Schon sehr lange interessiere ich mich für Virales Marketing, eine Methode der Neukunden-Gewinnung, die durch Mund-zu-Mund-Propaganda erfolgreich ist. Fast ebenso lange lese ich Weblogs und Artikel von Viral-Marketing-Experten wie Martin Oetting, der in seinem Blog “Connected Marketing” regelmäßig über diese Themen berichtet.
Ein aktueller Artikel von Martin ist mir besonders aufgefallen, weil er imho sehr kurz und anschaulich die zehn wichtigsten Erfolgsgeheimnisse für Virales Marketing beschreibt:
Der gesamte Artikel ist überaus lesenswert und zeigt auf, wo sich Kampagnen mit viralem Potential von “Blindgängern” unterscheiden. Denn nicht jede Werbemaßnahme ist für virale Effekte geeignet. Herausgreifen möchte ich vor allem die Punkte “Mehrwert” und “ist anstrengend”.
Mehrwert. In meinen Augen scheitern viele Projekte schon an dieser Grundlage. Wenn mir scheinbar nichts mehr einfällt, muss eben virales Marketing herhalten. Darth Vader lässt grüßen:
“Virales Marketing” heißt das große Zauberwort. Doch fehlt vielen Kampagnen der Mehrwert — sie sind weder wirklich lustig, noch außergewöhnlich, noch schaffen Sie einen Nutzen. “Mehr Wert” heißt doch eben, dass es ein bisschen “mehr” sein muss, als üblich. Martin Oetting weist in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass sich das Angebot leicht und interessant erzählen lassen muss. Wenn ich meinen Kumpels einen Videoclip maile, bei dem sie nur müde die Augenbrauen heben, sind die Würfel bereits gefallen: Kein Mehrwert vorhanden, Rundablage “P” - kein virales Potential.
“Ist anstrengend”. Schlägt im Grunde in die gleiche Kerbe. Die “Wunderwaffe” virales Marketing höre ich auch immer mal wieder von einem Kunden. Mit Anzeigen keine neuen Kunden gewonnen? Na, dann machen wir doch einfach mal ein bisschen virales Marketing, um die Massen zu begeistern. Dass auch eine virale Kampagne einen enormen Einsatz an Zeit, Budget und Kraft kostet, scheint an vielen vorbei gegangen zu sein.
Natürlich sind diese Werbemaßnahmen im Vergleich kostengünstiger, als teure Werbeschaltungen zur Tagesschau. Aber dafür muss ein Unternehmen für Mund-zu-Mund-Propaganda in anderen Bereichen aktiver sein: Mehr Ideen, mehr Zeit für Beziehungsaufbau bei Multiplikatoren, mehr begleitende PR, mehr Anziehungskraft aufbauen etc. Und genau diesen Weg scheuen einige Unternehmen dann wieder, die keine kostengünstige, sondern eine “billige” Lösung suchen.
Ich werde mich weiterhin mit viralen Effekten beschäftigen und sicher auch ab und zu darüber bloggen. Sehr gerne komme ich mit Euch darüber ins Gespräch, wo und wie Ihr virale Kampagnen gestartet habt und welcher Erfolg sich damit erzielen ließ. Schreibt dazu einfach einen kurzen Kommentar!
Einen Kommentar zum Beitrag schreiben!Einer meiner EDEKA-Kunden hat sich für den Herbst eine echt tolle Aktion ausgedacht: Beim Flirt-Shopping haben Singles am 27. September und 2. Oktober im EDEKA otto Markt in Löhne (Lübbecker Straße) und Minden (Viktoria Straße) die Möglichkeit, mit dem anderen Geschlecht anzubandeln. “Mit Einkaufswagen auf Partnersuche” hat der Einzelhändler aus Ostwestfalen seine Aktion umschrieben und fügt hinzu: “Es gibt romantische Musik, kleine Naschereien und sicher auch ein süßes Küsschen, damit sich Kennenlern-Freudige bei uns einen richtig netten Abend machen können.”
Auch wenn ich schon einige Jahre glücklich verheiratet bin, finde ich die Idee zu dieser Aktion wirklich witzig und gelungen. Sie zeigt auch, dass Unternehmen mit außergewöhnlichen Angeboten und einem “mehr” an Kundenservice aus der Masse herausstechen. Diese serviceorientierte Unterscheidung vom Wettbewerb ist viel wichtiger, als immer nur die Geiz-ist-geil-Mentalität zu stärken.
