Wie versprochen, will ich die Entspammungs-Blogserie hier im Neukunden-Magnet gerne fortsetzen und habe für diese Woche einen Fall für Euch, der leicht einen “interkontinentalen Disput” hätte hervorrufen können. Wollte schon zum roten Telefon greifen, aber zum Glück hat die SPAM-Welle aus den USA dann doch recht schnell aufgehört und so kann ich jetzt mein Wochenende genießen.
Aber zurück zum Anfang der Geschichte — erhalte vor zwei Wochen eine Email aus den Vereinigten Staaten von einem gewissen “XYZ *” (“This page is under construction” und damit höchst seriös). Der gute Mann preist Übersetzungsleistungen Deutsch-Englisch an und will auf diesem Wege mit “Dear Thoxan” in Kontakt treten:
Dear Thoxan, I would like to express an interest in working for you as your German>English translation agency. I am a lifelong speaker of American English, but have also done extensive translation work into British English. I was an honor student in college and have a Bachelor’s Degree and a Master’s Degree in German. I also spent a year in college as an exchange student in Giessen, Germany.
Grundsätzlich ja ein verständliches Anliegen, wobei es wieder einmal mehr um die Bullenschau (“Mein Studium, meine Sprache, mein Degree”) geht, als um den Nutzen für mich. Seiner ausführlichen Selbstdarstellung folgt die Bitte, seine Email an weitere Interessenten weiterzuspammen. Nun gut, die Email kommt in den Ordner “Bei Bedarf” und rutscht damit in meiner momentanen Wahrnehmung in Richtung Nirwana.
Ganz plötzlich werde ich letzte Woche aus meinem Dämmerzustand gerissen. Da rutscht doch die gleiche Mail (“Dear Thoxan” – you know?) erneut in meinen Posteingang. Einmaliger SPAM ist ja noch ganz okay, aber die doppelte Ladung an unpersönlicher und selbstdarstellerischer Sprachverirrung wird mir zuviel. Mit meiner Entspammungsserie im Hinterkopf fliegen schnell die Tasten:
Hallo Herr XYZ, wenn Sie so gut deutsch sprechen und übersetzen können, wieso schaffen Sie es dann nicht
a) mich persönlich anzusprechen?
b) die Bewerbung auf deutsch zu verfassen?
c) es bei einer SPAM-Email zu belassen, wenn ich mich nicht melde?
Macht keinen guten Eindruck Ihre Anfrage, die ich eigentlich unter “Mal sehen” abgelegt hatte und jetzt lieber in den Papierkorb schiebe.
Ach, das war wieder herrlich entspammend! Doch zu früh gefreut! — 14.28 Minuten später (!) landet die Antwort aus den USA in meinem elektronischen Briefkasten:
Actually, I like to prove that I can speak English. Warum soll ich auf deutsch sprechen? Koennen Sie kein Englisch? Haben Sie keine Bildung? Sicherlich nicht. Actually, you seem like a mean-spirited idiot. I’m sorry I wasted MY time. I’m committed to building my business even if you are lazy and aren’t.
Das nenne ich mal eine breite Offensive. Erinnert mich irgendwie an den Menschen, der derzeit die Geschicke der westlichen Weltmacht leitet und in seiner Kindheit wohl zuviel Räuber & Indianer gespielt hat. Als “mean-spirited idiot” hat mich noch niemand bezeichnet, kann ich doch keiner Fliege was zuleide tun. Und ehe ich noch ungläubig den Kopf schütteln kann, folgt in einer zweiten Email sechs Minuten später schon der nächste Angriff aus Manhattan:
For your information, people who translate do so into their native language. So it isn’t necessarily for me to speak flawless German. Perhaps you can write me back in English so I can laugh at your awful English?
Für mich stellt sich die Frage, was genau er mit “awful” meint? Wenn es um Genauigkeit und Muttersprachlichkeit geht, so darf Herr XYZ mich gerne in die Tasche stecken – doch bei der Frage nach Respekt und Anstand, hat der gute Mann in der “Elementary School” wohl nicht gut genug aufgepasst. Mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass die Bespammung ja nicht von mir ausging…
“XYZ, stell Dich an die Tafel und schreib 20 Mal ‘Ich soll keinen Spam versenden und wenn ich es doch tue, dann muss ich mich besser benehmen’…” — oder ander gesagt:
Actually, you wasted MY time… and I just don’t like to be bothered via email in a manner that shows no respect at all. Also verlassen Sie jetzt bitte mein Postfach und gehen Sie mir nicht länger auf die Nerven mit Ihren Albernheiten.
