Vetternwirtschaft i.d. Neukunden-Akquise (III)


Geschrieben am Freitag, 06. Juni 2008 von Thomas Kilian (1 Antwort)

Nachdem wir im zweiten Teil die Frage nach guten und schlechten Vettern geklärt haben, kann ich nun im dritten und letzten Teil dieser Artikelserie endlich zur Frage kommen, wie sich die richtigen Vettern und Kusinen für die entsprechende “Kumpanei” in der Neukunden-Gewinnung finden lassen. Hier sind einige Tipps, um mit Vetternwirtschaft langfristig erfolgreich zu sein:

Zunächst einmal ist es wichtig, sich selbst in die Lage eines Absatzmittlers zu versetzen: Für wen und warum würde ich selbst gerne als “Vetter” herhalten? Hier fallen mir einige Gründe ein:

  • Ich bin mit demjenigen, den ich empfehle, auf irgendeine Weise verbunden. Thema “Familie”.
  • Ich schätze denjenigen, den ich weiterempfehle, aus persönlichen Gründen. Thema “Freundschaft”.
  • Ich schätze die Arbeit desjenigen, den ich empfehle. Thema “Kundenzufriedenheit”.
  • Ich bekomme für meine Empfehlung etwas. Thema “Belohnung und Anreize”.
  • Ich erhalte ebenfalls Empfehlungen. Thema “Eine Hand wäscht die andere”.

Nun brat mir doch einer ‘nen Storch: Da haben wir doch gleich fünf mögliche Herangehensweisen, um sich bestens mit Vettern und Kusinen zu versorgen. Auf gehts:

Familie
Seine Verwandten kann man sich nicht aussuchen. Aber aussuchen kann man sich andere Verbindungen wie bsp. Mitgliedschaft im Sportverein, Kirchengemeinde, Taubenzüchter, Bierdeckelsammler, Hundefreunde etc. Verbundenheit hat mit unterschiedlichsten Gegebenheiten zu tun: Regionalität (“Geschäfte bleiben in der Region”), Interessen, Sprache, Kultur u.v.m. Wer nach Vettern und Kusinen außerhalb seiner Verwandtschaft sucht, der findet diese leicht in Bereichen, die sich überschneiden.

Freundschaft
Schwierige Nummer im Business. Schließlich ist man aalglatt, immer seriös und lässt bloß niemanden zu nah an sich heran. Doch Freunde, wer Vettern und Kusinen will, muss auch persönliche Zugeständnisse machen und sich mal auf den anderen einlassen. Meine Erfahrung ist: Nichts geht über enge und gute Partnerschaften, aus denen sich auch Freundschaften entwickeln. Das braucht Zeit, doch hey – bei der Vetternwirtschaft gehts eben nicht im Hauruck-Verfahren. Sonst landen wir thematisch schon wieder beim Grandprix…

Kundenzufriedenheit
Funktioniert immer ganz prima: Wer von meinen Leistungen überzeugt ist, der empfiehlt mich fast automatisch weiter. Also lautet die Devise: Wer Vettern will, muss mit besten Leistungen punkten. Wer schlechten Service, mangelhafte Projektabwicklung und laaangweilige Ideen hat, braucht sich über unzufriedene Kusinen nicht zu wundern.

Belohnung und Anreize
Ich kenne mittlerweile eine Reihe von Dienstleistern, die mir gegen Provision dabei helfen, neue Kunden zu gewinnen. Ist doch ne feine Sache. Externer Vertrieb, per Telefon, persönlich, über eigene Empfehlungen… und am Ende gibt’s vielleicht 10 Prozent vom Umsatz. Aber auch ein Blumenstrauß für eine erfolgreiche Empfehlung wirkt schon oft Wunder, wenn Freunde und Bekannte meine Visitenkarte weitergegeben haben. So sind diese gleich viel mehr motiviert, mich erneut zu empfehlen. Anreize können auch Nachlässe und Gutscheine für bestehende Kunden sein, die Aufnahme in einen speziellen VIP-Club für Vettern und Kusinen u.v.m.

Eine Hand wäscht die andere
Echte Partnerschaften leben vom Geben und Nehmen. Wer immer nur selbst mit sauberen Händen durch die Weltgeschichte läuft, ohne andere zu waschen, der wird nach einiger Zeit unter deutlichem Vettern-Mangel zu leiden haben. Nicht immer muss der Austausch auf Empfehlungsebene liegen, die Gegenleistung kann (siehe Punkt 4) auch in anderer Form geschehen.