Welche Serviceideen noch für gesteigerte Kundenzufriedenheit sorgen, untersucht der Ex-Marktschreyer zur Zeit mit einer Crowdsourcing-Aktion. Marcel Schreyer hat auf seiner Website einen Leitfaden veröffentlicht: “Mundpropaganda durch außergewöhnlichen Kundenservice”. Er schreibt:
Ich möchte via Crowdsourcing einen Leitfaden herausbringen, der mindestens hundert außergewöhnliche Service-Ideen enthält, mit denen sich Mundpropaganda erzeugen lässt.
Einen Anfang hat der findige Marketing-Berater aus dem Schwabenland schon gemacht und dabei einige ganz witzige Serviceideen für verschiedenste Branchen formuliert, z.B.:
Marcel wünscht sich, dass noch viele weitere Ideen mit dazukommen:
Wie Sie sehen werden haben wir in der Auflistung noch viel Platz gelassen - Platz für Ihre Ideen. Das Ziel ist, mindestens 100 Ideen zu sammeln. Bitte senden Sie uns Ihre Vorschläge unter dem Betreff “Mundpropaganda” an info@comma5.de und helfen Sie mit, einen praktischen Mundpropaganda-Leitfaden auszubauen. Vielen Dank dafür bereits jetzt!
Wir haben mit dem Flirtshopping ja schon eine weitere Idee für den Einzelhandel geliefert. Weiterhin schlagen wir folgende Aktionen vor:
Ich bin gespannt, welche weiteren Vorschläge sich hier (Kommentare) oder auch bei Marcel noch ansammeln und wie der Leitfaden sich entwickelt. Dann lasst mal die Tasten glühen…
Einen Kommentar zum Beitrag schreiben!Bin bei Youtube auf zwei ziemlich merkwürdige Videoclips gestoßen, die mich im ersten Moment nicht sonderlich angesprochen haben. Es geht in den - ziemlich schlecht absichtlich amateurhaft produzierten - Clips um Möglichkeiten zur Optimierung des DSL-Zugangs. Mit entsprechendem Massageöl oder einer speziellen DSL-Wünschelrute soll die DSL-Leitung verbessert werden. Als Protagonist taucht ein (schlechter) Schauspieler auf, der sich in Sachen Technik-Talk bewusst laienhaft ausdrückt und eine ziemlich lausige Nummer abzieht.

Videoclip “Rauphasertapete” | Videoclip “Massageöl“
Bei der Suche nach Fixmeier stößt man - natürlich - direkt auf die Website des “Anbieters” — DLS Superschnell. Bei näherem Hinsehen entpuppt sich der Auftritt als reinste Veräppelung. Die Anbieterkennung verweist auf eine Limited in England. Allerdings lässt die 0800-Hotline darauf schließen, das hinter der Nummer ein größerer DSL-Anbieter steckt, der mit der Aktion Aufmerksamkeit erhalten will. Wir werden sehen, wann und wie sich die Geschichte auflöst.
Habe einige Tage drüber nachgedacht, ob ich aus dem Thema einen Artikel mache — Ja! Hinter den Beiträgen im Neukunden-Magnet steckt nicht immer nur spontane Laune, sondern manchmal auch eine echte inhaltliche Auseinandersetzung… — und mich dann dazu entschieden, den in meinen Augen schlechten Versuch einer viralen Kampagne einfach mal zu bewerten:
Insgesamt also eine echt laaaaaaahhhme Geschichte - *gähn*. Nur weil jetzt alle Marketing-Welt auf viralen Pferden reitet, sollten sich interessierte Unternehmen nicht mit jedem alten Klepper abgeben.
Einen Kommentar zum Beitrag schreiben!Ich bin überzeugt: Meine Produkte und Dienstleistungen sind die besten auf der Welt. Uns kann sowieso keiner das Wasser reichen. Wenn wir ein neues Produkt auf den Markt bringen, dann müssen unsere Wettbewerber vor Ehrfurcht auf dem Boden kriechen. Was wir tun, kann kein anderer je schaffen. Wir sind immer unserer Zeit voraus, wir sind innovativ, wir sind einfach die besten. Sagte ich schon, dass wir Genies sind?
Wer voller Stolz ein neues Produkt auf den Markt bringt, der macht es am besten so wie die Macher vom Samsung Omnia i900:
Cool, oder?
