“In Krisenzeiten suchen die Unternehmen verstärkt nach Wegen, Kosten zu reduzieren.” Mir scheint, als wenn in Krisenzeiten dubiose Geschäftemacher nach Wegen suchen, um Unternehmen das Geld aus der Tasche zu ziehen. So erhielt ich vor einigen Wochen einen Brief der “Internationalen Wirtschaftsnachrichten Verlagsgesellschaft mbH“, in dem mir eine Veröffentlichung über Ihr Unternehmen angeboten wurde. Heute kam dann ein erneuter (unaufgeforderter und an die alte Firmierung adressierter) Werbebrief vom IWN-Verlag. Soweit mir bekannt ist, sind solche unpersonalisierten (”Sehr geehrte Damen und Herren”) Werbebriefe nach aktueller Rechtssprechung gar nicht mehr zulässig. Doch der Oberklops ist das dreiste Angebot der Internationalen Wirtschaftsnachrichten Verlagsgesellschaft.
So heißt es im Brief, dass “den hastigen Sparmaßnahmen nicht selten als Erstes die Werbebudgets zum Opfer fallen”. Und weiter zum Angebot der Internationalen Wirtschaftsnachrichten Verlagsgesellschaft:
Diese Problematik möchten wir unseren Lesern, Entscheidungsträgern aus allen Branchen, näher bringen und planen eine Serie von Beiträgen über Werbeagenturen und - dienstleister. Wir möchten in diesem Rahmen auch einen Beitrag über Ihr Unternehmen veröffentlichen und würden uns freuen, wenn ein Mitglied der Geschäftsleitung einem unserer Redakteure für ein Interview zur Verfügung stehen könnte. Neben ihrem Dienstleistungsangebot ist auch ihre Meinung zur Werbung in Krisenzeiten von Interesse.
Klingt doch gar nicht schlecht. Interviews gebe ich immer gerne, und wenn ich “nebenbei” noch auf die Leistungen unserer Internetagentur verweisen kann, stehe ich für ein Gespräch doch sofort zu Stelle.

Wie so häufig, kommt es auch beim unerwünschten Werbebrief der Internationalen Wirtschaftsnachrichten Verlagsgesellschaft auf das Kleingedruckte an. Beinahe zufällig bin ich erst heute (!) auf den folgenden Passus gestoßen - war mir beim Lesen vor einigen Wochen gar nicht aufgefallen:
Die Veröffentlichung ist für die kommende Ausgabe unseres Magazins “Regionaleurooäischer Wirtschafts-Spiegel” vorgesehen. Interview und Texterstellung sind für Sie kostenfrei. Veröffentlichtes Bildmaterial wird mit Euro 9,95 pro mm-Höhe/Spalte berechnet. Vor der Veröffentlichung erhalten Sie einen Korrekturabzug…
Halt! Moment mal! Taschenrechner raus:
Autorenfoto:
5 cm hoch, 2 Spalten breit
50 * 9,95 Euro * 2 Spalten = 995 Euro
Buchcover Igel-Faktor, Bürogebäude oder Referenzfoto
7 cm hoch, 3 Spalten breit (soll ja wirken!)
70 * 9,95 Euro * 3 Spalten = 2089,50 Euro
Summe = 3084,50 Euro zuzügl. MwSt.
Bei den Zahlen wird einem ja schwindelig - schließlich geht es um den Regionaleuropäischen Wirtschafts-Spiegel und nicht den echten SPIEGEL. Die magere Auflage von 10.500 Exemplaren (lt. Mediadaten des IWN-Verlags) rechtfertig wohl in keiner Hinsicht diese Summen. Noch dazu wird mir hier unter Vorhaltung falscher Tatsachen (”planen wir zurzeit eine Reportage über Ihr Unternehmen”) eine kostenpflichtige Werbung untergejubelt. Wie ich herausfinden konnte, sind schon Unternehmen auf die dreiste Abzocke der Internationalen Wirtschaftsnachrichten Verlagsgesellschaft reingefallen, andere sind verunsichert, ob sie das Angebot annehmen sollen. Deshalb möchte ich in diesem Beitrag auf das Geschäftsgebaren des IWN-Verlags aus Mühlheim a. d. Ruhr hinweisen, damit Unternehmen - gerade in Krisenzeiten - ihr Geld nicht zum Fenster rausschmeißen, sondern sinnvoll und nachhaltig investieren können.
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Vielen Dank für diesen Hinweis, wir haben diese Schreiben auch erhalten. HG Stechmücke
In der Tat ist das ne üble Masche. Gut, dass der Taschenrechner zur Hand war ![]()
Ich kann übrigens gut mitfühlen. Als ich meine GmbH gegründet hatte, bekam ich nahezu jeden Tag ein zuweifelhaftes Schreiben. Vor allem vor kostenpflichtigen Einträgen in irgendwelche Wirtschaftsverzeichnisse kann ich nur warnen. Die Aufmachung der Schreiben hat teilweise geradezu offiziellen Charakter aber der Nutzen wäre gleich null…
Also weiterhin Augen auf und Kopf an!
Für den Igel-Faktor wünsche ich viel Erfolg.
Grüße, Christoph
Ach nee, heute auch bekommen. Bin gottseidank noch nie reingefallen, halte aber die Augen auch immer offen.
Das von Dir publik gemachte Schreiben ist nicht das einzige in der Art. Gerade auch einen Brief von “branchenklick.de” bekommen, der erstmal nach dem bekannten gelben Branchenbuch aussieht.
Fies auch: Als Empfänger liest man erstmal “Deutsche Post”, auf den zweiten Blick: Versand per Deutsche Post an … Branchenclick.de.
Vielen Dank für den Beiträg, hätte ich mal früher lesen sollen. Bin im letzten Winter (2009) reingefallen und habe gerade den Gerichtstermin bekommen, weil ich nicht zahlen wollte. Die Bilder hat der “Journalist” vom IWN einfach mal selber ausgesucht: 6500 Euro stehen nun auf der Rechnung.
Gruß
Philip
genau den selben schlüpfrigen brief haben wir auch bekommen. eine echt miese masche.
…genauso wie die schreiben, die man bekommt, wenn man eine marke ( int.) hat eintragen lassen.
da bekommt man auch ständig irgendwelche schreiben, die hochoffiziell aussehen, und deren rechnungsbetrag zufällig genau derselbe ist, den man für die eintragung leisten muss…
..also immer schön das kleingedruckte lesen