Meine Erfahrung ist, dass sich eine funktionierende Vetternwirtschaft in der Neukunden-Akquise nicht über Nacht herstellen lässt. Alles braucht seine Zeit. Dennoch kann ich aktiv vorgehen und muss nicht alles auf mich zukommen lassen. Wer sich versteckt oder keine Anreize (Leistung, Gegenleistung) für Empfehlungen bietet, der braucht sich über fehlende Verwandtschaft nicht zu wundern. In diesem Sinne: Fangt an zu klüngeln!

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Vetternwirtschaft i.d. Neukunden-Akquise (II)


Geschrieben am Montag, 02. Juni 2008 von Thomas Kilian (2 Antworten)

Meine Kritik an der Vetternwirtschaft im Grand Prix d’Eurovision de la Chanson Eurovision Song Contest 2008 scheint nicht berechtigt, sofern man diesem Beitrag meines Blogger-Kollegen Stefan Niggemeier glauben mag. Nun denn, der EINDRUCK lässt sich trotzdem nicht bestreiten. Mittlerweile 183 Kommentare zeigen, wie umstritten diese Frage ist.

Eindruck hin oder her: Unbestritten ist sicherlich, dass Vetternwirtschaft auch in der Neukunden-Akquise ein wichtiges Thema ist. Aber auch hier gehen die Meinungen auseinander. So schreibt der Marktschreyer als Antwort auf den ersten Teil folgenden Kommentar:

Zumindest ich als anspruchsvoller Dienstleister nehme nicht jeden dahergelaufenen Kunden, da bin ich wählerisch. Wenn ich aber bloß akquisatorische Vetterleswirtschaft (wie es bei uns Schwaben heißt) betreibe kann ich sicher sein, dass garantiert immer die falschen Kunden auf Empfehlung zu mir kommen. Weil sie denken müssen, ich sei wie alle anderen. Bin ich aber nicht – und genau deswegen habe ich Erfolg.

Ich finde diesen Ansatz vollkommen richtig. Aber er trifft in diesem Verständnis noch nicht ganz das, was ich unter “Vetterleswirtschaft” verstehe. Mir geht es bei der – nennen wir es mal: – positiven Klüngelei nicht um “Schmuh” oder unsaubere Geschäfte. Noch weniger meine ich mit Vetternwirtschaft jegliche Weiterempfehlung an unliebsame Kunden. Mir geht es dabei eher um ein proaktives Networking durch so genannte Absatzmittler, d.h. Personen, die von mir und meinen Leistungen so angetan sind, dass sie mich aktiv bei meinen Wunschkunden unterbringen.

Ich habe mittlerweile eine Reihe von solchen Fürsprechern, die mich immer mal wieder hier und da zu neuen Kunden führen. Da sie mich gut kennen und wir im regelmäßigen Kontakt stehen, wissen Sie, wen und was ich suche und wie sie mir am besten helfen können (natürlich auch umgekehrt). In der Akquise ist doch der große Vorteil, dass ich mir meine Vettern und Kusinen selbst aussuchen kann und nicht durch das “Hineingeboren werden” zwangsläufig mit Luigi und Toni* als Absatzmittler leben muss (*rein zufällige Männernamen…).

Sodele, zurück zum Thema: Wie finde ich nun die “richtigen Vettern und Kusinen”? Dieser Frage widme ich mich – aufgrund der eingeschobenen Begriffdefinition – im dritten Teil dieses Beitrags… habt noch ein paar Tage Geduld!

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Marketing für die “Katze im Sack”


Geschrieben am Freitag, 30. Mai 2008 von Thomas Kilian (2 Antworten)

Wer will schon gerne die sprichwörtliche “Katze im Sack” kaufen? Mein Namensvetter Thomas Scheuer aus Hannover ist in seinem Buch “Marketing für Dienstleister” genau dieser Frage nachgegangen. Heute möchte ich das Buch mit dem Untertitel “Wie Sie unsichtbare Leistungen erfolgreich vermarkten” mal genauer unter die Lupe nehmen.

“Dienstleistungen können Ihnen nicht auf die Füße fallen. Deshalb sind sie völlig anders zu vermarkten als einfache materielle Güter. (…) Wer kauft schon gerne etwas, was er nicht sieht?”

