Baldiger Tod der holzverarbeitenden Industrie?


Geschrieben am Donnerstag, 10. Mai 2007 von Thomas Kilian

Michael Gisiger - wort|ge|fecht, dasMichael Gisiger gibt in seinem Beitrag zum Business-Blog-Karneval zehn Thesen wider, wie Medien und Verlage mit dem Fortschritt der vernetzen Welt umgehen sollten, um weiterhin Meinungsführer zu bleiben. Der Artikel ist im “wort|ge|fecht, das”-Weblog erschienen und kann dort mit Quellenverweisen gelesen und kommentiert werden. Michael Gisiger beschäftigt sich in seinem Weblog “vor allem mit Fragen der individuellen Freiheit und den neuen Möglichkeiten und Chancen, die das Internet bietet.”

Logo 3. Business-Blog-Karneval

Für Robert Scoble, US-Blogikone und Buchautor, sind Zeitungen tot. Im November 2005 prophezeite er anlässlich einer Veranstaltung an der Universität von San Jose, dass sein Sohn nie eine Zeitung lesen, geschweige denn abonnieren wird. Scoble glaubt fest daran – nicht nur Zeitungen, sondern die gesamte auf Papier gedruckte Informationsvermittlung wird sterben.

Eine andere Ikone glaubt nicht an den schnellen Tod: “Giants die hard. As hard as it is to build a start-up company from nothing, it is even harder to kill a giant business.” Damit hat Don Doge von Microsoft den Nagel auf den Kopf getroffen. IBM ist immer noch im Geschäft. Andere sind es nicht mehr. Genau so wird es auch mit den traditionellen Medienhäusern geschehen. Die einen bleiben, andere verschwinden. Bereits vor einem Jahr habe ich ein Artikel zum Thema verfasst, der sich mit möglichen neuen Strategien befasst. Print mag aussterben, News bleiben.

Doc Searls, seines Zeichens unter anderem Herausgeber des “Linux Journal” und Mitautor des “Cluetrain Manifests”, hat die von Scoble angerissene Diskussion aufgenommen und kurz zehn Strategien umrissen, mit deren Hilfe seiner Ansicht nach die Verlagshäuser den Verfallsprozess zumindest aufhalten können. Ich möchte diese hier ebenfalls wiedergeben – sie sind mehr als einen Gedanken wert:

  1. Hört auf, die News kostenlos weiterzugeben und für Altes Geld zu verlangen. OK, News kann man weiterhin gratis im Internet veröffentlichen. Das bringt Werbeeinnahmen. Aber öffnet die Archive! Die Leser mögen das nicht, andere Schreiber sowieso. Am schlimmsten jedoch sind geschlossene Archive für Suchmaschinen. Euer Inhalt wird nicht gefunden. Offene Archive erhöhen die Autorität. In Deutschland geht der “Spiegel” voran und öffnet seine Archive. Auch die Web-first Strategie wird sich weiter durchsetzen.
  2. Beginnt damit, Archivmaterial auf der Website zu featuren. Backlinks zu älteren Beiträgen erhöhen die Indexierung in Suchmaschinen. Resultat: Mehr Leser, höhere Autorität, bessere Page-Ranks.
  3. Verlinkt ausserhalb der Zeitung. Setzt auch im redaktionellen Teil Links. Resultat: Siehe Punkt 2.
  4. Verfolgt und verlinkt lokale Blogger und die lokale Konkurrenz. Ihr seid seit langer Zeit nicht mehr die einzigen, aber ihr seid der grösste Fisch im Teich. Profitiert davon.
  5. Identifiziert die besten Blogger und vernetzt euch mit ihnen. In der Blogosphäre schreiben oftmals Leute mit mehr Herzblut und Fachwissen als auf euren Redaktionen. Diese Blogger, die von der lokalen Problematik mehr verstehen, sind keine Konkurrenz. Symbiose ist angesagt.
  6. Holt für die lokale Berichterstattung Bürgerjournalisten an Bord. Da draussen sind viele mit Kameras und anderer Ausrüstung, die sofort und hautnah dabei sind. Belasst es nicht bei verschwommenen MMS-Bildchen. Vielgesehene Videos könnten statt auf YouTube und Co. bei euch erscheinen und Traffic generieren. Bedenkt dabei aber Punkt 7.
  7. Hört auf, alles als “Content” zu bezeichnen. Es ist ein Bullshit-Wort, erfunden von der “New Economy” in den 1990ern als Füllwort für alles, was sich digitalisieren lässt. Euer Job ist Journalismus, nicht der Transport von Übersee-Containern.
  8. Vereinfacht eure Webseiten. Es gibt da draussen keine Seite einer Zeitung, die nicht langsam lädt, deren Navigation nicht kompliziert ist. Hört auf, die Leser in ein Labyrinth zu führen. Ihr erreicht Leser, die etwas lernen wollen und keine Autos, die einen Parkplatz suchen.
  9. Verabschiedet euch vom statischen Web (1.0). Adaptiert das neue bidirektionale Web. Benützt Feeds, eröffnet die Kommunikation mit den Lesern, verlinkt, … – Verabschiedet euch von euren zaghaft-kläglichen, ständig zensierten Foren und kommuniziert endlich.
  10. Tut was für das mobile Netz. Eure Seiten sind auf mobilen Endgeräten eine Qual. Kümmert euch um die Leser, die unterwegs auf einem Blackberry oder einem Smartphone lesen wollen. Aber verlangt dafür kein Geld (siehe Punkt 1). Agiert, geht voran. Das Kapital wird euch folgen.

Ich möchte diesen Beitrag schliessen mit einem Zitat aus meinem oben erwähnten Artikel:

Eine verstärkte Integration von kommunikationswilligen Laien in die arbeitsteiligen Medienorganisationen bietet sich also also Lösung an. [...] Die neuen Technologien erlauben es, das Publikum systematischer in den Kommunikationsprozess einzubinden. Fast, so scheint es, wird Brechts Forderung nach einem “emanzipatorischen Medienapparat” doch noch Wirklichkeit. In der neuen Medienwelt ist Platz für alle: für einen boomenden Zeitungsmarkt, der Hintergrund- und lokale Berichterstattung bietet, lokale, nationale und internationale TV- und Radiostationen, Magazine und Zeitschriften und eben auch für eine florierende Blogosphäre. Bestimmend ist nicht das Medium, sondern der Inhalt, der transportiert wird. Wer immer die Inhalte bietet, die der Konsument wünscht, wird prosperieren. Die anderen verschwinden vom Markt.

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