[via, thanks!]
Einen Kommentar zum Beitrag schreiben!Über virales Marketing haben wir ja auch schon immer mal berichtet. Sehr gelungen - wenn auch nicht gerade *hüstel* jugendfrei - finde ich diesen Clip, der virales Marketing auslöst und gleichzeitig auf die Schippe nimmt.
[Video bei Youtube]
Viralmarketing-Experte Christian Wilfer schreibt dazu in seinem Blog:
Immer wieder hört man kritische Stimmen zu Virals. “Virals kommunizieren keine Markenbotschaften!”, “Virals geben für ihren viralen Selbstzweck den Marketinggedanken auf und legen nur Wert auf eine möglichst große Verbreitung!”, etc…. Na na na, wer wird denn gleich so negativ sein?! Mein momentaner Lieblingsviral bringt die Thematik selbstironisch auf den Punkt, stellt deswegen aber keineswegs seine Markenbotschaft in den Hintergrund.
Dem kann ich nur zustimmen. Allein über die gelbe Farbe des Elefanten in der U-Bahn und den scheinbar unsinnigen Dialog (”Keine Ahnung, aber die zahlen das ganze…”) prägt sich mir das werbende Unternehmen (”GoYellow” - ein Branchenbuch im Internet) stärker ein, als wenn der Bezug nur oberflächlich ist (z.B. wenn am Ende nur kurz das Logo eingeblendet wird).
Einen Kommentar zum Beitrag schreiben!Pfingsten steht vor der Tür. Ich freue mich auf 2-3 freie Tage, bevor es dann bis Mittwoch Abend ins Rhein-Main-Gebiet und ins Badische geht. Am Donnerstag schließt sich dann gleich das Unternehmerforum OWL an, bevor mich Freitag sicher wieder der übliche Agenturwahnsinn einholt. Aber ich will nicht klagen - im Sommer geht es dann vielleicht hierhin:
In diesem Sinne: Genießt “ganz aufgeweckt” (hihi…) die freien Tage und wir sehen, lesen, hören uns ab dem 19. Mai wieder!
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So simpel ist es manchmal: Wer auf alternativen Strom aus Erdwärme aufmerksam machen möchte, bringt die Steckdose einfach auf die Straße. Mit dem Slogan “Energie, die nie versiegt” wirbt der Anbieter EnBW auf Guerilla-Art. In Fußgängerzonen wurden große Steckdosen-Aufkleber auf dem Boden angebracht und mit verschiedenen “Pömpeln” kombiniert, die als Stromstecker fungieren.
Wenn ich so drüber nachdenke, ist die Übertragung nicht 100% stimmig - wenn der Strom AUS der Erde kommt, dann sollte man ja den Stecker IN dieselbe stecken - bei dieser Guerilla-Aktion kommt aber der Stecker selbst aus dem Boden heraus. Nun ja, darüber wollen wir jetzt mal hinwegsehen. Ein Hingucker ist die Aktion auf jeden Fall…
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Heute mal wieder eine tolle Guerilla-Marketing-Aktion aus dem gleichnamigen Blog, die mir vor allem deshalb so gut gefällt, weil sie so einfach und kostengünstig ist. Am Flughafen Rio de Janeiro wurden die Fluggäste im Ankunftsbereich von zwei getarnten Chauffeuren mit einem großen Banner begrüßt.
Unter dem überdimensionalen Namen stand die Frage: “Needing glasses?”, also “Benötigen sie eine Brille?” und die Telefonnummer des Optikerladens. Hammer-Idee, denn hier schaut jeder drauf und wundert sich erstmal… und dann kommt der Aha-Effekt!
Ich schließe mich dem positiven Lob an - Investition: 1 Banner für ca. 200 €, zwei Statisten (Studenten sollen ja an sowas Spaß haben) für vielleicht noch einmal 200 € pro Tag und eine geniale Idee = einfach unbezahlbar…
Einen Kommentar zum Beitrag schreiben!Nein, Michael Gandke, da bin ich anderer Meinung! Eine Anzeige in lokalen Zeitungen für 400,- Euro hätte mit Sicherheit nicht den selben Effekt gehabt, wie diese tolle Werbeaktion des Aktienclubs in Augsburg. Der hat an seine Einladungsflyer für eine Veranstaltung rote “Erfolgsmenschen” gehängt und diese in Postkästen geworfen.