Marketing für DienstleisterVor diesem Dilemma stehen – wie ich ja auch - viele Dienstleister, die neue Kunden und letztlich neue Aufträge gewinnen wollen. Thomas Scheuer vermittelt in seinem knapp 200 Seiten starken Buch, mit welchem Mitteln unsichtbare Leistungen so sichtbar werden, dass Vertrauen aufgebaut werden kann. Er begleitet mich dabei Schritt für Schritt vom “Gefunden werden” über die Werbung, den Erstkontakt, die Erwartungshaltung der Kunden zum Vertrauensaufbau und letztlich zum Entscheidungsprozess. Doch auch der eigentlichen Umsetzung und der Kundenbindung durch ein “Sahnehäubchen” sind noch zwei Kapitel gewidmet. Denn vor allem durch den Service nach dem Verkauf lassen sich Dienstleistungskunden begeistern und zu Weiterempfehlungen ermutigen.

Was mir an dem Buch sehr gut gefällt, sind die vielen Beispiele aus der unternehmerischen Praxis. Thomas Scheuer ist bereits seit 12 Jahren in der Werbebranche tätig und hat sich auf Marketing für Dienstleister spezialisiert. Man merkt, dass er weiß, wovon er spricht. In der dritten Folge des Neukunden-Podcasts hatte ich ihn ja auch schon einmal interviewt und dabei festgestellt, dass sich die Ansätze sehr gut auf die Praxis übertragen lassen.

Auch sehr gut gefallen hat mir die “Quintessenz” am Ende jedes Kapitels, wo die wesentlichen Aussagen noch einmal zusammen gefasst werden, sowie die Checklisten mit Fragen, die ich mir als “Erledigt” oder “To-Do” notieren kann. Hier bekomme ich sofort Gelegenheit, mein eigenes unternehmerisches Handeln zu überprüfen und festzustellen, wo bei mir der größte Bedarf liegt.

“Marketing für Dienstleister” ist also ein echter Lesetipp für alle, die Katzen in Säcken verkaufen und zielgerichtet neue Kunden gewinnen wollen. Empfehlenswert ist auch das Dienstleistungsmarketing-Weblog von Thomas Scheuer, in dem er aktuelle Artikel zu dieser Thematik veröffentlicht.

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Nutzen des Elevator Pitches im Networking


Geschrieben am Dienstag, 20. Mai 2008 von Thomas Kilian (1 Antwort)

Dass sich 30 Sekunden im Fahrstuhl bestens zur Neukunden-Akquise eignen, ist ja nicht erst bekannt, seit der Kunstbegriff “Elevator Pitch” existiert. Vor einigen Wochen hatte ich in diesem Beitrag ja schon mal auf einen anderen Beitrag von Joachim Rumohr hingewiesen, in dem der Nutzen eines Elevator Pitches erläutert wird.

Nun haben wir beim dritten Netzwerktreffen des Unternehmerforums OWL in der vergangenen Woche auch den Teilnehmern die Möglichkeit gegeben, sich den anderen kurz vorzustellen. Wir haben die Fahrt im Aufzug auf 55 Sekunden verlängert, da diese Gelegenheit für viele eine ganz neue Erfahrung war. Es hat mich begeistert, wie viele sich tatsächlich “getraut” haben – die Ostwestfalen sind anscheinend gar nicht so “maulfaul”, wie alle immer sagen – und wie sich einige wirklich ins Zeug gelegt haben.

Zwei Jungs aus der Kreativbranche haben ihren Elevator Pitch mit selbst gemalten Schildern visualisiert und konnten trotz der überzogenen Zeit tosenden Applaus ernten. Andere haben sich kurz und knapp und vor allem sehr spritzig präsentiert und sind mir selbst noch nach Tagen im Gedächtnis geblieben. Vorbereitung ist alles. Wer sich spontan auf die Bühne stellt oder wie Rüdiger Hoffmann (“Ja, hallo erstmaaaal…”) in gefühlten vier Stunden einen Satz über die Lippen bringt, gerät schnell in Vergessenheit.

Aber auch das Ziel oder der Nutzen eines Elevator Pitches ist vielleicht nicht jedem klar. So erhielt ich im Nachklang zur Veranstaltung über XING eine Nachricht von einem Teilnehmer:

“… bin gespannt, ob sich jemand aufgrund meines Elevator-Pitches meldet.”

