnlich also meine E-Mailantwort. Was dann passiert?

Ihr ahnt es sicher schon.

Es passiert …

NICHTS!

Und ich will Euch auch sagen, was das bedeutet:

ES NERVT!

Ich bin mittlerweile soweit, auf Anfragen per E-Mail, die keine personalisierte Begrüßung und/oder eine Signatur haben, gar nicht mehr zu reagieren. Ich finde eine solche Anfrage einfach nur zum Kotzen unverschämt. Wir Werber sind doch auch nur Menschen! Habt Mitleid mit uns!

Ihr gebt uns das Gefühl, dass unsere Akquise-Bemühungen erfolgreich sind. Eine Anfrage per E-Mail, ein zaghafter Anruf lösen bei uns Glücksgefühle aus. Das Neukunden-Adrenalin steigt ins uns hoch. Wir springen an die Decke und … fallen am Ende umso tiefer. Es ist zum Heulen! Was muss ich auch so ein dummer Werber* sein?

*Lässt sich sicher auch hervorragend mit Rechtsanwalt, Zahnarzt, Trainer, Coach, Programmierer, Freelancer, Maler, Dachdecker, Fotografen, Steuerberater, Kosmetiker … ersetzen, oder?

Update: Nach einigen Feedbacks meiner Leser sei noch ein Hinweis für potentielle Kunden unserer Internetagentur erlaubt, die vielleicht zufällig über diesen Blogbeitrag stolpern: Lassen Sie sich nicht abhalten, Ihre Anfrage zu stellen – haben Sie aber bitte dafür Verständnis, dass ein Gespräch (am Telefon oder persönlich) in den meisten Fällen unumgänglich ist, um Ihnen ein Angebot zu erstellen. Vielleicht hilft Ihnen dieser Beitrag, sich in meine/unsere Lage hineinzuversetzen. Ich freue mich, von Ihnen zu hören!

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7 KOMMENTAR(E)
zum Beitrag “Die Leiden des dummen Werbers”
Julian
Am 8. September 2009 um 20:32 Uhr

Ach,

ich hätte geantwortet:

“Sehr geehrter Herr Muster Mann, mein Preis Angebot beträgt 1.400 Euro. Ihr Um Satz wird sich in den ersten zwei Monaten verdoppeln auf 140 Euro. Insgesamt werden sie in den nächsten vier Wochen 33 Neu Kunden haben. Wenn Ihnen mein Ange Bot zusagt, können wir gern noch etwas verhandeln. Ich könnte ihnen 15 Pro Zent Nach Lass geben.”

Peter
Am 8. September 2009 um 21:23 Uhr

Die Antwortmail find ich super. Nach dem Abschicken müsste man sich selbst nur kurz blitzdingsen, damit man nicht mehr enttäuscht ist, wenn ncihts zurückkommt. Und sich freut, wenn doch was kommt.

Oder man sagt sich einfach: Soll das Nagelstudio sich doch besser die Website vom Sohn machen lassen – das Budget von 250€ wäre sowie gesprengt worden… :)

Carlos
Am 9. September 2009 um 10:43 Uhr

Genau so handhabe ich diese Emails auch. Alles andere erfordert zu viel Zeit, die man sinnvollerweise andersweitig investieren sollte.

Wirklich erstaunlich ist aber, wie wenige Menschen sich trauen, telefonisch in Kontakt zu treten. Schliesslich wollten diese ja zumindest mal eine Preisvorstellung bekommen…

Fritz Neuberg
Am 9. September 2009 um 18:46 Uhr

Ich kann Herrn Kilians Frust sehr gut nachvollziehen. Und hier drückt jemand offen und ehrlich den Ärger aus, den vielleicht andere ebenso empfinden. Wer eine kleinere Argentur hat und auf seine Kosten achten muss, für den ist jede Minute wertvoll.

Trotzdem wäre ich vorsichtig. Denn es könnte passieren – wenn ein möglicher Kunde diesen Blog liest -, dass beim Kunden die Message ankommst “Du gehst mir mächtig auf die Nerven mit deiner Fragerei”. Wäre ich ein möglicher Kunde, würde ich mich als Kunde ärgern und diese Agentur von der Liste streichen. Wer volle Auftragsbücher hat, dem mag dies nichts ausmachen. Wenn er sie hat …

Gerade Kunden, die kleinere oder Kleinstbetriebe haben, werden sich unter Umständen in ihrem Geschäftsgebahren nicht so professionell verhalten, wie eine große Firma (Obwohl auch ich schon das Gegenteil erlebt habe).