Ich finde diese Kampagne wirklich klasse gemacht, - sehr einfach, kostengünstig und dennoch effektiv. So hat sich der Einsatz - laut Michael Gandke - gelohnt und zahlreiche Gäste zur beworbenen Veranstaltung geführt. Wieso der Guerilla-Marketing-Blogger am Schluss seines Beitrags die Aktion wieder relativiert, will mir nicht recht einleuchten.
Zugegeben: Die Postkästen einzeln zu befüllen ist eine Menge Arbeit, doch gerade in urbanen Gegenden mit einer Handvoll Studenten relativ leicht und kostengünstig zu erledigen. Einen weiteren Nebeneffekt kann eine Anzeige in der Tageszeitung aber in keinem Fall ausgleichen (zumal ich befürchte, dass es für 400 € gerade mal eine Anzeige in Briefmarkengröße gibt…): Symphatie.
Wer sich mit einer solchen Aktion Mühe gibt, wird in den meisten Fällen als vertrauensvoll und kompetent wahrgenommen. Positives Images ist häufig viel mehr wert, als die erste Reaktion. Ich habe selbst häufig erlebt, dass mich Unternehmer auf frühere Werbeaktionen angesprochen haben (”Sie hatten doch damals… - das fand ich super…”) und erst beim zweiten oder dritten Mal in Aktion getreten sind. Insofern sind die roten Erfolgsmännchen ein toller Hingucker und “Im-Gedächtnis-Bleiber”.
Einen Kommentar zum Beitrag schreiben!“Wie bekomm’ ich nur meine alten Klötten versteigert?” fragt sich wohl dieser Tage der eine oder andere Sammler von gutem Gebrauchtem. Bilder und Möbel aus Großmutters Zeiten, Briefmarken und Trödel sind für die Fans von Flohmärkten und Second Life Hand Läden wahre Schätze. Doch oftmals verkommen die Kleinode zu Ladenhütern. Nur wer seine Habseligkeiten gekonnt in Szene zu setzen weiß, erzielt Aufmerksamkeit und damit höhere Summen im Verkauf.

So erlebte es auch ebay-Verkäufer bin.baden, der unlängst einen “Ei-Pott Scheffel” seiner Großmutter auf der Plattform verkauft hat. “Speicherkapazität: 6 Eier” heißt es in der Beschreibung, die bislang knapp 10.000 Mal (!) abgerufen wurde:
Mein Enkel ist bekloppt geworden. Erst faselt er monatelang davon, dass er in ein kabelloses Internat will (tadellos heißt es, mein Junge, nicht kabellos!) – irgendwo in Weyerless an der Lan oder so. Dazu bräuchte er unbedingt ein LSD-Modem, hat er gesagt. Und dann will er plötzlich einen Ei-Pott haben; vielleicht hat er Angst, dass es in dem Internat nix Gescheites zu Futtern gibt? Jedenfalls hab ich ihm einen astreinen Ei-Pott zum Geburtstag geschenkt – und plötzlich will er gar keinen mehr. Was geht bloß in den Köpfen der jungen Leute vor? Wollen die uns veräppeln?!
Wäre hätte gedacht, dass dieser Eierkocher für zehn Euro und vier Euro fünfzig Versandkosten über die virtuelle Ladentheke geht? Neben dem Verkaufserlös darf sich bin.baden außerdem über eine Reihe begeisterter Kommentare freuen:
“also ich wollte dir mal sagen das ich das so genial von dir finden ich könnt mich den ganzen tag todlachen also ein extrem fettes kompliment für diese…”
“Hi! Das is ja wohl mal eine mega geile Idee, die Du da hast! Das Ding macht im Internet die Runde! Ich wünsche Dir einen hohen Verkaufspreis!!!”
Sicher kennt der eine oder andere den Frust, auf Ladenhütern sitzen zu bleiben. Wie gehen Sie mit dieser Situation um? Diese lustige ebay-Versteigerung zeigt, dass es möglich ist, auch altes Gelumpe an den Mann bzw. die Frau zu bringen, solange pfiffiges Marketing im Spiel ist. Keine teuren Hochglanzbroschüren, keine Multimedia-Show und keine Spots in Funk und TV - eine gute Idee ist häufig mehr wert, als alle Werbemittel dieser Welt.
[Danke an Tobi für den Tipp!]
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