Nun ja, ob sich im Nachhinein noch Teilnehmer aufgrund eines Elevetor Pitches melden, kann ich nicht beurteilen. Sinn und Zweck ist es meiner Meinung nach zunächst, Gespräche während der Veranstaltung zu erleichtern. Wenn ich jemanden auf der Bühne gesehen habe, der mein Interesse weckt, dann spreche ich ihn hinterher eher an. Oder ich kann selbst aktiv ins Gespräch einsteigen und mich auf meinen Beitrag berufen (“Ich war der mit den Schildern” oder “Ich hatte ja schon beim Elevator Pitch erzählt, dass ich…”). Das erleichtert einfach die Kommunikation.

Eine – wie ich finde – gute Idee, ist nach dem Treffen auch noch aufgekommen: Es wäre für den besseren Überblick sinnvoll, eine Liste mit allen Elevator-Pitch-Kandidaten zu haben, auf denen in der Reihenfolge die Namen, Firmen und eine kurze Leistungsbeschreibung stehen. So kann ich die Leute noch gezielter ansprechen. Wir hatten beim Unternehmerforum 70 Teilnehmer und erwarten für die nächste Veranstaltung vielleicht noch ein paar mehr. 15 mutige Helden haben sich vorgestellt – da ist selbst mir als Organisator des Abends manchmal der Überblick verloren gegangen.

Ich selbst habe dieses Mal nicht am Elevator Pitch teilgenommen, stand ja sowieso schon genügend im Rampenlicht. Überlege aber für die nächsten Treffen, wie ich mich wohl vorstellen würde. Wie wäre es mit: “Guten Abend, mein Name ist Thomas Kilian. Ich verkaufe neue Kunden, – wer welche braucht, spricht mich an!”

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5 Wege für höhere Werbewirkung


Geschrieben am Montag, 19. Mai 2008 von Thomas Kilian (6 Antworten)

Hauptsache, die Glotze läuft. Ich schaue gerade nebenbei TV und nehme die Werbepause mal zum Anlass, aufs Klo zu gehen einen kurzen Artikel über die Wirkung von Werbung zu schreiben. Eigentlich müsste es heißen “die Nicht-Wirkung von Werbung” – denn die Spots gehen irgendwie alle an mir vorbei. Anti-Warzenmittel, irgendeine Waschmaschinen-Werbung, Joghurt mit ‘ner küssenden Kirsche (hier habe ich irgendwie den Faden verloren…). Während ich diese Themen runterschreibe, kann ich mich an weitere Spots gar nicht mehr erinnern, obwohl sicher fünf Minuten Werbung liefen. Ähnlich geht es mir beim Duchblättern einer Zeitung. Keinen Schimmer, welche Firmen in der heutigen Tageszeitung für sich geworben haben. Werbung muss wohl sehr unterschwellig wirken, wenn sich die Kiste lohnen soll.

Es gibt aber auch Ansätze, die eine viel höhrer Wirkung erzielen. Hier mal fünf Wege, um die Effektivität von Werbemaßnahmen erhöhen:

  1. Antizyklisch werben. Beeindruckt hat mich ein Werbemailing einer Baufirma, die am 2. Januar eine große Postkarte verschickt hat, die auf den Einbau von Insektenschutzgittern hingewiesen hat. Vorteile, diese Maßnahme im Winter durchzuführen, sind u.a. die gefrorenen Beete rund ums Haus — so trampeln die Handwerker nicht durch die Blumenrabatten. Für die Baufirma hat die Aktion in der kalten Jahreszeit die gewünsche Auslastung gebracht.
  2. Zielgruppen sehr fokussiert ansprechen. Mich spricht Werbung natürlich viel mehr an, wenn ich sowieso ein generelles Interesse an dem speziellen Angebot habe. Im Sommer läuft mein Handyvertrag aus und ich schaue mich derzeit nach “dem Nachfolger” um. Wenn ich Werbung mit Business-Handys sehe, dann bin ich zur Zeit natürlich viel offener dafür, als wenn ich gerade einen Vertrag abgeschlossen habe.
  3. Sauer macht lustig. Oder andersrum: Was mich zum Lachen bringt, bleibt im Gedächtnis haften. Allerdings sinkt auch hier die Schwelle an Lustigkeit exponentiell zur Häufigkeit der Werbung. Wer mich in der Werbepause wirklich zum Lachen bringen will, muss sich schon was sehr gutes einfallen lassen. Die EDEKA-Spots bilden da eine seltene Spezies…
  4. Ungewöhliche Orte. Als “Ambient Marketing” werden ja solche Aktionen bezeichnet, die sich in der Alltagswelt der Menschen einfügen, ohne als plumpe Werbung wahrgenommen zu werden. Ob als Spiegel auf der Herrentoilette, als Boden von Kaffeebechern oder in anderen alltäglichen Situationen wird Werbung eher wahrgenommen, als im werbeüblichen Kontext.
  5. Einfaches einfach einfach machen. Auch wenn ich nichts gegen intellektuelles Niveau einzuwenden habe, in der Werbung sind zu hochtrabende Um-die-Ecke-Kampagnen häufig weniger effektiv. Wer erfolgreich werben will, braucht eingängige Inhalte. Die gesunde Mitte zwischen einfallslos und einfach & prägnant ist häufig genau der Knackpunkt, mit dem Werbeagenturen ihre Käsebrötchen verdienen…

