Der ganz normale Agenturwahnsinn


Geschrieben am Dienstag, 06. Mai 2008 von Thomas Kilian

Derzeit erlebe ich mal wieder den ganz normalen Agenturwahnsinn. Ein Freund von mir schrieb gestern: “Thomas, in der Ruhe liegt die Kraft” — aber scheinbar liegt die Kraft für mich eher in der Schnelligkeit. Je schneller sich manche Projekte abarbeiten lassen, desto mehr “Flow” habe ich.

Schnelligkeit war für mich schon immer eine wichtige Sache. Ich hasse es, hinter Schnarchnasen fahren zu müssen, verzweifle in jedem Supermarkt, wenn ich mal wieder die kürzeste und dennoch langsamste Schlange an der Kasse erwischt habe und kann es nur sehr schwer aushalten, wenn andere gefühlte Monate für Dinge benötigen, die ich in einer halben Stunde erledigt hätte… Thema Ungeduld ist im Hause Kilian auch so eine Sache…

Habe mir überlegt, wo und warum Schnelligkeit in der Neukunden-Akquise und im Berufsleben wichtig sein könnte. Dabei sind mir einige Punkte aus der eigenen Berufspraxis eingefallen:

  • Akquise ist ja für viele ein leidiges Thema, das mal eben “fix fix” nebenbei erledigt wird. Ich habe erlebt, dass diese schnelle Nummer auch schnell nach hinten losgehen kann. Mal eben ein paar Emails an potentielle Kunden verschickt und schon gibt’s Ärger. Ähnliches gilt für unvorbereitete Telefonate, überstürzte Anzeigenentwürfe (Redaktionsschluss ist mal wieder vorgestern) und andere Werbemaßnahmen, die nur aus der Hüfte geschossen werden. Auch wenn ich ein Fan von schneller Umsetzung bin, ist die wichtige Grundlage sorgfältige Planung, Konzeption und ein Strategie, nach der ich bewusst vorgehe. Schnelligkeit heißt nicht “Schnellschüsse”.
  • Gute Erfahrungen habe ich hingegen damit gemacht, auf Anfragen schnell und zuverlässig zu reagieren. Wenn jemand mit mir einen Termin vereinbart oder ein Angebot für eine Dienstleistung benötigt, dann sage ich die Antwort für ein bestimmtes Datum zu und halte mich daran. Wer sich wochenlang nicht rührt und nur auf wiederholte Nachfrage reagiert, schießt sich ein Eigentor.
  • Manche Kunden sind überrascht, wenn Sie innerhalb weniger Stunden eine für sie komplexe Leistung erhalten, reagieren aber mit Unverständnis, wenn für sie scheinbar leichte Angelegenheiten mehrere Tage brauchen. Bestes Beispiel sind Logo-Entwürfe. Es ist für viele nicht verständlich, wieso ein “Quadrat mit etwas Schrift darunter” zwei Tage Arbeit kosten kann (und bei entsprechender Nutzung auch eine Stange Geld kostet). Ähnlich wie bei Edison mit den Glühbirnen vergessen viele die 1000 Entwürfe, die in Rundablage “P” gelandet sind. Doch noch erstaunter sind die Kunden, wenn nun mit selbigem Logo innerhalb eines Nachmittags ein kompletter Flyer gestaltet und getextet ist. Schnelligkeit kann beeindrucken, kann aber auch dazu führen, dass die Erwartungen beim nächsten Mal gestiegen sind. Hier ist es wichtig, seine Leistungen transparent zu machen und mit den Kunden (sofern sie es denn wollen) auch über den Arbeitsumfang ins Gespräch zu kommen. Auch Festpreise können im Verkaufsgespräch den entscheidenden Ausschlag geben.
  • Schnelle Kommunikation ist für mich ein weiteres wichtiges Thema. Ich verschicke Angebote mittlerweile sehr häufig per Email. Ich chatte mit meinen Kunden per Skype oder ICQ. Ich schreibe kurze Nachrichten in XING. Ich hänge stundenlang am Telefon (häufig, während ich twittere und gerade per Skype Dateien verschicke oder ein Fax lese). Wer nicht oder nur schwer erreichbar ist, braucht sich um ausbleibende Kunden keine Sorgen zu machen. Sie bleiben von ganz alleine.
  • Schnelligkeit hat für mich auch zu tun mit Flexibilität. “Flyer in DIN A5 ist doch nicht das Mittel der Wahl? Okay, neue Entwürfe in DIN lang kommen in einer Stunde.” Wer Kunden zuvorkommend behandelt und ihnen in kurzer Zeit Alternativen bieten kann, der erntet weitere Aufträge. Denn niemand hat Lust, sich wochenlang mit der Erstellung von (in meinem Fall) Drucksachen oder einer Website zu beschäftigen. Die nervigsten Projekte sind für mich (und eigentlich für alle Beteiligten) diejenigen, die sich über mehrere Monate hinziehen wie ein Kaugummi, weil immer der Eine auf den Anderen warten muss. Das Aufteilen in Meilensteine und Projektschritte ist eine gute Lösung, aber auch feste Spielregeln über Abgabetermine und Konventionen sind möglich. Manchmal gehört dazu etwas Mut (gerade für mich als Neuling war das damals schwierig, auch mal “Nein” zu sagen), aber es lohnt sich. Denn auch das ermöglicht Schnelligkeit: Freiräume für Kreativität, positive Energie und letztlich Erfolg.

Und jetzt schreib ich mal ganz schnell den Newsletter für morgen…

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3 KOMMENTAR(E)
zum Beitrag “Der ganz normale Agenturwahnsinn”
Andrea Jülichs
Am 7. Mai 2008 um 09:27 Uhr

Mein Fazit zu Deinem sehr guten Beitrag: Schnelligkeit dort zu leben, wo sie notwendig und sinnvoll ist. Also in der Kundenfokussierung so schnell wie möglich zu reagieren und so langsam wie qualitativ nötig. Geschwindigkeit ja, Oberflächlichkeit nein. Wie so vieles ist das eine Frage der Dosierung – und Erfahrung. Für mich unwichtige Dinge (wie auch das Einkaufen) dürfen nur so wenig Zeit wie möglich in Anspruch nehmen.

Gruss Andrea

Mario
Am 7. Mai 2008 um 13:01 Uhr

Bei der ganzen Schnelligkeit muss aber auch darauf geachtet werden, dass der Motor nicht verschleißt.

Aber mal ehrlich Thomas – Twitter, ICQ, Skype, Xing – ein wesentliches Kommunikationselemt oder Zeitfresser?
Das sind für mich oft Orte für “Flowverluste”.

Gruß aus Köln,
Mario

Thomas Kilian
Am 7. Mai 2008 um 13:10 Uhr

Hi Mario – das schöne an diesen Messaging-Systemen ist doch, dass ich antworten kann, wenn ich gerade Zeit habe. D.h. anders als beim Telefon ist es keine synchrone Kommunikation, sondern kann zeitlich unabhängig erfolgen. Wenn ich konzentriert arbeiten will, dann mache ich die Tür zu, schalte das Telefon leise und lasse Skype, Skype sein. Aber da ich tagsüber häufig sowieso mehr kommuniziere, als mich konzentrierten Aufgaben zu widmen, ist es für mich das beste Mittel zum Zweck… :) CU Thomas#