Und dann war Ruhe. Endlich. Noch einmal die ENTF-Taste gedrückt, auf “Herunterfahren” geklickt, Lüfter geht aus, Stecker ziehen. Das Wochenende kann kommen.
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*Update: Habe den Namen nachträglich entfernt, da dieser Beitrag bei der Google-Suche zu seinem Namen mittlerweile recht weit oben steht.
Verwandte Artikel:Dachte erst: “Auweia, der Thomas greift ja ganz schön an!” Die Antwort aus den USA war dann aber wirklich ein Knaller! Nicht ärgern, Wochenende machen!
Hi Peter, nice to hear I am not the only one who is thinking about the “red telephone”. Thanks for your comment. Greetings, Thomas#
XYZ shocked me as well: I tried him first with a job he did well. Then sent him 2 PDFs to translate. Copy/pasted the text (in various colors) into Word to make it easier for him. Got the first (short) translation back from him. He said some invisble (white) text had appeared during the spellcheck. Then I turned all the text in the (big) second one black for him. Result: “Look, I’m sorry, but I’m not redoing all the work that I just did. Just find someone else for the job”. Thought he was joking (he only just sent the first translation) so waited until the deadline: nothing came. Mailed him (how are you getting on?): silence. Result: I nearly lost the client, plus a lot of weekend work for me. Mailed him “Thanks…explanation?. Got the following reply: “I TOLD YOU YESTERDAY THAT I WASN’T DOING THE TRANSLATION WHEN YOU DIDN’T PROVIDE IT IN THE CORRECT FORM. I WASN’T GOING BACK AND DOING IT OVER AGAIN. YOU’VE ALREADY DONE INCREDIBLY STUPID THINGS LIKE CALLING ME EARLY IN THE MORNING TWICE AND IDIOTIC THINGS LIKE THAT. I’VE DECIDED I DON’T WANT TO WORK WITH STUPID PEOPLE ANYMORE-THAT WOULD BE YOU.”
Today I asked him to do a complicated Patentschrift: no reply at all. Nearly finished it myself now…
I think this guy has a personal problem and needs help.
Thomas – Es tut mir leid, dass einer, der seit acht Jahren versucht sich als Übersetzer zu etablieren, so rüpelhaft angestellt hat. Es fehlt einfach an Bildung und Intelligenz.
Peter – I’m very surprised that he did a job well for you. I’ve known him as a translator for eight years and have experienced him only as an inarticulate and lazy thickwit, whose English writing skills are on the level of a high school lout. Mr. XYZ should want to prove that he can WRITE English and communicate intelligently and civilly. Clients aren’t interested in how well he can speak English. A few years ago he gave a translation agency the lowest possible rating, saying “They still owe me about 600 euro. They demanded a 50% discount on the last job, claiming the writing style was substandard, even though the non-native proofreader made absurdly basic grammar mistakes.”
Reply: Anyone who manages to write sentences exceeding 100 words is not a professional translator.
Speak of the Devil. I use XYZ (without naming him) often as an example of what one should not do to build one’s business. I corresponded with him occasionally for a few years as he blamed God and the world for his lack of success and libeled a client whom I know to be competent and fair. In fact, not half an hour ago, I referred to his habit of spamming agencies, which has been mentioned by a number of my customers. The man is simply impervious to good sense and good advice of any kind. I’ve never seen his work, but I’ve seen his attitude, and that is really too much. The pseudonym I’ve used for him for years is “Sad Sack Sam” because of his inability to stop moping about how unfair the world is to him.
Auweia, ja, XYZ… da kann ich mich auch noch an einige Dinge erinnern, die mich sprachlos gemacht haben. Manieren hat der Gute dann wohl wirklich nicht.
Wow, das ist ja eine gruselige Gescichte. Wir hatten vor einigen Wochen auch über so eine Situation gebloggt, und die sind beide total schlimm (und sich sehr ähnlich). In unserem Fall hatt das Verhalten des Übersetzers –Übersetzerverband sei Dank –Konsequenzen, und er bekam eine ernste Verwarnung. Ist natürlich fuer unseren Beruf gut gelaufen, dass sie dieser unseriöse Übersetzer mit einem Kunden angelegt hat, der durch uns (der auch unser hoch geschäzter Kunde in einer anderen Sprachenkombination ist) eine Verbindung zum Übersetzerverband hatte.
Bei solchen Sachen bleibt mir wirklich die Spuke weg. Es bleibt zo hoffen, dass der Arbeitsmarkt und der Ruf diese Sachen regeln, und dass unseriöse Menschen nicht zum Zug kommen und bald ausgegrenzt werden.