Wer hat sonst noch gute Ideen, um die Wirkung von Werbemaßnahmen zu steigern?

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Faire Kommunikation i.d. Neukunden-Akquise


Geschrieben am Montag, 19. Mai 2008 von Thomas Kilian (1 Antwort)

Die kleine Blogpause hat gut getan. Nach meiner Weltreise und dem erfolgreichen Unternehmerforum OWL geht es aber Mitte dieser Woche auch schon wieder ein paar Tage in den Kurzurlaub – irgendwie ist der Mai kein richtiger Monat, oder? Nun ja – trotzdem will ich heute mal wieder etwas konstruktives zu Papier bringen. Ähem — “bringen lassen” trifft es vielleicht eher. Habe neulich bei meinem Blogger-Kollegen Bernd Röthlingshöfer das “Karlsruher Manifest” gefunden, was ich für eine sehr spannende Kiste halte. Grund genug, um Bernd mal mit ein paar Fragen zu löchern:

Bernd, auf Deinem Blog habe ich gesehen, dass Du ein “Karlsruher Manifest” veröffentlicht hast – was hat es damit genau auf sich?

Das Karlsruher Manifest gibt ein paar Verhaltenstipps - man kann sie auch Regeln nennen - die eine faire Kommunikation im Wirtschaftsleben ermöglichen sollen. Im Auge hatten wir dabei vor allem die Beziehungen zwischen Unternehmen und ihren Kunden oder potentiellen Kunden. Das Manifest ist im Rahmen einer Gastvorlesung von mir an der Merkur Internationalen FH Karlsruhe entstanden. Ausgangspunkt waren die Gedanken zu Marketeasing – Sog statt Druck, Kooperation statt Penetration – also die durch das veränderte Konsumentenverhalten notwendig gewordene Neuorientierung des Marketing. 

  1. Ich respektiere mein Gegenüber.
  2. Ich bin ehrlich.
  3. Ich rede und höre zu.
  4. Ich bin freundlich, höflich und hilfsbereit.
  5. Ich nerve nicht und dränge nichts auf.
  6. Ich nutze nicht aus und zocke nicht ab.
  7. Ich bin offen für Kritik und nutze Feedback.
  8. Ich stelle kompetente Gesprächspartner zur Verfügung.
  9. Ich respektiere die Privatsphäre meines Gegenübers.
  10. Ich halte Grenzen ein.
  11. Ich pflege persönliche Beziehungen.
  12. Ich bringe jedem Wertschätzung gegenüber.
  13. Ich kommuniziere offen und transparent.
  14. Ich kommuniziere verständlich und verständnisvoll.
  15. Ich achte stets auf beidseitigen Nutzen.
  16. Ich halte meine Versprechen.
  17. Ich baue langfristige und  nachhaltige Beziehungen auf.
  18. Ich gebe Fehler zu.
  19. Ich nehme mir Zeit.
  20. Ich respektiere Individualität und kulturelle Unterschiede.
  21. Ich übernehme Verantwortung für mein Handeln.

Wie seid Ihr darauf gekommen, diese Leitsätze zu formulieren?

Die Idee hab ich zur Vorlesung mitgebracht, um mit den Studenten sowohl die Sichtweise des Marketers als auch des Umworbenen einnehmen zu können. Und natürlich kennen sich die Studenten mit der Konsumentenrolle aus. Sagen wir also: es ist aus Sicht des Konsumenten eine Wunschliste, wie man bitteschön mit ihm umgehen soll. Und die Antwort des Marketers dazu ist mein Marketeasing-Ansatz. 

Der schönen Worte gibt es viele. Worin siehst Du den praktischen Nutzen dieses Manifestes?