Ich denke, dass manchen Kunden nicht bewußt ist, was ihre Anfrage bedeutet. Für sie ist eine “ganz normale, emotionslose” Sache. Für die werbende Firma sieht es aber ganz anders aus. Für sie steckt eine Menge Emotion dahinter, denn sie braucht (dringend) Kunden, sie braucht echte Kunden.

Dies muss man dem Kunden kommunizieren. Die Antwort von Herrn Kilian auf unklare Anfragen empfinde ich deshalb als sehr empfehlenswert und positiv. Wenn ich aber mit der Message “mir stinkt das zum Himmel” komme, könnte das ein “Schuss ins eigene Knie” sein.

Thomas Kilian
Am 9. September 2009 um 19:27 Uhr

Hallo zusammen, vielen Dank für Eure Kommentare!

@Julian: Nein, darum geht es mir ja nicht. Da ich mein Gegenüber ja nicht kenne, möchte ich nicht sarkastisch antworten – es ärgert mich nur immer, wenn dann gar nichts mehr kommt…

@Peter: Blitzdingsen – sehr geil! In der Tat hast Du recht, dass die meisten solcher Anfragen ohnehin kein/kaum Budget haben und bei einer Agentur vielleicht nicht den passenden Topf finden.

@Carlos: Interessant ist, dass Du auf Deiner Website sogar eine “Unverbindliches Angebot erstellen” – Funktion hast. Das finde ich mutig, lädt es doch genau zu solchen Anfragen ein. Wir haben deshalb immer ein “unverbindliches und kostenfreies Erst-GESPRÄCH” kommuniziert, denn ohne Kommunikation geht es m.E. nach nicht.

@Fritz: Guter Gedanke, was passiert, wenn mögliche Kunden diesen Blogeintrag lesen, die genau so vorgehen würden wie diejenigen, die mich ärgern?

Mir geht es aber gar nicht um die Anfrage als solche, damit kann ich gut leben – deshalb gibt’s ja auch eine sachliche und freundliche Antwort. Was mich nervt ist, dass sie sich nie wieder melden. Das zeugt doch von mangelnder Sozialkompetenz.

Wenn ich Angebote einhole, dann melde ich mich wenigstens noch mal kurz und sage ab, wenn ich es mir anders überlegt habe. Mal ein anderes Beispiel:

Ich gehe in ein Ladengeschäft und werde angesprochen, ob mir weitergeholfen werden könnte. Anstatt zu antworten, verlasse ich auf der Stelle den Laden. Wie wird sich der Verkäufer wohl vorkommen? Ein höfliches “Vielen Dank, ich schaue mich erstmal nur um” ist doch wohl das Mindeste.

Trotzdem danke für den Hinweis, keine möglichen Kunden zu verprellen – ich baue dafür gleich noch einen Absatz ein. Schöne Grüße, Thomas#

Jana
Am 14. September 2009 um 23:06 Uhr

Ich kann Sie gut verstehen. Auch ich habe schon solche Dinge erlebt. Am schlimmsten sind die, die alles umsonst haben wollen. Leider kenne ich aber auch die andere Seite. Wenn man auf der Suche nach einem Dienstleister ist und von 10 Anfragen nur eine Antwort bekommt oder gar keine…
Ich gehöre übrigens zu den Leuten, die bei einem Dienstleister anrufen. Diese Erlebnisse könnten etliche Blogartikel füllen. Da sie aber negativ sind, würden sie nur andere frustrieren… Daher stellt sich für mich die Frage: wie kommen Dienstleister und Kunde glücklich zusammen?

Thomas Kilian
Am 15. September 2009 um 20:38 Uhr

Hi Jana, vielen Dank für Ihre Nachricht – das klingt ja spannend! Wären Sie bereit, mir einen Gastartikel zu Ihren Erfahrungen zu schreiben? Würde diesen sehr gerne im Neukunden-Magnet Weblog veröffentlichen! Auch wenn es negative Erfahrungen sind, lassen sie “uns Dienstleister” doch lernen, wie wir uns besser auf unsere Kunden einstellen können. Denn was hilft “Frust auf beiden Seiten”? Wäre nett, wenn Sie mir dazu eine E-Mail an Info(at)Thoxan(Pkt)com senden (bzw. hier im Blog einfach unter “Kontakt” eine direkte Nachricht schicken), dann stimmen wir alles weitere ab. Schönen Gruß, Thomas Kilian#