Ich hätte mich über diesen e-mail exchange wahrscheinlich das ganze Wochenende geärgert, freut mich, dass du das Wochenende geniessen kannst.
Übrigens würde ich auch in Erwägung ziehen, das Verhalten dieses Übersetzers bei der ATA zu melden, falls er da überhaupt Mitglied ist.
Oh Lord, I’ve been spammed by XYZ and had an unpleasant email interaction with him as a result too. Years before, I tried for hours (unsuccessfully) to explain how to attach a file in email. His reputation precedes him.
On an aside, I get a lot of spam from a certain translators’ list. People seem to pay money for it and then blindly send out emails without checking if you are an agency or what languages you work in.
Witzig, wie ein einzelner Artikel in einem thematisch passenden Weblog für neuen Schwung in dieser Diskussion sorgt – dabei war meine Entspammung schon ein paar Monate her. Aber es fühlt sich irgendwie immer noch gut an.
By the way: Die Website von XYZ ist mittlerweile online. Aber irgendwie habe ich noch immer keine rechte Lust, mit dem guten Mann ins Geschäft zu kommen…
Sehr geehrter Herr Kilian,
einen schönen guten Tag an Sie und an alle anderen, die hier bzgl. XYZ einen Kommentar geschrieben haben.
Ich wollte bloß kurz erzählen, daß auch ich von besagtem Pseudo-Übersetzer “bespammt” wurde, wie Sie es so schön formuliert haben.
Zunächst hat er die Übersetzungsagentur, für die ich in Großbritannien arbeite, mit demselben Text, den er Ihnen geschickt hat, angeschrieben. Dann hat er mir mit exakt gleichem Wortlaut an meine Privatadresse geschrieben (weiß der Geier, woher er die hatte).
Auf meine Bitte, doch bitte nur meine Arbeitsadresse zu verwenden, hat er sich nie gemeldet.
Dann, ein paar Monate später, dasselbe Spiel. Ich bat ihn also erneut, bitte nicht meine Privatadresse zu verwenden und erwähnte, daß wir ihn bereits in unsere Übersetzerdatenbank aufgenommen hatten. Daraufhin der liebe XYZ:
“Look, if you haven’t gotten me any translation jobs AFTER ALL THIS TIME, THEN YOU PROBABLY AREN’T ANYWAYS. JUST TAKE ME OUT OF YOUR DATABASE. YOU SEEM LIKE A BITCH. ”
Zunächst war ich etwas geschockt, aber dann habe ich Ihren Blog hier gefunden und war irgendwie beruhigt, daß ich nicht die Einzige zu sein scheine, an der dieser offensichtlich problembehaftete Mensch seine Unreife ausgelassen hat.
Ich bin selber Übersetzerin und kann versichern, daß DAS bestimmt keine nornmalen Arbeitsmethoden sind. Zudem scheinen mir weder sein Deutsch noch sein Englisch von geeigneter Qualität…
In diesem Sinne,
herzliche Grüße nach Ostwestfalen
Anica
Der liebe Herr XYZ verschickt immer noch dieselbe Bewerbungsmail. Als ich ihm mitteilte dass ich a) aufgrund meines Fachgebiets keine Verwendung für seine Dienste habe und b) nicht zur herrschenden Preisdrückerei beitragen möchte, indem ich mit jemandem zusammenarbeite, der einen derart niedrigen Tarif anbietet, kam eine äusserst pampige Antwort: Er verlange, was immer er wolle, und brauche meine Erlaubnis nicht. Tja, und ich hatte gedacht, er wäre wenigstens intelligent genug zu merken, dass er zu wenig verlangt… Falls er bei der “Qualität” seiner Arbeiten überhaupt Kunden findet. Seine Beispielsätze waren jedenfalls wenig beeindruckend.
Ach ja… ich sehe, dass Herr “XYZ” wohl mit seinen Bedrohungen angekommen ist
Es würde ihm wohl mehr nutzen, seine Welteinstellung nachzuadjustieren.
[...] mal keine Entspammung ZUM Wochenende, sondern AM Wochenende. Tut letzlich auch nichts zur Sache, wann genau man sich entspammt, Hauptsache ist doch, dass wir uns überhaupt entspammen, findet Ihr [...]
[...] this specific translator, I have to admit that his replies were a little, well – read for yourself: http://www.neukunden-magnet.de/das-tut-gut-entspammung-vor-dem-wochenende/ – blog post is German, sorry for [...]
[...] Wir sind ja anscheinend auch nicht die einzigen die ihren Spass mit Herrn Stelter hatten: Klick mich [...]