Wenn einige sich das ausdrucken und an die Wand pinnen, ist das schon prima. Wenn andere, wie wir drüber diskutieren ist das auch gut. Aber innerhalb der Marketing- und Werbebranche kommt der eigentliche Nutzen noch. Nämlich dann wenn wir überlegen: Moment mal, welche Konsequenzen hat das Manifest eigentlich für unsere Arbeit? Was ist mit Respekt für den Kunde gemeint? Da ist man dann schnell bei der Frage: Ist Layerwerbung respektvoll? Sind Preisauszeichnungen wie 1 Euro Flugpreis (großgedruckt) und 40 Euro Flughafengebühren (kleingedruckt) eigentlich fair zu nennen? Wer fair kommunizieren will muss dann die unfairen Methoden streichen – ganz einfach.

Ich muss jetzt aber auch mal sagen, dass ich das Manifest nicht so sehr als ethische Empfehlung sehe, sondern eher als Überlebenstipp für Unternehmen. Wenn du dich unfair verhältst, werden es dich die Konsumenten spüren lassen. Sie kaufen deine Produkte nicht, raten anderen ab, sich mit dir einzulassen, machen ihrem Ärger Luft in Blogs, Foren oder bei Bewertungsportalen. Es rächt sich heute schnell, wenn man seine Kunden über den Tisch ziehen will.

Ich finde diese Impulse von Bernd und seinen Studenten einfach klasse. Doch leider könnte ich Euch keine Geschichten wie diese, diese oder diese mehr erzählen, wenn sich alle an dieses Manifest zur fairen Kommunikation halten würden. Schade, oder?

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Aufgeweckte Blogpause: Neukunden-Magnet


Geschrieben am Freitag, 09. Mai 2008 von Thomas Kilian (1 Antwort)

Pfingsten steht vor der Tür. Ich freue mich auf 2-3 freie Tage, bevor es dann bis Mittwoch Abend ins Rhein-Main-Gebiet und ins Badische geht. Am Donnerstag schließt sich dann gleich das Unternehmerforum OWL an, bevor mich Freitag sicher wieder der übliche Agenturwahnsinn einholt. Aber ich will nicht klagen – im Sommer geht es dann vielleicht hierhin:

In diesem Sinne: Genießt “ganz aufgeweckt” (hihi…) die freien Tage und wir sehen, lesen, hören uns ab dem 19. Mai wieder!

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Mercateo, was habe ich Dir getan?


Geschrieben am Mittwoch, 30. April 2008 von Thomas Kilian (9 Antworten)

Bekomme heute Mittag im größten Agenturstress einen Anruf von einer 01805-Nummer. Stutze zunächst, gehe dann zögerlich dran und werde freundlich von einer geschulten Call-Center-Tante begrüßt.

“Herr Kilian, Sie sind ja Kunde bei Mercateo und haben im Frühjahr 2006 einen Einkauf bei uns getätigt. Können Sie sich daran noch erinnern?”

Mercateo? Mercateo… Mercateo…? In meinem Kopf rattert es. Keinen Schimmer – die Firma kommt mir schon bekannt vor, machen irgendwas mit Büroartikeln, Versandservice etc. Ich soll da was bestellt haben? Frühjahr 2006? Keinen Schimmer…

“Nein, erinnere mich nicht daran.”

Die Dame versucht angestrengt, mir auf die Sprünge zu helfen:

“Eine Bestellung über Klarsichthefter und Hüllen. Im Frühjahr 2006!”

Aha! Die Klarsichthefter! — Habe noch immer keinen Schimmer… *kopfschüttel*

Bevor ich noch etwas sagen kann, sagt die Dame ihr Sprüchlein auf:

“Herr Kilian, wir haben bei Mercateo jetzt ein neues Programm für unsere treuen Kunden und bieten Ihnen jetzt ein besonderes INSIDER-Programm an. Herr Kilian, klingt das interessant für Sie?”

Mir dämmert, was die Anruferin will. Als Opfer häufiger Akquiseattacken stellen sich mir bei dem Satz “Klingt das interessant für Sie?” immer sofort die Nackenhaare auf. Ganz nebenbei dämmert mir, dass ich mich als jemand, der über zwei Jahre lang bei Mercateo nichts bestellt hat und sich nicht einmal an den Erwerb von Klarsichthüllen (d.h. ein Produkt von weniger als 10 Euro…) erinnern kann, irgendwie nicht als “treuer Kunde” bezeichnen würde. Anscheinend geht es hier eher darum, alte Bestände aufzufrischen und Kunden zurückzuholen.

“Nein, das klingt für mich nicht interessant, ich habe jetzt keine Zeit und wünsche nicht, telefonisch belästigt zu werden.”

Zugegeben, manchmal bin ich am Telefon etwas schroff, — aber wer mich an einem Mittwoch vor dem langen Wochenende zur besten Arbeitszeit ungewollt anruft und mit aufgesagten Sprüchlein aus dem Call-Center-Handbuch nervt, hat es auch nicht besser verdient. Doch so leicht lässt sich die Akquisiteurin nicht abschrecken:

“Natürlich wollen wir Sie nicht belästigen, aber unser Programm bietet Ihnen viele Vorteile und stellt folgende…”

Sie verfällt in einen nicht Enden wollenden Redeschwall und zählt mir die Vorteile des Mercateo-INSIDER Programm auf. Okay, es bleibt mir keine andere Wahl. Muss ich also deutlicher werden, laut rufe ich ins Telefon, um ihren Redeschwall zu unterbrechen:

“Ich habe KEIN INTERESSE, vielen Dank!”

Ich lege auf. Fall erledigt.

Denkste!

Fünf Minuten später erhalte ich von Mercateo folgende Email:

Sehr geehrter Herr Kilian,

schön, dass Sie Interesse an unserem INSIDER-Programm haben. Mit dieser Mail ist Ihre kostenlose und unverbindliche Testphase für das INSIDER-Programm aktiviert. Sie endet automatisch am 30.05.2008. Innerhalb der Testphase haben Sie die Möglichkeit, alle Vorteile zu nutzen. Sie sind nicht zu einer Bestellung verpflichtet.

Mehr Informationen über das INSIDER-Programm und alle Vorteile finden Sie unter nachstehendem Link.

Bitte klicken Sie diesen an. Sollte das bei Ihnen nicht funktionieren (oder der Login wiederholt scheitern), kopieren Sie den Link bitte vollständig in das Eingabefeld Ihres Internet-Browsers. Das Klicken des Links ist unverbindlich und zieht keinerlei Verpflichtungen nach sich.

<Link>

Wir freuen uns, wenn wir Sie mit den Vorteilen des Insider-Programms überzeugen können.

Ihr Mercateo-Team

Mercateo, was habe ich Dir getan? Wie kann ich Dir sagen, dass meine Liebe zu Dir erloschen ist, ich mit Dir nicht am Telefon flirten will und auch keine Liebesbriefe mehr bekommen möchte? Ich mache auf diesem Wege Schluss mit Dir, wir gehen nie wieder Eis essen und verbringen auch nicht den nächsten Urlaub in Paris!

Jetzt isses raus. War ein schwerer Schritt, aber nun bin ich echt erleichtert. Und kann endlich das lange Wochenende genießen…

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Frühjahrsmüdigkeit nach dem Winterschlaf


Geschrieben am Montag, 28. April 2008 von Thomas Kilian (1 Antwort)

Nach dem Winterschlaf kommt bei vielen Akquisiteuren die große Frührjahrsmüdigkeit. Nahtlos schließt dass Sommerloch an und wenn im Herbst die bunten Blätter gefallen sind, ist der November auch schon wieder so trist, dass sich die Neukunden-Gewinnung vor dem Weihnachtsfest eh nicht mehr lohnt. Des Teufels liebstes Möbelstück ist die … “lange Bank”, genau.

Es ist schon ein schweres Los mit der Akquise.

  • Hab’ ich keine Aufträge, muss ich schnellstens Klinken putzen meine Energien bündeln, obwohl ich aufgrund der mageren Lage so demotiviert bin, dass ich gar keine Lust habe, zum Hörer zu greifen, Werbebriefe zu verfassen oder Veranstaltungen zu organisieren.
  • Hab’ ich viele Aufträge, bleibt kaum Luft, um mir über Marketing, Werbung und neue Kunden Gedanken zu machen.

Die gesunde Mitte zu finden, ist ein schwieriges Unterfangen. Was tun?

Ich bin davon überzeugt, dass die kontinuierliche Gewinnung von neuen Kunden keine Belastung, sondern ein Lebensstil ist. Akquise muss wie Zähneputzen ganz natürlich in den unternehmerischen Tagesablauf einfließen, ob ich nun viele oder wenige Aufträge habe. “An Apple a Day keeps the Doctor away” — Eine Portion Akquise am Tag, sorgt für einen langfristig konstanten Zulauf an neuen Kunden.

  • Jeden Tag 2-3 Anrufe tätigen, ein neuer Kontakt, 1-2 alte Kontakte auffrischen
  • XING-Recherche, Netzwerk ausbauen (5-10 Minuten am Tag)
  • Beiträge in Foren oder Weblogs hinterlassen und mit Menschen ins Gespräch kommen
  • Jede Woche einen meiner bestehenden Kunden mit einem netten Schreiben überraschen
  • Networking-Veranstaltungen (IHK, Unternehmerforum o.ä.) besuchen
  • (…)

Wem es gelingt, ein Jahr lang jeden Tag ein bisschen Zeit für diese Aktivitäten zu reservieren, der wird akquisitorisch ähnlich “fit” sein, wie ein Sportler, der jeden Tag seine Liegestütze und Bauchübungen macht. Ich müsste wohl auch mal wieder die Turnschuhe anziehen…

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Leidenschaft allein macht den Kohl nicht fett


Geschrieben am Dienstag, 22. April 2008 von Thomas Kilian (3 Antworten)

Keine Sorge, Burkhard — ich will Dir ja gar nicht widersprechen. Aber Deine Gedanken gerne noch ein wenig fortführen. In einem aktuellen Beitrag schreibst Du darüber, dass auch im Business Leidenschaft und Persönlichkeit gefragt sind. Ich gebe Dir recht, dass es zahlreiche Beispiele gibt, wo Menschen ihren 9-to-5-Job mit einer solchen Begeisterung ausgelebt haben, dass sie zum Neukunden-Magnet werden.

Der rockende Gemüsehändler Elvis Parsley oder der singende Taxifahrer Ricky Celdran aus Washington sind ja zwei solcher Unikate, die ihre Leidenschaft anscheinend in kreischende Fans bare Münze umwandeln können, wie auch folgender Clip anschaulich zeigt:

Doch ob diese “Powerseller” auch in unserem Kulturkreis hier in Deutschland so gut ankommen würden, muss ich schon stark anzweifeln. Auch in Japan scheint Taxi-Karaoke ja beliebt zu sein, aber ich will – wenn ich dann schon mal in einem Taxi fahre - lieber ohne viel Tam-Tam und Gequatsche von A nach B gebracht werden, möglichst sauber sitzen und möglichst wenig bezahlen. Nach Karaoke ist mir auf dem Weg zum Flughafen meistens nicht so…

Spießig? Langweilig? Typisch Deutsch? Ja, vielleicht! Ich bin davon überzeugt, dass sich Leidenschaft immer im jeweiligen Kontext einbetten muss, um als authentisch, vertrauensvoll und gewinnend rüberzukommen. Ich habe noch keine neuen Kunden gewonnen, weil ich mir einen bunten Hut aufgesetzt habe und bei SSDSDSSWEMUGABRTLAD, DSDS & Co. auf dem Treppchen stand.

Leidenschaft bedeutet für mich nicht unbedingt “verrückt” sein, sondern z.B.

  • Erreichbar sein, wenn niemand sonst erreichbar ist
  • Weniger abzurechnen, als ursprünglich vereinbart
  • Kleine Aufmerksamkeiten (Schoki) anzubieten
  • Schneller zu sein, als geplant
  • Neue Ideen zu liefern, statt alte Hüte aufzutragen

Insofern fänd’ ich es – um mal beim Beispiel Taxi zu bleiben – besser, wenn ich am Ende weniger bezahlen müsste, als auf dem Taxameter steht oder wenn auf dem Rücksitz aktuelle Magazine und die Tageszeitung liegen würde oder wenn ich Bonbons, Erfrischungsgetränke oder Taschentücher bekomme. Irgendwo habe ich von einem serviceorientierten Taxifahrer neulich gelesen, kann mich aber nicht erinnern, wo das stand… (Wer’s weiß, bitte Kommentar!)

Mein Fazit: Leidenschaft allein macht den Kohl in meinen Augen nicht fett. Leidenschaft muss immer kombiniert sein mit echten Bedürfnissen, mit den kulturellen Ansprüchen bzw. einer speziellen Zielgruppe (Elvis-Fans aus Deutschland würden sicher ausschließlich beim rockenden Gemüsehändler einkaufen…) oder auch mit einem professionellen Erscheinungsbild. Was nützt mir der witzige Verkäufer, wenn das Gemüse schrumpelig ist oder ich am Fußboden festklebe. In diesem Sinne: Mit Leidenschaft & Verstand ins Abenteuer Neukunden-Gewinnung!

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